Freundschaft knüpfen, wo Gewalt herrscht

Armut, Drogenhandel, Bandenkriege - Guatemala ist ein Land mit großen Problemen. Eine ökumenische Reise führt zehn junge Menschen dorthin.

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Fast ein Jahr lang haben sie sich vorbereitet, am Montag nun bricht eine zehnköpfige Jugenddelegation mit Begleitern ins fast 10 000 Kilometer entfernte Guatemala auf. Ziel der dreiwöchigen ökumenischen Reise nach Lateinamerika ist es, eine seit wenigen Jahren bestehende "Schutz- und Solidaritätspartnerschaft" mit Guatemala zu festigen - ein Netzwerk, in dem sich der evangelische Kirchenbezirk Ulm und die Arbeitsgemeinschaft der Christlichen Kirchen (ACK) in Ulm/Neu-Ulm engagieren.

Trotz Maya-Kultur und grandioser Landschaft: Eine normale Urlaubsreise wird es für die 16- bis 26-Jährigen aus Ulm, Langenau, Ravensburg und Geislingen nicht. "Das Land atmet Gewalt", sagt Reiseorganisator Ralf Häußler vom Zentrum für entwicklungsbezogene Bildung (ZEB) in Stuttgart, früher Pfarrer in Ulm-Wiblingen. Bandenkriege, innerfamiliäre Gewalt, Rassismus und Menschenrechtsverletzungen sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Auch mehr als 15 Jahre nach Ende des Guatemaltekischen Bürgerkrieges (1960-1996) herrscht ein Klima der Angst und Bedrohung. Die Schutzpartnerschaft wurde vor allem vor dem Hintergrund eingegangen, dass in dem Land auch Christen, die sich für die Rechte der Armen, den Regenwald und die Aufarbeitung von Kriegsgräueln einsetzen, verfolgt werden.

All diese Probleme werden bei der Reise nicht außen vor bleiben, die von Guatemala Stadt quer durch das Land bis nach Livingston an der Karibikküste führt. So ist ein mehrtägiger Aufenthalt beim Kleinbauern-Projekt ILUGUA der lutherischen Kirche Guatemalas in den Bergen der Granadillas vorgesehen. In dem Gebiet gibt es einen Konflikt um Trinkwasser und Waldgebiete.

Abgeschreckt hat das Programm die Reiseteilnehmer, die alle in der kirchlichen Jugendarbeit engagiert sind, nicht. "Ich finde es spannend, eine fremde Kultur zu entdecken", sagt Cira Schneider-Blumberg (19) aus Langenau, die gerade das Abitur gemacht hat. Johannes Grimm (17), Schüler aus Wiblingen, begründet seine Teilnahme vor allem mit "politischem Interesse".

Zentraler Bestandteil der Reise wird immer wieder die Begegnung mit jungen Einheimischen sein. 2013 soll es eine Revanche geben: Dann wird eine Jugenddelegation aus Guatemala in Ulm erwartet.

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