Grüne fordern: Das Wonnemar soll städtisch werden

„Wir haben kein Vertrauen mehr.“ Mit diesem zentralen Satz stellen sich die Grünen in Ulm und Neu-Ulm gegen den Wonnemar-Betreiber Interspa. Aber der Pachtvertrag könnte bald verlängert werden. Mit einem Kommentar von Edwin Ruschitzka: Nicht nur Wahlkampf-Gedöns.

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Ein Schwimmer im Wonnemar.  Foto: 
Pleiten, Pech und Pannen in der Wonnemar-Freizeitanlage. Von den negativen Schlagzeilen haben die Grünen dies- und jenseits der Donau definitiv genug. Sie wollen, dass der Pachtvertrag mit der Stuttgarter Interspa beendet wird und die Anlage mit dem Freizeitbad, dem Donau-Freibad und mit der Eislaufanlage wieder in Hände der Städte zurück fällt. Im Herbst dieses Jahres werden sich die beiden Stadtparlamente mit einem Zehnjahresplan befassen, aus dem nach Auskunft von Gerhard Semler von der Ulmer Stadtverwaltung hervorgeht, dass von 2016 bis 2025 weitere 4 Millionen Euro nur für Sanierungen anstehen werden.

Im Raum stehe kein neuer, dann zehnjähriger Pachtvertrag, sagte Semler gestern. Das war von den Grünen angenommen worden. Der Pachtvertrag laufe am 31. Dezember 2016 aus. Und bis zum 31. Dezember 2015 könnte die Interspa erklären, ob sie ihn um weitere vier Jahre verlängern will. Gegen diese Verlängerung haben sich gestern aber die Ulmer Grünen-Räte Michael Joukov, Sigrid Räkel-Rehner und Birgit Schäfer-Oelmayer, auch OB-Kandidatin, sowie der Neu-Ulmer Fraktionschef Rainer Juchheim ausgesprochen, Sie forderten, dass die Stadtverwaltungen bei der anstehenden Diskussion im Herbst auch Vorschläge machen, wie die Städte die Anlage in Zukunft selbst betreiben können.

Dass die Wonnemar-Verantwortlichen seit April dieses Jahres volle Ammoniakfässer ungeschützt im Freien gelagert hätten, ist für die Grünen nur die Spitze des Eisbergs. Dass Stadträte und das Neu-Ulmer Landratsamt als immissionsschutzrechtliche Aufsichtsbehörde diesbezüglich auch noch belogen worden seien, verschlimmere die Situation. „Da ist bei uns kein Vertrauen mehr vorhanden.“ Dazu kämen die wiederkehrenden hygienischen Mängel, auch die personelle Unterbesetzung. Oft genug sei für die ganze Badeanlage nur ein einziger Bademeister vorhanden, weshalb Teile immer wieder abgesperrt würden, was man aber mit technischen Mängeln begründe. Diese permanente Unterbesetzung sei auch in den Dienstplänen ersichtlich. „Da stimmt vieles nicht mehr“, kritisierte Sigrid Räkel-Rehner die Betreiber. Ihre Kollegin und OB-Kandidatin Birgit Schäfer-Oelmayer will das Thema jetzt auch in den OB-Wahlkampf tragen. Sie ist gespannt, wie sich die anderen Mitbewerber dazu stellen.

An der Misere nicht unschuldig seien die Stadtverwaltungen, denen das Thema stets ungelegen komme. Auf Probleme angesprochen, seien die Städte immer irgendwie „unwillig“, hat Juchheim festgestellt. Mehr noch: Kontrollen, auch durch die Gesundheitsbehörden, seien lange im Vorfeld angekündigt worden. Das gehe überhaupt nicht. Birgit Schäfer-Oelmayer ist verärgert darüber, dass sie vieles aus der Zeitung erfahren hat. Das habe mit einer Kontrollfunktion durch die Städte absolut nichts zu tun. Deshalb will sie, dass die Städte die Anlage künftig als Eigenbetrieb oder als städtische Gesellschaft betreiben.

Wie Ulms Bürgermeister Gunter Czisch gestern erklären ließ, werde der Hauptausschuss des Ulmer Gemeinderats am 8. Oktober nichtöffentlich über den Vertrag mit Interspa beraten. "Selbstverständlich werden wir das Anliegen sachgerecht prüfen und die Alternativen aufbereiten und mit Neu-Ulm einvernehmlich abstimmen."

