Kommentar: Gastronomie liegt im Trend

In der Ulmer City siedelt sich auf Handelsflächen zunehmend die Systemgastronomie an: mit neuen Playern wie Vapiano und Hans im Glück. Was ist da los?

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Frank König.  Foto: 

Was ist eigentlich in der Einkaufsstadt Ulm los? Driftet der traditionelle Handel zunehmend in eine Schwächephase ab, so dass die Systemgastronomie immer weitere Flächen in der City übernimmt? Dieser Eindruck ist jedenfalls zuletzt entstanden, nachdem statt Honer die Restaurantkette Vapiano aufmacht und nun die Familie Werdich den Laden der Buchhandlung Herwig in unmittelbarer Nähe zum Münster an das Burgergrill-Unternehmen „Hans im Glück“ aus München vermietet.

Wenn die beiden neuen Restaurants nur annähernd so gut laufen wie der „Barfüßer“ von Ebbo Riedmüller im Ex-Modehaus Jung können sie zu einer Goldgrube werden. Diese Art von Erlebnis-Gastronomie mit einfallsreichem Ambiente und speziellen Kochkonzepten wie der Live-Zubereitung bei Vapiano spricht ein wachsendes Publikum an. Die Leute kommen also weniger zum Einkaufen, sondern vielmehr zur Freizeit in die Stadt, suchen im Sommer das mediterrane Flair der Außengastronomie, wollen einfach nett ausgehen, essen und trinken – und haben das Geld dafür.

Das erstaunliche Weinfest war zuletzt wieder ein Beweis, wie sehr solche Konzepte Resonanz finden. Allerdings ist klar: Der Verdrängungswettbewerb wird auch bei den Systemgastronomen und in der Gastronomie in Ulm/Neu-Ulm überhaupt zunehmen. Dabei müssen sich neue Outlets wie das „Ojo“, die „Masseria Masino“ oder der von jungen Leuten aufgebaute Münstergrill „Howie’s“ an der neuen Gastromeile rund um die Kramgasse erst noch etablieren.

Es ist auch die Frage, wie lange der Hype anhält. Das Essen muss letztlich schmecken und auch für eine schnelle Mittagspause bezahlbar bleiben. Derzeit jedenfalls handelt es sich (noch) um einen zunehmenden Trend, wie Hans-im-Glück-Vermieter Peter Werdich bestätigt – immerhin Repräsentant eines erfolgreichen Schuh-Filialisten.

Jedoch verfügt der Handel weiter über Regenerationskraft, nicht alle kaufen alles im Internet. So entsteht im zweiten Honer-Teil ein Geschäft für Design-Möbel. Müller will Abt revitalisieren. Auch die Sedelhöfe mit 18.000 Quadratmeter Fläche kommen noch, wobei ein Großteil an den neuen Edeka-Supermarkt geht: wieder Food.

Im Grunde machen aber die vielen kleinen Fachgeschäfte den Charme der Ulmer City aus. Wenn sie unter dem Druck von Online zunehmend ausradiert und durch Lokale ersetzt werden, ist das keine gute Sache.

Ein Kommentar von Frank König.

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