Gartenpächter haben die Nase voll vom fremden Müll

Gartenpächter oberhalb der St.Barbara-Straße beklagen sich seit Jahren über den Missbrauch des städtischen Häckselplatzes.

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Die Gartenpächter ärgern sich über wilde Abfallablagerungen auf dem Häckselplatz in der St.Barbara-Straße.  Foto: 

Manchmal bleibt den Gartenpächtern einfach die Spucke weg. So wie neulich. Da fuhr ein Auto vor, eine Frau stieg aus, öffnete die Heckklappe, holte einen zerfransten Teppich raus, warf ihn mit Schwung auf das Grüngut und fuhr wieder weg. Als ob es das Normalste der Welt wäre, auf einem Häckselplatz Teppiche zu entsorgen. „An die Grasabfälle haben wir uns ja schon fast gewöhnt, aber hier wird einfach alles abgeladen“, sagt eine Rentnerin, die in der Kleingartenanlage oberhalb der St.-Barbara-Straße am unteren Kuhberg eine Parzelle gepachtet hat.

Der Häckselplatz ist prädestiniert dafür, als wilder Müllabladeplatz missbraucht zu werden. Die geteerte Straße geht in einen Kiesweg über, der sich durch die Kleingärten schlängelt, um dann auf einem schön gelegenen runden Platz zwischen all den Gärten zu enden. Unter der Woche – morgens etwa – ist hier oft niemand: Wer also etwas Unerlaubtes tun will, ist unbeobachtet.

Braune Brühe

Das hat Folgen: Die aufgestellten Zäune sind verbogen, dahinter liegt Holzschnitt, aber auch Gras, eine Schubkarre. Mehr noch liegt aber vor dem Zaun: Gras, das vor sich hingärt, blaue Plastiktüten mit undefinierbarem Inhalt, faules Obst, eine Tonne. „Hier ist oft Sperrmüll – sogar ein Sofa war schon da“, sagt die Frau. Die Leute kämen von überall. Von dem Schild „Nur für Gartenanlieger“ ließen sie sich nicht abhalten.

Genau so wenig wie sie sich an die Öffnungszeiten des Häckselplatzes halten. Der ist genau dreimal pro Jahr für jeweils drei Wochen offen. „Das Tor ist ohnehin leicht zu öffnen“, sagt die Frau. Und selbst wenn nicht: Dann laden die Leute ihre Abfälle davor ab. Irgendwann beginnt der Mischmasch zu stinken, er gärt. „Wenn es dann regnet, so wie derzeit häufig – läuft eine manchen eine braune Brühe in den Garten“. Bei Wärme entstehe ein Geruch, der „stark an Gülle rankommt“. Ratten gebe es auch immer mehr.

Die am Häckselplatz gelegenen Gartenpächter – es sind rund 21 – haben bereits einiges unternommen: „Vor zwei, drei Jahren haben wir der EBU und dem damaligen OB Gönner eine Unterschriftenliste überreicht“, erinnert sie sich. Die Reaktion darauf: Ein Besuch und der Vorschlag, die Pächter sollten die Nummern aufschreiben. „Das wollen wir nicht: Wir sind ja nicht die Polizei“, wehrt sie ab. Aber sie haben genug: „Wir wollen, dass der Häckselplatz weg kommt.“

Der Chef der EBU, Michael Potthast, kennt die Probleme an den Häckselplätzen. „Der an der Barbara-Straße ist kein Einzelfall.“ Vor allem die, die versteckt liegen, würden missbraucht. Und das sei schon immer so. Viele Leute wüssten auch nicht, dass dort ausschließlich Holzschnitt abgeladen werden dürfe. „Da ist sehr oft Gras dabei.“  Und auch alles andere.

„Die Verwaltung hängt nicht an den Häckselplätzen“, macht Potthast deutlich. Er findet die Lösung auf den Recyclinghöfen, wo die Ablieferung des Grünguts kontrolliert werde, sehr gut. Auch, weil es nur dann entsprechend weiter verwertet werden könne. „Holzschnitt kann als hochwertige Biomasse verbrannt werden, das nasse wird vergärt oder kompostiert.“ Gemischtes Grüngut sei  quasi wertlos.

Auch der Aufwand sei hoch: Allein in der Barbara-Straße müssten EBU-Mitarbeiter zweimal in der Woche aufräumen. Er sei nicht glücklich damit. Deshalb werde er in der kommenden Sitzung des Betriebsausschusses im November vorschlagen, den Häckselplatz in der Barbara-Straße endgültig zu schließen.

Regeln Insgesamt gibt es 22 Häckselplätze in Ulm. Es dürfen nur dickere, also mindestens daumendicke, Äste sowie Wurzelstöcke bis zu 20 Zentimeter Durchmesser angeliefert werden. Gras, Laub und dünnere Äste gehören nicht auf den Häckselplatz, sondern auf den Gartenabfallplatz. In Neu-Ulm gibt es dieses Angebot nicht.

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