Angriff auf Schnellimbiss: Großes Schweigen zu Prozessauftakt

Zum Prozessauftakt wegen des Überfalls auf einen Schnellimbiss in der Ulmer Innenstadt schweigen die acht Angeklagten.

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Anschlag auf türkischen Imbiss  Foto: 

Gemessen an der kurzen Dauer des Prozessauftakts stand der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag. Nach gut 30 Minuten war die Verhandlung gegen acht junge Männer wieder vorbei, die mit ihren neun Anwälten größeres Stühlerücken im großen Schwurgerichtssaal nötig machten, um alle angemessen unterzubringen. Am Einlass wurde jeder Besucher streng kontrolliert, selbst ein Metalldetektor musste durchschritten werden. Vor und im Gerichtsgebäude waren etwa 30 Polizeibeamte aufgeboten, um für Sicherheit zu sorgen.

Doch dann war alles vorbei, noch ehe es richtig begonnen hatte. Das Gericht hatte den ganzen Tag vorgehalten für die Aussagen der Angeklagten. Doch keiner der acht allesamt in Ulm und Umgebung geborenen Männer kurdischer Herkunft wollte etwas zu dem Tatvorwurf sagen, weshalb der Vorsitzende Richter Gerd Gugenhan wenige Minuten nach 9 Uhr früh den Prozess bereits wieder beendete und auf den nächsten Termin am 18. Oktober (8.30 Uhr) verwies.

Die Tat, um die es fortan gehen soll, hatte am Schwörmontag dieses Jahres für großes Aufsehen gesorgt. Die Innenstadt war voller Menschen, als kurz vor 19 Uhr aus der Pfluggasse eine Gruppe von etwa 15 Personen auf den Oses Cigköfte-Schnellimbiss im Hafenbad stürmte und mit Flaschen und Steinen auf das Gebäude warf. Zwei zu dieser Zeit vor dem Imbiss sitzende Personen wurden leicht verletzt, im Geschäft selbst Sachschaden in Höhe von 8000 Euro angerichtet.

Auf Landfriedensbruch lautet die Anklage, die einen Konflikt verfeindeter Straßenbanden als Hintergrund sieht. Zwei der Angeklagten ließen über ihre Rechtsanwälte verkünden, dass sie an dem Überfall nicht beteiligt gewesen seien. Vor allem der von Rechtsanwalt Manfred Gnjidic vertretene 28-Jährige, der den Chef der rechtsgerichteten Osmanen wegen dessen Hetzartikel im Internet gegen Kurden bedroht haben soll.

„Mein Mandant war an Schwörmontag in Zürich, und dafür gibt es Zeugen.“ Außerdem kritisierte der Anwalt die Polizeiarbeit in diesem Verfahren. Ihm läge keinerlei Strukturanalyse vor, auf der die Staatsanwaltschaft die Behauptung stütze, dass es sich bei der kurdischen Gruppe Bahoz um eine Straßenbande handele.

60 Personen verwickelt

Offenbar aber war der Angriff an Schwörmontag nicht das erste kritische Aufeinandertreffen der beiden Gruppen. Schon in der Nacht zuvor war eine Schaufensterscheibe durch einen Steinwurf beschädigt worden. Vor allem aber waren sich am Abend des 7. Juli etwa 60 Personen vor dem Lokal drohend gegenübergestanden. Damals hatte die Polizei Schlimmeres verhindern können.

Der Name Bahoz bedeutet so viel wie Sturm. Die Gruppe wird links verortet mit einer gewissen Nähe zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Wie am Rande der Verhandlung zu hören war, könnte der innertürkische Konflikt eine wesentliche Rolle bei der Auseinandersetzung in Ulm gespielt haben.

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