Gabriela Oberkoflers Zeichnungen und Installationen im Schuhhaussaal

Wie wäre es, wenn der Mensch den Urzustand der Natur wieder herstellen könnte? Dieser Frage geht die aus Südtirol stammende Künstlerin Gabriela Oberkofler im Schuhhaussaal des Kunstvereins nach.

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Eine virtuose Zeichnerin mit Sinn für Details: "Vogelbeerbaum" nennt Gabriela Oberkofler diese Arbeit.  Foto: 

Kann man das Rad der Geschichte zurückdrehen? Kann man die Manipulationen des Menschen in der Natur rückgängig machen? Eine, die es zumindest künstlerisch versucht, ist die gebürtige Südtirolerin Gabriela Oberkofler, deren Arbeiten jetzt im Schuhhaussaal des Kunstvereins Ulm gezeigt werden. "Alles wieder zurück" heißt die Schau, die Zeichnungen, Malerei und Objekte mischt, aber fast immer Tiere in den Mittelpunkt stellt - im Detail durchaus naturalistisch, im Kontext aber eben entfremdet.

Diese Entfremdung ist es, die sich als rotes Band durch die Arbeiten der 1975 in Bozen geborenen Künstlerin zieht, die in Stuttgart lebt und arbeitet. Es ist die Spannung zwischen natürlichem Urzustand und dem, was der längst zum Maximierer der landwirtschaftlichen Produkte mutierte Mensch der Landschaft und der Kreatur abverlangt. Einem gezeichneten Schaf ist der es umgebende Zaun bereits eingeschrieben, er zerteilt das Wesen in Quadrate.

Ein veritabler Zaun teilt auch den Ulmer Schuhhaussaal. Der Zaun zwingt zum Umweg, wird so zur Demonstration von Macht. Und um die geht es der Künstlerin letztlich: "Wie Tiere eingesperrt werden, wie sie behandelt werden, das ist eine Machtfrage." Auf diese Machtfrage will Gabriela Oberkofler mit ihren Arbeiten hinweisen. Der Weg dazu: Sie inszeniert darin Wiedergutmachungen. Wie das aussehen kann, zeigen etwa Zweige eines Kirschbaums, an die Kirschkerne gebunden sind, und eine Videoarbeit, in der eine Schafherde mit einem gefundenen Schaffell konfrontiert wird. Sie ignoriert es keineswegs. Im Gegenteil: Die Tiere schnuppern daran, nehmen die Witterung auf, eines der Tiere legt sich gar darauf. Ein anrührendes Bild.

Überhaupt: Die Arbeiten Gabriela Oberkoflers berühren - und beeindrucken. Wenn etwa zwei fast mannshohe Heuballen aus zartesten Tuschestrichen bestehen, die Linien so fein sind, dass man schon seine Lesebrille mitbringen sollte, um sie im Detail zu betrachten. Wenn sie Insekten eins zu eins naturalistisch abbildet, sie zu einem Beinenschwarm werden lässt, der an einem Zweig hängt - und zum Sterben verurteilt ist, weil ihn seine Königin verlassen hat.

Die Idylle trügt, nicht nur in diesem Bild. Denn die Wiedergutmachungen schlagen fehl. Der Wunsch "Alles wieder zurück" scheitert am Detail, an der Komplexität der Probleme. Und vielleicht auch an der fehlenden Stringenz der Künstlerin, die sich nicht als Kämpferin für die Ökologie verstanden wissen will. "Stellen sie sich ein verträumtes Mädchen vor, das auf einem Bauernhof groß wird und auf der einen Seite die Schönheit der Natur kennenlernt, die Fürsorge für die Tiere, auf der anderen Seite aber auch den knallharten Umgang mit ihnen. Diese Eindrücke, diese Ambivalenz prägen, bieten Bilder für eine lebenslange Auseinandersetzung damit", sagt Gabriela Oberkofler.

Die eigene Vita spielt auch in der Arbeit "Pauline" in die Kunst hinein. Pauline war der Hund der Oberkoflers, der tot im trocken gefallenen Dorfbrunnen entdeckt wurde. Aus diesem Minidrama und einer streunenden Katze, die irrtümlich auf dem Balkon der Familie ausgesperrt worden war und erfror, hat die Autorin Nina Bußmann ein Hörspiel gemacht, das in der Ausstellung zu hören ist, die in Kooperation mit der Stadtgalerie Saarbrücken entstanden ist. Nicht die einzige Dreingabe: Denn ein Rotkehlchen, das im Schuhhaussaal hängt, und vier Beine eines Pferdes hat die virtuose Zeichnerin für die Schau schnitzen lassen.

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