Gravierende Unterbelegung: Im Ulmer Knast gibt es freie Betten

Im Ulmer Knast sind noch Betten frei: Von 351 Plätzen sind derzeit nur 277 belegt. Selten zuvor gab es so eine Unterbelegung. Der Werkstattbetrieb kann gerade noch aufrecht erhalten werden.

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Justizvollzugsanstalten machen meist nur von sich reden, wenn sie aus allen Nähten platzen und Notbetten in den Zellen aufstellen müssen, um alle Häftlinge unterbringen zu können. In Ulm gibt es derzeit jedoch eine ganz andere Situation. Wohl selten zuvor gab es eine so gravierende Unterbelegung wie derzeit, wo von den 351 zur Verfügung stehenden Haftplätzen gerade mal 277 belegt sind. "Wir jammern nicht darüber", sagt Gefängnisdirektor Ulrich Schiefelbein, der allerdings schon einräumt, dass die Zahlen aber nicht noch weiter absinken sollten.

Das Problem wäre dabei nicht der normale Haftbetrieb. Aber Ulm ist ein so genannter offener Vollzug, in dem vor allem viel gearbeitet wird. Hinter den Mauern an der Talfinger Straße und dem Frauengraben gibt es Werkstätten für Schlosser-, Schreiner, Maurer- und Malerarbeiten. Insgesamt können dort bei Volllast 145 Häftlinge beschäftigt werden, derzeit sind es nur 109. "Das reicht gerade noch, um unsere Aufträge rechtzeitig erfüllen zu können", sagt Schiefelbein.

Im Wesentlichen ist es das Unternehmen Gardena, das in der Vollzugsanstalt arbeiten lässt. Evobus, die Firma Welte und noch einmal Gardena haben so genannte Freigänger, die in der Vorbereitung auf ihre Haftentlassung tagsüber das Gefängnis verlassen und in den Betrieben arbeiten dürfen. Sie werden morgens abgeholt und abends wieder zurückgebracht. Das sind derzeit aber nur 18 Häftlinge, obwohl der Bedarf mit 27 weitaus höher liegt. "Den können wir leider nicht bedienen", sagt Ulrich Schiefelbein.

Das Gute an der aktuellen Situation sei die dadurch entspanntere Arbeitssituation für die Bediensteten, wenngleich es auch nicht gelingt, viele Arbeitsstunden abzubauen. Unabhängig von der Zahl der Häftlinge sind Sicherheitsstandards einzuhalten, weshalb er nicht mit geringerem Personalstand arbeiten könne. Schiefelbein: "Wir sparen im Grunde nichts ein."

Schwer tut sich der Gefängnisdirektor mit einer Erklärung für die derzeitige Unterbelegung der Justizvollzugseinrichtung. Schwankungen gebe es immer, so deutlich wie derzeit sei sie seiner Erinnerung nach aber noch nicht ausgefallen. Ein Trend, der überdies im ganzen Land zu beobachten ist.

Belegungszahlen

Abweichungen Die Ulmer Vollzugsanstalt ist in insgesamt vier Abteilungen aufgeteilt. Die größte ist der Vollzug an der Talfinger Straße mit 153 möglichen Haftplätzen, von denen derzeit nur 127 belegt sind. Dann kommt die Untersuchungshaft am Frauengraben mit 99 Plätzen (65), daneben gibt es außerdem das Freigängerheim mit 59 Plätzen (45) und die Abteilung für Kurzstrafen mit 40 Plätzen, die im Grunde immer voll belegt ist.

SWP

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