Gelungener Start in die Fastenzeit

Das gibt's nur selten: Weil heuer die Fastenzeit noch während des Wintersemesters begonnen hat, sang der Uni-Kammerchor die Johannespassion.

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Die Johannespassion, ein zentrales Werk des Enddreißigers Johann Sebastian Bach, interpretiert vom Kammerchor der Universität Ulm mit seinem jungen Dirigenten Manuel Sebastian Haupt (31): Da schien am Samstagabend in der gut besuchten Pauluskirche alles zu passen. Auch Papa Albrecht Haupt, selbst ja ein in Jahrzehnten gestählter Ulmer Bach-Spezialist und dieses Mal in der Rolle des kritischen Zuhörers, strahlte: "Ein sehr schönes Erlebnis."

Der Sohn im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit ist es gewohnt, ständig auf die Familienverhältnisse angesprochen zu werden, bleibt dabei aber gelassen und profiliert sich und seinen individuellen Arbeitsstil immer mehr. So ist es ihm auch gelungen, den Kammerchor mit seinen inzwischen fünfzig Sängerinnen und Sängern zu sehr stimmigen und kultivierten Leistungen zu führen, das intensive Proben im zu Ende gehenden Wintersemester hat sich auf jeden Fall gelohnt. Eine ausgewogene und in allen Stimmen homogene Interpretation speziell der zahlreichen Choräle belohnte Sänger wie Zuhörer. Und das gilt erst recht für die bewegten und dramatischen Abschnitte des Passionsgeschehens, in denen Manuel Haupt Charakter und Textaussagen gut nachvollziehbar herausarbeitete.

Die Vokalsolisten und das kleine Barockorchester mit seinen Streichern, historischen Flöten, Oboen und Continuo-Orgel stellten die organischen Verbindungen her und gefielen besonders in ihren Soli. Im Zentrum der Tenor Marcus Elsäßer aus Stuttgart, ein ausgewiesener Oratoriensänger, der als Evangelist mit guter Aussprache und Expressivität glänzte. Mühelos in den Höhen, die Bach dieser Rolle abverlangt, bot er eine beeindruckende Partie.

Was Musikwissenschaftler und Barockspezialisten in Bachs großartigem Werk besonders interessiert, kann an dieser Stelle kaum angedeutet werden: die vielen kompositorischen Feinheiten und deren souveräne Umsetzung entlang einer Textvorlage, die für sich genommen schon die Leipziger Zeitgenossen am Karfreitag 1724 erstaunt haben mag. Für sie und den Thomaskantor vor allem ein Werk des Glaubens und großer Frömmigkeit, fast 300 Jahre später noch immer ein emotional besonders anrührendes Konzertereignis.

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