Frauenring nimmt sich bei der Kappensitzung die Prominenz zur Brust

Seltsame Gewächse gedeihen und welken im Politiker-Gärtchen. Das Schavan-Veilchen beispielsweise. Die Damen des Frauenrings nahmen auf ihre Weise das politische Tagesgeschehen aufs Korn.

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"Kopfputz statt Hausputz": Das Motto des Frauenrings war für Hutträgerin Helga Malischewski auch als Büttenrednerin kein Problem. Foto: Beate Storz

"Kopfputz statt Hausputz" lautete das Motto der Kappensitzung des Frauenringes Ulm/Neu-Ulm im Bürgerhaus Mitte. So ließen die Weibsleute ausnahmsweise den Wischmop und das Staubtuch beiseite und schmückten das Haupt. Sie waren allesamt wohlbehutet. Nicht unbedingt schick, dafür originell, Hüte mit Christbaumkugeln oder geschaffen aus vielen kleinen Kunststoffbeuteln. Helga Malischewski ließ die Aufforderung, wohlbehutet zu sein, völlig kalt. Sie trägt stets einen auffälligen Hut. Und sie ließ es sich auch bei der Weiberfasnet nicht nehmen, den auffälligsten aller Hüte auf dem Haupte spazieren zu führen, geschmückt mit Musikinstrumenten aus Plastik. In ihrer Bütt stellte sie sich vor mit "Helau, ich, Helga, bin bekannt in dieser Stadt als Musikant".

Männer waren tabu. Das Tabu hatte Ausnahmen. Der Alleinunterhalter Bert Schreiber versorgte die Frauen mit Tanzmusik, und Wolfgang Gütinger begleitete das Programm am Klavier. Das mag wohl daran liegen, dass keine Weibsleute gefunden wurden, die Musik machen können.

Der Frauenring hatte ein zweistündiges Programm auf die Bühne gezaubert, und die 60 Damen waren ebenso gut gelaunt wie ausstaffiert. Die Texte stammten von der Vorsitzenden Helga Ludwig und Irene Franziska Maurer, und nicht ohne Unterstützung standen beide auf der Bühne. Da gibt es ein fiktives Politikergärtchen, in dem so manches Gewächs gedeiht oder verwelkt: die Merkel-Margariten, die laut Gärtner Kretschmann festgebunden werden müssen, weil sie Stütze brauchen. Der rote Klatschmohn der Claudia-Roth-Gattung sei unverwüstlich und recke sich immer nach der Sonne. Das rote Löwenmaul Nils Schmid habe immer ein so schiefes Maul. Das Schavan-Veilchen sei von der Presse mit Gift bespritzt worden und gehe wahrscheinlich ein. Das Tausendguldenkraut der Marke Peer Steinbrück gedeihe nur, wenn im Gießwasser genügend Münzen beigelegt seien. Natürlich bekam Wolfgang Thierse von Helga Ludwig sein Fett ab, und zwar in einem Lied zur Melodie "Im Märzen der Bauer. . .". Sie lädt ihn ein zum Urlaub ins Schwabenland, zu Spätzle und Soße und Most. "Was du uns da vorwirfst, das ist doch nur Neid." Die Sangesschwestern gingen sogar so weit, eine Nationalhymne für Baden-Württemberg zu präsentieren ("Das Sparen ist des Schwaben Lust"), und zu den Themen Stuttgart 21 und Griechenland: "Oh, du lieber Augustin, alles ist hin. Geld ist hin. Zug ist weg. Stuttgart versinkt im Dreck."

Um im Weiberklischee zu bleiben, solidarisierten sich die Damen natürlich mit den Strickguerillas. Sie schlugen zur Wahrung des Weltfriedens vor, jedem Soldaten ein Strickzeug statt einem Gewehr in die Hand zu drücken und erklärten sich überdies bereit, einen Mundschutz für blöde Politiker zu stricken. Die Bühne schmückte ein eingehäkeltes Fahrrad.

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