Gebühren für Gräber geringer als geplant

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Vor einer Woche schickten die Stadträte die Ulmer Stadtverwaltung zum Nacharbeiten. Sie waren mit der geplanten Erhöhung der Friedhofsgebühren nicht einverstanden, vor allem weil sich die Gebühren für Urnengräber nahezu verdoppelt hätten. Innerhalb von wenigen Tagen hat es die Verwaltung geschafft, ein neues Gebührenmodell vorzulegen, das nun die Zustimmung des Gemeinderats fand.

Die Gebühren steigen, allerdings nicht mehr in so hohem Maß wie ursprünglich vorgesehen. Bei Urnengräbern liegt die Verteuerung nun bei rund 56 Prozent. Die Verwaltung hat auch das eingearbeitet, was im zuständigen Fachbereichsausschuss in der vergangenen Woche unter dem Stichwort „Gerechtigkeit“ diskutiert worden war. Das ursprüngliche Gebührenmodell hätte Urnengräber doppelt so teuer gemacht, bei Erdbestattung wären die Gebühren teilweise aber gesunken. Jetzt steigen sie in jedem Fall, wenngleich geringer (siehe Info-Kasten).

„Ohne Wenn und Aber“ könne die FWG nun zustimmen, sagte Gerhard Bühler. „100 Prozent wären nicht vermittelbar gewesen“, fand Michael Joukov (Grüne). Dieser Meinung sind auch alle anderen Fraktionen, mit Ausnahme von Barbara Münch (CDU), die sich enthielt, weil ihr die Steigerung immer noch zu hoch ist. Um solch große Sprünge bei den Friedhofsgebühren künftig zu vermeiden, regten die Stadträte an, alle zwei, drei Jahre über eine Anpassung nachzudenken. Die Gebühren waren zuletzt vor zehn Jahren, also 2007, erhöht worden. Das hatte dazu geführt, dass sich der Kostendeckungsgrad immer weiter verschlechtert hatte, auf 53 Prozent im Jahr 2015.

Das Bestattungswesen soll aber als „kostenrechnende Einrichtung“ geführt werden. Das heißt: Der Friedhof soll ganz oder wenigstens zum großen Teil aus Entgelten finanziert werden. Ganz so eng sieht das die Stadt Ulm nicht. Denn jenseits von Bestattungen und Gräbern ist gerade der Hauptfriedhof ein schöner Park, der von vielen gern für Spaziergänge oder ruhige Minuten genutzt wird. Die Stadt rechnet deshalb die Pflegekosten für das öffentliche Grün aus den Gebühren heraus. Wie viel das ausmacht, bezifferte Baubürgermeister Tim von Winning: Von den Kosten, die das Friedhofswesen insgesamt verursacht, trägt die Stadt Ulm 15 Prozent aus dem allgemeinen Haushalt.

Die Gebührenerhöhung war nötig geworden, weil Löhne und Preise gestiegen sind und sich das Beerdigungsverhalten der Bürger ändert. Statt teurer und pflegeintensiver Erdbestattungen sind zunehmend Urnengräber oder gar anonyme Bestattungen gefragt.

Die Stadt stellte zudem das Berechnungsmodell um. Bisher wurden die Friedhofsgebühren nach Fläche berechnet. Ein großes Grab bedeutete: ein hoher Preis. Einige Kosten in der Friedhofspflege fallen aber unabhängig von der Grabgröße an, beispielsweise für das Räumen der Wege. Diese Kosten werden nun auf alle Gräber unabhängig von ihrer Größe umgelegt.

Gräber

Ab 1. März kostet jeweils für einen Erwachsenen ein Reihengrab 600 Euro (bisher 480), ein Urnengrab 450 Euro (332 Euro), ein Wahlgrab zur Erdbestattung je nach Lage ab 1800 Euro (1620 Euro) bis 2700 Euro (2280 Euro). In den Gebühren sind die Ruhezeiten von 18 Jahren bei Reihengräbern, 30 Jahren bei Wahlgräbern enthalten.

Trauerhallen

Die Benutzung kostet auf dem Hauptfriedhof 290 Euro (225 Euro) für die große Aussegnungshalle, 120 Euro (77 Euro) für die kleine. Für die Trauerhallen auf den Stadtteilfriedhöfen werden 200 Euro (176 Euro) fällig.

Bestattung

Für die Durchführung der Bestattung werden ebenfalls Gebühren berechnet. Die Grundgebühr für Erdbestattungen zum Beispiel beträgt für einen Erwachsenen 1170 Euro (930 Euro).

Beispiele

Die Stadtverwaltung hat Beispiele für Bestattungen nach dem neuen Gebührenmodell ausgerechnet. Demnach kostet eine einfache Bestattung eines Erwachsenen im Reihengrab und Nutzung der kleinen Trauerhalle bei Erdbestattung 1890 Euro (bisher 1487 Euro), bei Urnenbestattung 1239 Euro (921 Euro). Bei Bestattung im Wahlgrab der mittleren Preiskategorie und Benutzung der großen Halle sind es bei Erdbestattung 3620 Euro (3105 Euro), bei Urnenbestattung 2159 Euro (1691 Euro).

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Kommentare

18.02.2017 10:45 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „Juhu, nur 56 Prozent Erhöhung be Urnengräbern”””

Und nach welchen "Prostesten"? Die Zweifel kammen im Gremium selber auf, noch bevor die Zeitung dazu berichtet hat.

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18.02.2017 10:45 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „Juhu, nur 56 Prozent Erhöhung be Urnengräbern”””

Wenn Sie "keine Meinung" haben, wie kommen Sie dann zum Schluss, die Foderungen seine "völlig überhöht"? Das setzt voraus, zu wissen, was angemessen ist. Also kommen Sie wieder, wenn Sie sich eine Meinung gebildet haben.

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17.02.2017 19:40 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Juhu, nur 56 Prozent Erhöhung be Urnengräbern””

Dazu hab ich keine Meinung. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass es in der Politik üblich ist, erst völlig überhöhte Forderungen zu stellen, um anschließend die ursprünglich geplante Forderng problemlos durchsetzen zu können. Hätte man eine Erhöhung um 50% angekündigt wäre man nach Protesten wohl bei 30% gelandet.

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17.02.2017 18:15 Uhr

Antwort auf „Juhu, nur 56 Prozent Erhöhung be Urnengräbern”

Butter bei de Fisch: wie viele sollen Ihrer Meinung nach die Gebührenzahler*innen, und wie viel die Allgemeinheit über Steuern bezahlen?

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17.02.2017 11:57 Uhr

Juhu, nur 56 Prozent Erhöhung be Urnengräbern

Es kam genauso, wie ich es hier letzte Woche beschrieben habe. Man droht erst mit einer Erhöhung von 100%, damit danach Alle dankbar für eine Erhöhung von "nur" 56 % sind.

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