 

Ein Kommentar von Edwin Ruschitzka: Nicht nur Wahlkampf-Gedöns

Nein, das Thema Wonnemar ist bei den Grünen nicht nur dem OB-Wahlkampf in Ulm geschuldet. Links und rechts der Donau bleiben sich die Grünen vielmehr treu: Ihnen war die Verpachtung von Anbeginn der Verhandlungen mit der Stuttgarter Interspa-Gruppe suspekt. Sie hätten es lieber gehabt, wenn die beiden Städte das ihnen heimgefallene ehemalige Atlantis betrieben hätten. Dagegen gab es aber Vorbehalte vor allem aus Ulm. Er sei Oberbürgermeister und nicht Bademeister, sagte einst Ivo Gönner. Dass die Grünen jetzt ihre alten Vorschläge aus der Schublade holen, kommt nicht von ungefähr. Fast täglich könnte man ohne Übertreibung negative Schlagzeilen produzieren – über die mangelnde Hygiene in den Wasserbecken, über ein Bad, das bei gutem Besuch im Freien richtiggehend verdreckt, drinnen über kaputte Spinde und Duschen, generell über fehlendes Putz- und Aufsichtspersonal vor allem bei den Bademeistern. Irgendwie scheint die Truppe um den neuen Manager Antonius Junker die Probleme nicht in den Griff zu bekommen. Auch seine Vorgänger haben das zuweilen nicht besser gemacht. Den Stadtverwaltungen ist zu raten, den Grünen-Vorstoß nicht wie gehabt von vorneherein abzulehnen. Eine ernsthafte Prüfung sind sie auch den verbliebenen Besuchern schuldig, die im Wonnemar immer noch ihr Volksbad sehen. Die Treuesten der Treuen dürfen nicht vergrault werden.

Zahlen zum Wonnemar

Seit 2010 betreibt die Interspa aus Stuttgart das ehemalige Atlantis-Freizeitbad in Neu-Ulm samt Donau-Freibad und Eislaufanlage – neben bundesweit sechs weiteren Bädern. Ulm und Neu-Ulm schießen als Eigentümer dem Pächter Interspa für den laufenden Betrieb jährlich 300.000 Euro zu. Am Umsatz werden sie mit 3,5 Prozent beteiligt, jedoch schreibt das Bad noch keine schwarzen Zahlen. 2009 war das alte Atlantis für fast 12 Millionen Euro aus den Kassen beider Städte erneuert worden, vor allem die Sauna-Landschaft. Jetzt steht ein eigenständiger Thermalbereich samt neuer Bohranlage für das Thermalwasser an: Kosten über 3 Millionen Euro. Und in den nächsten zehn Jahren kommen nochmals 4 Millionen Euro an anderen Sanierungskosten dazu.

 

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Kommentare

05.08.2015 12:00 Uhr

Ich mag die Grünen ja nicht - aber da haben sie absolut Recht!!!

Endlich!!! Endlich macht mal jemand einen vernünftigen Vorschlag.

Ich mag die Grünen ja nicht - aber da haben sie absolut Recht!!!

'Sie forderten, dass die Stadtverwaltungen bei der anstehenden Diskussion im Herbst auch Vorschläge machen, wie die Städte die Anlage in Zukunft selbst betreiben können.'

Hoffentlich klappts!

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05.08.2015 11:36 Uhr

Antwort auf „Warum nicht?”

Birgit erklärte gerade über Facebook, dass sie auch selber Bademeisterin kann, müsste also ohne Ivo gehen!

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05.08.2015 11:34 Uhr

Das fordere ich hier schon ewig,

obwohl ich bei vielen anderen Themen nicht mit den Grünen übereinstimme. Man hat als Bürger keine Lust mehr, dieses Bad zu betreten. Ständig ist ein Bereich gesperrt oder etwas funktioniert nicht. Wegen der Hygienemängel hat man Angst um seine Gesundheit. Ich betrete dieses Bad nicht mehr, bevor es sich in städtischer Hand befindet.

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05.08.2015 07:37 Uhr

Warum nicht?

Wenn ständig von den Städten Geld reingepumpt werden muß, können sie es auch gleich ganz übernehmen. Irgendwie muß ja Gewinn zustande kommen, sonst wäre Interspa ja schon längst wieder weg.

... und der OB hat ja bald wieder mehr Zeit, vielleicht wird er dann doch noch Bademeister :)

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05.08.2015 07:02 Uhr

Wonnemar

muß städtisch werden, seit ein privater Betreiber das Bad übernommen hat gehts nur bergab.

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