Halbzeit auf der Baustelle an der Frauenstraße

Die citynahe Hälfte der Frauenstraße war zum Halbzeitfest nicht ganz fertig, aber der Handel trägt es mit Fassung. Verzögerungen resultieren auch daraus, dass Projekte der Stadt viele Kapazitäten binden. Mit Kommentar: Die Übersicht behalten.

|

Das Halbzeitfest in der Frauenstraße machte deutlich, unter welchen Belastungen der Handel wegen der Großbaustelle leidet: Einzelne Läden wie Duft & Wärme, die Laufkundschaft brauchen, verzeichnen Einbußen bis 50 Prozent. Dennoch stehen die Geschäfte hinter dem Projekt, das die Frauenstraße entsprechend dem geschichtlichen Vorbild wieder zu einer großzügigen Einkaufsstraße machen soll. Es gab am Samstag aber auch Klagen, dass die oft überschaubare Truppe der Bauarbeiter freitags um 14 Uhr ihre Schaufeln weglegt. Das Rathaus hat, wie berichtet, mit Samstagsarbeit Besserung versprochen.

Bei einem Besuch auf dem Halbzeitfest bekräftigte Finanzbürgermeister Gunter Czisch das Ziel, mit der Ende März gestarteten Straßenbaustelle ein halbes Jahr früher fertig zu werden: zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts Ende November. Czisch warb um Verständnis für Verzögerungen. So wurde auch das neue Bodenpflaster auf der zuerst angegangenen Westseite zum Fest trotz Schlussspurts bloß bis Elektro Lang und nicht bis Pfaehler verlegt.

Beim Spezialisten für Espresso-Maschinen Lang berichtete Rosario Cavaleri, am Vormittag hätten über die Schotterpiste lediglich drei Kunden in den Laden gefunden. Auch die Feneberg-Filiale ist vorerst weiter nur auf diesem Weg erreichbar. Allerdings wurde das Pflaster schon bei DM Drogerie verlegt, wo es aber bei Tentschert nicht weitergeht.

Czisch führt die Lage darauf zurück, dass die Stadt mit ihren vielen Bauprojekten die regionalen Fachbetriebe bis an den Rand ihrer Kapazitäten auslastet. Das Rathaus verbaue 2015 die selbe Summe wie im Jahr zuvor: 80 Millionen Euro, das Doppelte der normalen Investitionsmittel: „Wir bauen wie die Bürstenbinder.“ Czisch zeigte sich erleichterte, dass die Läden das Bauvorhaben mittragen. So sieht Mike Klamser von Sport Klamser kaum mehr Probleme. Der Bürgermeister betonte, die Frauenstraße werde viel breitere Fußgängerwege erhalten. Mit Tempo 30 wolle man auch Straßenrennen auf dem Teil des Altstadtrings verhindern. Ansonsten müssten Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer enger zusammenrücken, wiederholte er das nun gängige Credo.

Die Resonanz auf das Halbzeitfest, für das auch Bierbänke auf dem ersten fertigen Fahrstreifen aufgestellt wurden, war bis zum Einsetzen des Regens erfreulich, berichtete Citymanager Henning Krone. Aus seiner Sicht ist es ein gutes Signal für die Frauenstraße, dass das türkische Restaurant Hatay in der früheren Eisdiele Rino mitten in der Baustellenzeit eröffnet hat.

Die City hatte sich wohl auch wegen des bayerischen Feiertags Mariä Himmelfahrt früh gefüllt, mit Autoschlangen bis zum Parkhaus Rosengasse, fast wie an Adventssamstagen. Es wurden viele Autos mit bayerischen Kennzeichen gesichtet: nicht nur Neu-Ulm, sondern Augsburg, Würzburg, München.

Ein Kommentar von Frank König: Die Übersicht behalten

Zwar hat die Baustelle in der Frauenstraße nicht die Dimension der ebenfalls unwirtlich wirkenden Sedelhöfe am anderen Ende der City. Jedoch war für Passanten zeitweise eine komplexe Schotter- und Kraterlandschaft entstanden, die mit ständig wechselnden Übergängen zusätzlich für Verwirrung und Einbußen im Handel sorgte.

In den Läden herrschte Verwunderung, dass häufig kaum eine Handvoll Bauarbeiter auf dem ausgedehnten Terrain zwischen Bockgasse und Neue Straße unterwegs war, manche Shops wurden bei der Leitungsverlegung kurzzeitig zwangsgeschlossen, und nun hat es auch Verzögerungen bei der Verlegung des – durchaus ansehnlichen – Pflasters gegeben. Gut, dass das Rathaus reagiert.

Auch mit der angekündigten Samstagsarbeit sollte nun gewährleistet sein, dass die womöglich zuletzt unter der Hitze leidende Baustelle bis zum Start des Weihnachtsgeschäfts – und damit etliche Monate früher – fertig wird. Das Ergebnis dürfte in jedem Fall eine beträchtliche Aufwertung für die Frauenstraße bedeuten, die sich eben auch mit Blick auf die künftigen Sedelhöfe im Wettbewerb der innerstädtischen Einkaufsquartiere positionieren will.

Für viele, vor allem neu ansässige Fachgeschäfte, die investiert haben, ist es dennoch eine echte Durststrecke. Die Stadt sollte deshalb darauf achten, dass sie mit Blick auf die weiteren Großbaustellen nicht die Übersicht verliert und die Interessen der Anrainer im Blick behält.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Täter von Eislingen entschuldigt sich in Abschiedsbrief

Drei Tote in Eislinger Tiefgarage: Der mutmaßliche Täter hat seiner Noch-Ehefrau und deren Freund mit einem Küchenmesser die Kehle durchgeschnitten und sich offenbar durch einen Kopfschuss selbst getötet. Er entschuldigt sich für die Tat in einem Abschiedsbrief. weiter lesen