Großes Jazz-Finale am Blautopf

Knapp 300 Besucher erlebten in Blaubeuren zum Finale der Sommerbühne feinen Jazz - zuerst mit dem Tito Pascoal Quartet und anschließend mit der neuen Generation des United Jazz + Rock Ensemble.

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Eine kleine Big Band, die in der Vergangenheit Zeichen setzte, ist das United Rock + Jazz Ensemble. Foto: Udo Eberl

Im Programm der Sommerbühne am Blautopf wurde die Musik des Tito Pascoal Quartet mit "Bar-Piano-Stil" und "swingender Jazz" beschrieben. Viel weiter kann man kaum danebenliegen, denn was der 18-jährige Ausnahmedrummer mit portugiesischen Wurzeln mit seinem Vierer bot, bei dem sein Vater Tim die Tasteninstrumente bedient, war erstklassiger Fusionjazz der amerikanischen Schule.

Als Warm-up in den Abend angekündigt, war das bereits ein Höhepunkt. Das Quartett des Drummers, der mit zwölf Jahren das erste Album veröffentlicht hatte, überzeugte mit ausgefuchsten Arrangements und federleichten Melodielinien. Der junge Bandchef gab keineswegs den trommelnden Selbstdarsteller. Starke Technik, reichlich Groove, Taktgefühl und immer ein Ohr für die Mitspieler - ein Rhythmiker mit Zukunft.

Eine kleine Big Band, die eher in der Vergangenheit Zeichen setzte, ist das United Rock + Jazz Ensemble. In den 70er Jahren vereinte es einige der wichtigsten europäischen Jazzmusiker, um ganz zeitgemäß Rock und Funk mit ins Spiel zu bringen. Was einst für Aha-Momente bei den Hörern sorgte, klingt heute allerdings bisweilen etwas antiquiert.

"Ausgeschlafen" hieß das erste Stück des Abends, das ankündigte, was in der Folge passieren sollte. Reichlich Groove, satte und perfekt gesetzte Bläsersätze, starke Soli der neun Akteure. Noch stärker hätte das sein können, wenn bei den Arrangements nicht vorrangig die Handschrift von Pianolegende Wolfgang Dauner, sondern die der kompletten "Next Generation" zu hören gewesen wäre.

Mit "Was geht ab and Dauner" ging man gar eine Liaison mit dem HipHop ein. Spaßig, doch nicht sonderlich gehaltvoll. Ganz anders war das bei "South Indian Line", einem Stück aus der Feder des vor drei Jahren verstorbenen Bläserindividualisten Charlie Mariano. Adrian Mears, der an der Posaune für etliche solistische Highlights sorgte, glänzte am Blautopf auch mit den archaischen Sounds des Didgeridoo. Und Saxofonist Bobby Stern bewies mit einem grandiosen Sopransolo, wie tief er in Marianos Welt eingetaucht ist.

Dauners einführende Worte zum Klassiker "Wendekreis des Steinbocks" ließen einen zwar etwas ratlos zurück, das Stück war umso stärker. Über einem stetig perlenden Piano glänzte vor allem Saxofonist Klaus Graf. Das neue "Capriccio Funky" wurde dagegen zur Petitesse, "Ganz schön heiß, Mann" hieß das letzte, erfreulich sperrige Stück vor den Zugaben mit einem kleinen Drumsolo von Sohnemann Flo Dauner.

Das Publikum forderte lautstark Zugaben. Die gabs dann auch - unter anderem mit der Bläserschar als Scat-Crew. Eine Fledermaus zog derweil im Rhythmus ihre Bahnen über den obersten Sitzreihen - wohl auch bereits in Vorfreude aufs kommende Jahr. Dann geht die Sommerbühne in die zehnte Spielzeit.

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