Gemischte Gefühle unterm Münsterturm

Den Pariser Anschlägen zum Trotz ist der Weihnachtsmarkt in vollem Gange. Besucher und Verkäufer erleben ihn mit unterschiedlichen Gefühlen.

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Zehn Tage waren nach den Terrorakten von Paris vergangen, als der Ulmer Weihnachtsmarkt eröffnet wurde. Terror, der bis nach Ulm wirkte. So haben 27 Prozent von 450 Befragten bei einer Umfrage auf swp.de angegeben, dieses Jahr mit einem „unguten Gefühl“ auf den Weihnachtsmarkt zu gehen. 13 Prozent wollen sogar komplett auf einen Besuch verzichten.

Eine Erfahrung, die auch Marktverkäuferin Sabrina Schmidt gemacht hat. „Viele Verkäufer meines Ausstellers haben dieses Jahr abgesagt, weil sie Angst hatten, auf einem Weihnachtsmarkt zu arbeiten“, berichtet die 26-Jährige.

Elfriede Gasser gibt ebenfalls zu, dass sie am Anfang „etwas Bammel gehabt“ hat. Die 67-jährige Verkäuferin beklagt, dass weder Aussteller noch die Polizei Verhaltensregeln für den Ernstfall ausgegeben haben. Zudem sei nur am ersten Tag etwas von einer verstärkten Polizeipräsenz zu sehen gewesen, sagt sie.

„Wir sind natürlich verstärkt unterwegs“, versichert dagegen Uwe Krause, Sprecher der Ulmer Polizei. Es gebe jedoch keine konkrete Anschlagsgefahr. Deswegen würde man nicht „martialisch“ mit Maschinengewehren auftreten, sondern mit uniformierten Beamten und Zivilstreifen Präsenz zeigen.

Einfluss auf die Besucherzahlen habe die „gefühlte Bedrohungslage“ bisher nicht , sagt Jürgen Eilts vom Marktveranstalter Ulm-Messe. Die Zahlen seien bisher vergleichbar mit dem Vorjahresniveau. „Der Eröffnungs-Montag und das Wochenende waren gut“, berichtet er. Eine erste Bilanz will er jedoch erst nach dem zweiten Wochenende ziehen. Sollte diese unter den Erwartungen liegen, vermutet er die Gründe jedoch nicht in der vermeintlichen Terrorgefahr, sondern im schlechten – oder bis vor kurzem noch zu guten – Wetter: „Vor zwei Wochen war man noch in kurzen Hosen unterwegs, es fehlt noch das Weihnachtsfeeling.“

Wer trotz des Wetters auf den Markt geht, lässt sich auch von einer wie auch immer gearteten Gefahrenlage nicht beeindrucken. „Man denkt schon manchmal daran“, sagt etwa Oliver Brändle. Ein mulmiges Gefühl habe er deswegen aber nicht. Ganz nüchtern schätzt Nicki Wölz die Bedrohungslage ein: „Es ist wahrscheinlicher bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen, als bei einem Terroranschlag.“

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