Kontrollen des Hauptzollamts: Große Mengen Marihuana in Fernbussen

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Rainer Bühler und seine Mitarbeiter stapeln Säcke mit 30 Kilogramm Marihuana auf.  Foto: 

Vicky von den Wannaer Höhen ist eine siebenjährige deutsche Schäferhündin und mit großem Abstand der erfolgreichste Drogenfahnder im weiten Umkreis. Allein in diesem Jahr schon hat der Spürhund des Ulmer Hauptzollamts 85 Kilogramm Marihuana mit einem Straßenverkaufswert von etwa einer Million Euro gefunden – versteckt immer häufiger in Fernbussen aus Italien oder den Niederlanden, oder in eigens dafür umgebauten Pkw, wie der Fall vom 15. März zeigt.

An dem Tag waren den Zollfahndern auf der A 8 zwei Männer im Alter von 34 und 43 Jahren in einem Renault Laguna mit Kennzeichen aus Montenegro aufgefallen. Aber nicht nur die Männer kamen den Fahndern verdächtig vor, sondern auch Veränderungen am Fahrzeug selbst. Tatsächlich war – wie sich später herausstellte – so stark in die Karosserie eingegriffen worden, dass die Proportionen an der Frontseite des Autos nicht mehr stimmten.

Bei Dornstadt wurde der Wagen schließlich kontrolliert. Mit dabei die Superspürnase Vicky, die sich selbst von den üppig im Innenraum des Fahrzeugs versprühten Duftstoffen nicht ablenken ließ. Der Hund fand das Versteck. In den Wagen war ein doppelter Boden eingebaut worden, in dem die Tüten mit insgesamt 30 Kilo Marihuana versteckt waren. Und zwar sehr professionell, wie der Leiter des Hauptzollamts Ulm, Rainer Bühler, am Freitag vor Vertretern der Medien sagte.

Zwar hat der Zoll viele verschiedene Aufgaben zu erfüllen, die Drogenkontrollen haben in den vergangenen beiden Jahren aber deutlich zugenommen. Vor allem in den Fernbussen werden die Zollfahnder in letzter Zeit fündig, wie deren Leiter Henrik Schmieding sagte. Am 29. März waren in einem Hartschalenkoffer vier Kilogramm Marihuana versteckt, zwei Tage später sogar fünf Kilogramm. Beide Gepäckstücke wurden in Bussen aus Italien gefunden.

Die Drogenschmuggler nutzen die Fernbusse aber nicht wegen der niedrigen Fahrpreise, sondern vielmehr, weil das Gepäck weder kontrolliert noch an eine Fahrkarte gebunden, also keiner Person zuzuordnen ist. Das erschwere die Ermittlungen deutlich, weil sich keiner der Fahrgäste stelle und der Besitzer aufwendig ermittelt werden muss. Die Zollfahnder sind sich darin einig, dass die Busunternehmer stärker in die Pflicht genommen werden müssten, was allerdings eine politische Debatte sei, in die sie sich nicht einmischen wollen.

Aktuell sind die Busunternehmer nicht dafür verantwortlich, was ihre Fahrgäste im Gepäck haben. Das sei ähnlich wie bei der Deutschen Bahn, sagte Bühler. Allerdings stellen die Fahnder schon deutliche Unterschiede fest. „Es gibt Busanbieter, die geben sich Mühe, andere wiederum eher nicht“, sagt Schmieding.

Steuern und Zölle Der deutsche Zoll nimmt etwa die Hälfte der deutschen Steuern ein. Das Hauptzollamt Ulm mit Sitz an der Magirusstraße trägt dazu 2,1 Milliarden Euro bei. Allein 840 Millionen Euro entfielen 2016 auf die KfZ-Steuer, die seit 2014 vom Zoll erhoben wird. Hierbei ist der Ulmer Zoll für 35 Landkreise in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zuständig. Zweitstärkster Posten ist die Einfuhrumsatzsteuer von Waren aus Nicht-EU-Ländern (833 Millionen Euro). Über die Verbrauchssteuer kommen 326 Millionen zusammen und über erhobene Zölle 95 Millionen. Insgesamt haben die 775 Zöllner zwischen Aalen, Albstadt, Ulm und Lindau im vergangenen Jahr 6,5 Millionen Ausfuhr- und 353.000 Einfuhrsendungen bearbeitet. Abgenommen hat dabei die Bearbeitung von Postsendungen um 10.000 Pakete auf etwas mehr als 43.000.

Schwarzarbeit Die Stadt Ulm ist derzeit eine einzige große Baustelle. Da der Zoll auch gegen Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung vorgeht, wurde in diesem Bereich viel kontrolliert. Wie Behördenleiter Rainer Bühler sagt, wurden bislang aber keine Verstöße festgestellt.

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