Grünen-Politikerin Claudia Roth besucht Doku-Zentrum des KZ

Die Grünen-Politikerin und Vize-Präsidentin des Deutschen Bundestags, Claudia Roth, besuchte am Mittwoch das Doku-Zentrum am Oberen Kuhberg. Sie rief die Menschen auf, sich um der Zukunft willen zu erinnern.

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Claudia Roth (Mitte) in den Kasematten des Doku-Zentrums am Oberen Kuhberg. Links die Leiterin des Erinnerungszentrums Dr. Nicola Wenge, rechts Landtagsabgeordneter Jürgen Filius.  Foto: 
Geboren in Ulm, aufgewachsen bei Memmingen, hat die Grünen-Politikerin seit jeher einen engen Bezug zu Ulm, wo sie als Kind oft am Unteren Kuhberg bei den Großeltern zu Besuch war. Am Mittwoch hat sich Claudia Roth vom Unteren auf den Oberen Kuhberg hochgearbeitet, wo sie einen Rundgang durch das Doku-Zentrum KZ Oberer Kuhberg machte. Und zwar als verspätetes Geschenk zu ihrem 60. Geburtstag Mitte Mai.

„Das ist ein wunderbares Geschenk“, sagte sie im Anschluss an die Führung mit der Leiterin Dr. Nicola Wenge und dem Vereinsvorsitzenden Dr. Werner Trägner, zumal die „Heimat wieder leicht entflammbar ist“, wie sie in Anspielung auf die Brandanschläge auf Asylbewerberheime sagte. Mehr denn je sei es „unglaublich wichtig, die Demokratie zu schützen, in dem man sich erinnere“, sagte sie. Roth nannte dies: sich „in die Zukunft erinnern“ – erinnern, um die richtigen Lehren für eine bessere Zukunft zu ziehen.

Beeindruckt war sie vor allem davon, wie schnell alles gegangen war im Jahr 1933, als die Nazis kurz nachdem sie an die Macht gekommen waren in Ulm schon ein erstes „Schutzhaftlager“ aufgebaut hatten, wie das KZ zunächst euphemistisch genannt wurde.

Wie die Leiterin des Doku-Zentrums sagte, sei Ulm eines der ersten Lager überhaupt gewesen, um den politischen Widerstand zu brechen. Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Journalisten und Pfarrer waren hier gefangen und auf grausame Weise gedemütigt worden. „Wie wenn man einen Schalter umlegt, und alles Menschliche ist weg“, sagte Roth dazu, wie schnell auch in der eher freisinnigen Stadt Ulm der Terror Oberhand hatte gewinnen können.

Wenge und Trägner berichteten der Politikerin auch davon, wie schwer es war, das 1985 gegründete Zentrum aufzubauen. Es habe starke Bedenken und offene Widerstände gegeben, vor allem bei der Verwendung des Begriffs Konzentrationslager. Umso erfreulicher sei die tiefe Verankerung in der Bevölkerung. Wenge: „Die Schule der Gewalt ging hier los.“

Roth, die vom Landtagsabgeordneten Jürgen Filius begleitet wurde, schaute sich die Sonderausstellung zum Kriegsende an und zu den schwierigen Anfängen des Erinnerns. Sie appellierte ganz allgemein an die Öffentlichkeit, dass die bis Ende Oktober angesetzte Sonderausstellung nicht einfach in den Archiven verschwinden dürfe, sondern dauerhaft öffentlich gezeigt werden müsste: „Ich hoffe, dass die Ausstellung viele Menschen sehen.“

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