Gründergriller fordert mehr Unterstützung für Startups

Ein Netzwerk ist für Gründer wichtig. Francesco Fusaro hat sich selbst vor sechs Jahren selbstständig gemacht und weiß um die Schwierigkeiten gerade in der Anfangsphase. Ein Grund, warum er das Gründergrillen ins Leben rief.

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  • Zweimal im Jahr treffen sich Gründer und Gründungswillige bei Damn Burger, um sich auszutauschen. Inzwischen kommen auch Investoren dazu. 1/2
    Zweimal im Jahr treffen sich Gründer und Gründungswillige bei Damn Burger, um sich auszutauschen. Inzwischen kommen auch Investoren dazu. Foto: 
  • Francesco Fusaro: Fokus auf Alb richten.  2/2
    Francesco Fusaro: Fokus auf Alb richten. Foto: 
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Höchst skurril und höchst interessant, das sind Francesco Fusaro zufolge die Konzepte und Unternehmen der Startuper, die sich zweimal im Jahr zum Gründergrillen in der Ulmer Innenstadt treffen. „Ziel ist es ein Netzwerk für Gründerinteressierte, Gründer und auch Investoren aufzubauen“, erklärt Fusaro, Initiator der Veranstaltung. Er selbst hat sich mit seinem Geschäftspartner Patrick Grünbacher vor sechs Jahren mit einer Unternehmensberatung selbstständig gemacht. „Wir hatten selbst mit vielen Dingen zu kämpfen“, blickt der 33-Jährige auf die Anfänge zurück. „Und wir hatten keine Plattform zum Austausch.“

Das war für Fusaro kein Zustand. „Am Anfang ist man blauäugig und wir haben auch Fehler gemacht.“ Deshalb wäre es umso wichtiger für die Jungunternehmer gewesen, sich mit Leuten mit ähnlichen Problemen auszutauschen. 2012 lernte Fusaro das Gründergrillen in Stuttgart kennen, nach und nach kam ihm der Gedanke, so etwas auch in Ulm zu etablieren. „Mir war wichtig, dass es eine Veranstaltung ist, die wir, also die Gründer, machen.“

Ein Glücksfall für ihn und sein Vorhaben war, dass er mit Admin Drinjak, dem Besitzer des Burgerladens Damn Burger, einen Unterstützer fand, der dem Gründergrillen sein Lokal für die Treffen zu Verfügung stellt. Zur Auftaktveranstaltung im Juli 2015 kamen rund 30 Teilnehmer, erinnert sich Fusaro. „Das Interesse war also da.“ Geworben hatte der Unternehmensberater damals ausschließlich über Soziale Medien und im Netz. „Es durften keine Kosten entstehen und wir wollten eine Plattform, die kein Geld abwirft, das war uns wichtig.“ Die Unternehmensberater wollen monetär nicht von der Sache profitieren. „Es soll eine Plattform zum Netzwerken sein.“

Inzwischen kommen, wie Fusaro berichtet, zu den Treffen neben Gründern und Gründungsinteressierten auch Investoren. „Für sie wird es zusehends schwieriger, eine gute Beteiligung zu finden, da das Angebot in den letzten Jahren gestiegen ist“, sagt Fusaro. Beim Gründergrillen sei es leicht, mit Gründern in Verbindung zu kommen. „Hier können Investoren identifizieren, in welche Startups sich eine Investition lohnt.“ Viele wollten etwa als Beirat in dem jungen Unternehmen mitwirken.

Die Schwierigkeit, warum Gründer und Investoren nur selten zusammenfinden, sieht Fusaro vor allem in den überhöhten Vorstellungen – auf beiden Seiten. „Die Verkäufer schätzen den Wert des eigenen Unternehmens häufig falsch ein. Die Investoren dagegen ihren Beteiligungsanteil zu gewichtig ein.“ Zudem würde häufig selbst bei einer Einigung zu wenig über das Wesentliche, wie etwa Kennzahlen gesprochen. „Das ist dann später ein großer Streitpunkt.“

Die Situation der Startuper in Ulm sieht Fusaro kritisch. „Wir sind gerade in einer Aufwachphase. Es wird dauern, bis ein richtiger Drive in die Sache reinkommt.“ Was fehlt, sei ein richtiger Inkubator, sprich eine Einrichtung oder ein Unternehmen, das Startups während der Existenzgründung unterstützt. Das Angebot müsse über die Bereitstellung von günstigen Büroflächen hinausgehen. „Dazu gehören teils Beteiligungen an den Startups, aber auch Beratung, Know-How-Transfer und eine Anleitung zum richtigen Arbeiten“, zählt Fusaro auf. Das Angebot einzelner Initiativen reiche nicht aus. Vielmehr brauche es auch hier einen Austausch zwischen den einzelnen Akteuren.

Sinnvoll sei es, denn Fokus weg von Ulm hin zur Region Schwäbische Alb zu richten. Dieser Bereich sei bislang nicht besetzt. „Ein richtiges Vernetzen sehe ich bislang nicht.“ Städte wie Ulm, Göppingen, Aalen oder Geislingen müssten zusammenarbeiten, um „ein richtiges Leuchtturmprojekt“ zu installieren.

50 Millionen Euro investieren

Zudem brauche es mehr Unternehmen und Institutionen, die bereit seien, viel Geld zu investieren. „Man muss verstehen, dass in Startups die Zukunft liegt“, ist sich Fusaro sicher. Um in dieser Zukunft eine Rolle zu spielen gelte es, Eitelkeiten abzulegen.

Fusaros Vorstellungen eines frei verfügbaren Finanzpools, der Gründer in ihren Ideen für neue Geschäftsmodelle finanziell unterstütze, dürfte so manchen Entscheidungsträger schocken. „Ein Pool von 50 Millionen Euro“, sagt der Unternehmensberater. „Dann wäre man hier unabhängig und auf der Startup-Landkarte sichtbar.“ Dass diese Summen zumindest derzeit noch illusorisch sind, weiß Fusaro. Eine Einzelinvestition könne jedoch bis zu einer Million Euro betragen, daher sei eine große Kapitalausstattung notwendig.

Ulm dürfe nicht den Fehler machen, etwa der Startup-Szene in der Hauptstadt nachzueifern. „Ulm als Anti-Berlin, das müsste im Startup-Bereich der Slogan sein“, ist Fusaro überzeugt. Die Region sollte sich etwa auf kleine Handwerksbetriebe fokussieren. „Wir haben hier Arbeiter und Kreative. Das ist das Charmante an Ulm.“

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