Gipfeltreffen: Joo Kraus und Oma Sosa im Alten Theater

"Herzstücke" nennt der Trompeter Joo Kraus seine Reihe, in der er illustre Gäste nach Ulm holt. Jetzt war der kubanische Pianist und Komponist Omar Sosa im Alten Theater: ein mitreißendes Gipfeltreffen.

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Zwei kongeniale Partner auf der Bühne des Alten Theaters: Pianist Omar Sosa und Joo Kraus. Foto: Marina Dach

Mit Duos und deren musikalischen Möglichkeiten hat Joo Kraus nun wirklich Erfahrung. Neun Jahre lang bildete er mit dem Bassisten Hellmut Hattler das erfolgreichste Jazz-Duo Deutschlands: Tab Two. Wobei die zwei Musiker auch auf Rhythmusmaschinen, Sampler und Sequenzer zurückgriffen. Kein Wunder, sind doch weder die Trompete noch der Bass ein Lieferant von Harmonien.

Das ist beim Klavier ganz anders, taugt es doch per se als Soloinstrument wie kein anderes. Der Pianist ist also nicht auf andere Musiker angewiesen. Und das heißt: Er kann bei der Improvisation machen, was er will. Vor allem dann, wenn er ein so kompletter Musiker ist wie der gebürtige Kubaner Omar Sosa, den Joo Kraus jetzt nach Edo Zanki und Klaus Doldinger zur dritten Ausgabe seiner Reihe "Herzstücke spezial" eingeladen hatte.

Mit Sosa und dessen Quintet Afreecanos hat Kraus schon überall auf der Welt Konzerte gegeben. Aber auch musikalisch ist der Kubaner ein Weltbürger, mixt Klassik mit Jazz und Weltmusik, ist im Son genauso zuhause wie in Funk und Hiphop. Aber Sosa genügt die Omnipotenz des Klaviers nicht: An den Knöcheln trägt er kleine Säckchen, die wie Maracas klingen können; neben und auf dem Piano liegen Rhythmusmaschinen und Sampler, natürlich steht auch noch die Soulmaschine schlechthin auf der Bühne, ein Fender Rhodes-Piano. All das setzt Sosa virtuos ein, er lässt schon mal den Rhythmus mittels Wasser-Tropfgeräuschen perlen, stampft dazu seinen Maracas-Rhythmus mit dem Fuß, und rast über die Tasten, um im nächsten Moment punktgenau mächtige Akkordschläge zu setzen.

Omar Sosa ist ein musikalischer Kosmos für sich. Dass trotzdem mit Joo Kraus ein kongenialer Partner auf der Bühne des Alten Theaters stand, machte den Reiz des Abends aus. Denn das Konzert war keines, das in geplanten Bahnen ablief. Was Sosa und Kraus darboten, das war eine Premiere - über weite Strecken improvisiert. Nur ab und an klangen Kompositionen Sosas an. Der Rest war ein Freiflug, auch wenn man das irgendwie nicht glauben mochte, so sensibel reagierten zwei Klassemusiker aufeinander, schaukelten sich gegenseitig immer wieder auf das nächste Level hoch - und das Ganze völlig unverkrampft und mit jeder Menge Humor, wenn etwa Sosa immer wieder auch mal den Ellenbogen und den Oberschenkel einsetzte, um so richtig gewichtige Akzente auf der Tastatur des Flügels zu setzen.

Apropos Akzente, die setzte auch Kraus - nicht nur mit Trompete, Flügelhorn und seinem wunderbar runden Ton. Auch er hatte seinen Sampler dabei, schichtete damit Mundperkussives, Basslinien, Trompetenarpeggios zu Songstrukturen, auf die Sosa lustvoll einstieg. So zu interagieren kann man nicht lernen, das ist der pure musikalische Instinkt. Und der ist es letztlich, der gut ausgebildete Musiker von den wirklich Großen unterscheidet. Sosa und Kraus gehören zu den letzteren. Das wusste man auch schon vor diesem Konzert. Im Duo multipliziert sich diese Begabung aber nicht nur, sie potenziert sich, was das Publikum im schon lange ausverkauften Alten Theater zu wahren Begeisterungsstürmen hinriss und Omar Sosa zu einem besonderen Kompliment an Kraus und die Ulmer: "Konzerte in seiner Heimatstadt zu geben, ist immer schwierig, Die Familie, die Freunde sind da. Man ist irgendwie nervös. Hey, bei euch ist das alles anders."

Und noch eines verriet Sosa: "Was ihr hier erlebt, das ist die Geburt eines neuen Projektes." Wieder ein festes Jazz-Duo mit Joo Kraus - diesmal mit Omar Sosa? Diese Kombination hat das Zeug, die Welt zu erobern.

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