Gastfamilien für unbegleitete Flüchtlinge gesucht

Unter den Ulmer Flüchtlingen sind viele unbegleitete Jugendliche. Um sie unterzubringen, sucht die Stadt nun Gastfamilien. Nicht alle sind geeignet.

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Mabel Engler und ihr Partner Peter Grunwald mit ihrem Pflegekind aus Afghanistan.  Foto: 

Kinder, die wochenlang und ohne Begleitung eine Odyssee durch fremde Länder erleben. Eine Horrorvorstellung für Eltern. 190 dieser Kinder sind seit Januar in Ulm angekommen. Zum Vergleich: Vor ein paar Jahren lag die Anzahl minderjähriger Asylsuchender ohne Begleitung noch im jährlich einstelligen Bereich. Um diesem Zuzug gerecht zu werden, sucht die Stadt Ulm Gastfamilien, die junge Flüchtlinge aufnehmen wollen.

61 der meist 15 bis 18 Jahre alten Asylsuchenden leben aktuell in Ulm. Weil für minderjährige Flüchtlinge nicht das Asylrecht, sondern das Jugendhilfegesetz gilt, sind sie in Wohngruppen und nicht in Sammelunterkünften untergebracht.

Manche haben jedoch derartig traumatische Erlebnisse hinter sich, dass eine Unterbringung bei einer Pflegefamilie besser wäre. „Damit sie wieder emotionale Stabilität erlangen können“, erklärt Kultur- und Sozialbürgermeisterin Iris Mann.

Wichtig sei vor allem, dass Familie und Kind zusammenpassen, sagt Marie-Luise Roth-Bradatsch von der Fachkoordination Pflegekinder. Es werde viel Aufwand betrieben, um eine geeignete Familie zu finden. „Voraussetzung ist Verständnis, Toleranz, Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Einfühlungsvermögen“, beschreibt sie die Anforderungen. Und vor allem: Es muss genug Platz für das Kind vorhanden sein. In Frage kommen dabei nicht nur Familien und Paare, sondern auch Einzelpersonen. 10 bis 15 untergebrachte Kinder würde die Stadt auch angesichts knapper werdenden Wohnmöglichkeiten als Erfolg verbuchen.

Hat sich eine Familie als geeignet erwiesen, wird durch mehrere Treffen und vielleicht ein Probewohnen herausgefunden, ob ein Zusammenleben für beide Seiten vorstellbar ist. „15-Jährige können das meistens schon sehr gut einschätzen“, meint Roth-Bradatsch.

Sie betont außerdem, dass Pflegefamilien nicht alleine gelassen würden. „Beratung und Unterstützung sind wichtig, damit die Familien überhaupt wissen, auf was sie sich einlassen.“ Hürden wie kulturelle Unterschiede, Sprachprobleme und die Pubertät müssten bewältigt werden. Die Familien sollen deswegen konstant begleitet und auch finanziell unterstützt werden.

Kontakt

Interessierte können am 13. Januar um 19 Uhr einen Infoabend im Büchsenstadel besuchen oder für mehr Informationen die Stadt Ulm unter (0731) 161 5343 anrufen.

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