Grünes Licht für Schwarzbau in Pfuhl

Seit Jahrzehnten stehen die Gartenhütten am Pfuhler Krummenweg. Illegal. Müssen sie deshalb weg, nach so langer Zeit? Anlass für eine Grundsatzdebatte über Recht, Unrecht und Gleichbehandlung.

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Dürfen stehen bleiben: Pfuhler Schrebergärtner müssen ihre unerlaubt gebauten Hütten nicht abreißen. Foto: Lars Schwerdtfeger

Wahrscheinlich hätte sich noch auf Jahre hinaus kein Mensch um die Hütten in den Schrebergärten am Pfuhler Krummenweg geschert. So wie eben die vergangenen Jahrzehnte auch nicht. Doch dann stellte der Grundstückseigentümer bei der Stadt einen Antrag auf Genehmigung der Gartenhütten. So gerieten sie plötzlich in den Blickpunkt der Verwaltung und der Stadträte. Denn die Hütten wurden illegal gebaut, eine nachträgliche Genehmigung ist gar nicht so einfach möglich.

Die Hütten stehen auf einem Gelände, das im Flächennutzungsplan als "Fläche für Wald" ausgewiesen ist. Um sie zu legalisieren, müsste der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden - ein aufwendiges, langwieriges und nicht billiges Verfahren, für das sich die Mehrheit der Stadträte im Stadtentwicklungsausschuss nicht erwärmen konnte.

Also die Hütten abreißen lassen? Die ältesten wurden schon Mitte der 60er Jahre gebaut, sie sind für die betagten Kleingärtner, von denen einige die Sitzung verfolgten, längst ein zweites Zuhause geworden. "Schweren Herzens: Abriss", meint Till Bauer (FWG). Er habe dort selbst einen Teil seiner Kindheit verbracht, trotzdem: "Das Recht wiegt mehr. Illegale Bauten will ich nicht dulden."

Dulden - das war die Lösung, die die Mehrheit favorisierte. Also einfach alles lassen, wie es ist. Allerdings gab es selbst unter Befürwortern kritische Stimmen. Annette Neulist (Grüne) pochte auf Gleichbehandlung. Wenn die Stadt an dieser Stelle ein Auge zudrücke, müsse das auch für andere gelten.

Mit Schwarzbauten haben die Neu-Ulmer Stadträte ja reichlich Erfahrung. Um ein paar Beispiele zu nennen: Der Streit um die Wochenendhütten an der Burlafinger Seenplatte beschäftigte sogar den Petitionsausschuss des Landtags, und die unerlaubt errichteten Schuppen im Wohngebiet Wiley brachten dem Viertel auch schon den Spitznamen "Vereinigte Hüttenwerke" ein.

Ulrich Seitz (SPD) war zwar im Fall der Pfuhler Gartenhütten auch für Duldung, allerdings mit Bauchschmerzen. "Es darf nicht auf eine Generalamnestie für Schwarzbauten hinauslaufen", warnte er. "Die Botschaft darf nicht sein: Baut einfach ohne Genehmigung. Sonst können wir unsere Bauordnung gleich in den Ofen schmeißen."

Zumal sich bei den Pfuhler Gartenhütten ein weiteres Problem auftat. Zwar sind einige schon fast fünf Jahrzehnte alt, andere dagegen wurden erst in den letzten Jahren gebaut, berichtete Stadt-Justitiar Thomas Hofmann. Die Nachbarn im angrenzenden Wohngebiet hätten sich öfter über Lärm beschwert, der vor allem von den Nutzern der neueren Hütten ausgehe. Sie betrachten ihre Gärten "eher als Freizeit- oder Wochenendareal denn als Anbaufläche für Nutzpflanzen", stellte die Verwaltung dar. Wenn die Stadt die Gartenhütten dulde, gelte das nicht nur für die alten, sondern für alle. Die Stadträte schluckten auch das. Nur weitere dürfe es nicht geben, darauf legten sie Wert.

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