Fury in the Slaughterhouse: „Alles kann, nichts muss“

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Fury in the Slaughterhouse kommen zurück – vorübergehend.  Foto: 

Die Band Fury in the Slaughterhouse ist ein Phänomen. Aus einem Geburtstagskonzert in der Heimatstadt Hannover wurde ein komplettes Jahr mit Auftritten – am Sonntag auch im Wiblinger Klosterhof. Nachdem in diesem Jahr bereits das Album „30 – The Ultimate Best Of Collection“ zum Verkaufserfolg wurde, legten die Sechs gerade mit dem Livealbum „Little Big World – Live & Acoustic“ nach. Wie es zu dieser niemals geplanten Erfolgsgeschichte kam, erzählt Sänger Kai Wingenfelder.

Da seid Ihr wieder.

Kai Wingenfelder: Kurzzeitig mal.

30 Jahre Fury – eine lange Zeit. Wie fällt denn der Blick zurück aus?

Das ist wie in einer Ehe, wenn man mit der Frau in Urlaub fährt, mit der man nicht mehr klarkommt. Man streitet sich unheimlich oft, und drei Jahre später sagt man: Jutta, weißt du noch, wie schön es in der Bretagne war, weil die Probleme einfach ausgeblendet werden. Und nach 30 Jahren wissen wir natürlich auch, was für Mist wir gebaut haben.

Aber ohne die neunjährige Pause gäbe es Euch jetzt nicht wieder.

Die Pause war extrem wichtig, eigentlich eine der wichtigsten Band-Entscheidungen, die wir jemals getroffen haben. Jetzt hier zu sitzen und gemeinsam auf der Bühne wieder richtig Spaß zu haben, das ist ein Geschenk. Wir hatten damals eine Super-Zeit, in der wir unglaublich viel erleben durften, aber sie war auch unglaublich anstrengend. Nun genießen wir ganz intensiv die Phase, die wir jetzt erleben dürfen.

Eine Phase, die sich wodurch auszeichnet?

Wir sind einfach gereifte alte Säcke, die mit einer neu erlernten Lässigkeit ganz entspannt ein Jahr lang Geburtstag feiern und das aus vollen Zügen genießen.

Und wie kam es dazu?

Nachdem wir 2008 aufgehört hatten, spielten wir 2013 ein Konzert in Hannover. Wir bekamen den goldenen Teppich ausgerollt und machten das, trotz Skepsis. Es war aber ein wunderschöner Tag mit 25 000 Fans. Da entstand die Idee, wir nennen das Klassentreffen und machen das alle fünf Jahre. Dann habe ich aber nachgerechnet, dass wir 2017 ja 30 Jahre alt werden. Deshalb entschieden wir uns dafür, das bereits nach vier Jahren anzugehen.

War die Chemie der guten Zeiten sofort wieder da?

Wir waren im Studio, um für einen Trailer zum 30. einen Song aufzunehmen, und eigentlich haben wir drei Tage nur gegackert. Das Ergebnis war aber auch der neue Song „Thirty“ und ein Album, auf dem viele alte, aber auch neue Songs zu finden sind. Das war unglaublich cool. Es fühlte sich so an, als sei niemals etwas passiert. Wir sind nur älter und gehen vorsichtiger miteinander um. Wir leben einfach das Swinger-Club-Prinzip: Alles kann, nichts muss. Wenn einer keinen Bock hat, machen wir es einfach nicht. Und das funktioniert.

Auch live bei den Konzerten?

Ich glaube, wir haben live noch nie so gut gespielt wie jetzt, und ich habe in meinem Leben noch nie so gut gesungen. Entspanntheit, gute Laune, ein bisschen Reife und vor allem auch Proben helfen ungemein.

Proben hilft?

Und natürlich auch das, was die Band ausmacht. Egal was passiert, wenn wir Sechs ins Studio oder auf die Bühne gehen, macht’s puff und es klingt sofort nach Fury.

Wobei es in der Vergangenheit auch Songs und Alben gab, die nicht die bewährte Fury-Klasse hatten.

Wir haben mit „Nowhee . . . Fast!“ und „Every Heart Is A Revolutionary Cell“ definitiv zwei Alben gemacht, die wir uns hätten schenken können, obwohl es auch da einige gute Songs gab. Man sollte zum Beispiel kein Album machen, nur um aus einem Vertrag herauszukommen. Wir waren eben nie fehlerfrei in unserer Karriere. Das war oft gut so, manchmal auch schlecht.

Habt Ihr jemals bereut, den konsequenten Sprung in die USA nicht zu wagen? Ihr hattet ja den Fahrschein zum Erfolg bereits gelöst.

Damals dachten wir manchmal schon, was sind wir für Idioten. Wenn du uns aber heute fragst, war diese Entscheidung genau richtig. Die Band hätte das nicht überlebt. In Amerika ist nicht nur alles viel größer, die Nation hat auch ein komplett anderes Verhältnis zu ihren Musikern. Das ist anders als in Deutschland. In den USA feiern und lieben sie ihre Stars, und die feiern sich dann auch selber. Und zwar genau so, wie man sich das vorstellt. Stretch-Limousinen, Sex and Drugs and Rock ’n’ Roll. Das hätte einigen von uns sehr zusetzen können. Wir wollten auch einfach nicht mit 27 sterben. Das passte nicht so zu uns. Also ging’s wieder nach Hause zu unserer Homebase, lecker Schwarzbrot und vernünftigem Bier.

Was darf das Publikum live von Euch erwarten?

30 Jahre, 30 Songs. Das volle Programm eben.

Konzerte Die Wiblinger Sommerfestspiele im Klosterhof beginnen heute, Donnerstag, 19 Uhr, mit dem Auftritt der Söhne Mannheims mit Xavier Naidoo & Co.. Am Freitag, 20 Uhr, präsentieren Solisten, Chor und Orchester der Stagione D’Opera Italiana um 20 Uhr Verdis „Nabucco“. Der französische Superstar Patricia Kaas bringt am Samstag, 20 Uhr, Chansonkunst nach Wiblingen. Das Finale bestreiten Fury in the Slaughterhouse am Sonntag, 20 Uhr. Alle Infos zum Open Air unter swp.de/musik

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