Frauen aus aller Welt im Dialog

Voneinander und miteinander lernen, auf Augenhöhe und im gegenseitigen Dialog - das ist das Lernhaus der Frauen. Es richtet sich an Frauen unterschiedlicher Kulturen und Herkunft. Bald zum dritten Mal.

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14 Frauen aus acht Herkunftsländern lassen sich derzeit am Lernhaus der Frauen zur Kulturmittlerin ausbilden. Privatfoto

Sie kommen aus Syrien, Eritrea, Lettland, Sibirien, Brasilien, Schweden, Kroatien und Deutschland. Sie haben unterschiedliche Berufe und Ausbildungswege, gehören verschiedenen Religionen an, sie sind jung oder schon älter. 14 Frauen treffen sich derzeit regelmäßig im EinsteinHaus, um miteinander und voneinander zu lernen: die Sichtweisen der anderen zu verstehen, Einblicke in ihre Kultur zu erhalten, Erfahrungen auszutauschen, Meinungen zu respektieren. Darüber hinaus gibt es im "Lernhaus der Frauen" aber auch eine Menge eher traditionellen Lernstoffs zu Dialogführung, zu kulturellem und religiösem Basiswissen.

Im Lernhaus der Frauen, einer Einrichtung der Frauenakademie an der vh Ulm, werden so genannte Kulturmittlerinnen ausgebildet. Sie sollen an ihrer jeweiligen Wirkungsstätte - sei es daheim, im Beruf oder im Ehrenamt - das Verständnis für Menschen unterschiedlicher Herkunft vertiefen und so zu einem besseren Miteinander beitragen. Eine wichtige Aufgabe, findet Frauenakademie-Leiterin Gesa Krauß. Gerade in Ulm, wo sich die Stadtverwaltung die "internationale Stadt" auf die Fahnen geschrieben hat: tolerant, weltoffen, lebenswert für alle Bewohner. "Das passiert nicht von selber. Jemand muss sich darum kümmern." Zum Beispiel das Lernhaus.

Die Stadtverwaltung hat diese Bemühungen anerkannt und hat den Lehrgang als Fortbildungsangebot für ihre Mitarbeiterinnen aufgenommen. Was im Lernhaus vermittelt wird, meint Krauß, sei aber auch für Firmen, soziale Träger oder Kliniken wichtig - also überall, wo Menschen unterschiedlicher Herkunft aufeinandertreffen.

Sich mit anderen auf Augenhöhe auszutauschen, erfordert zunächst: sich auseinanderzusetzen mit sich selbst. Schließlich prallen Kulturen und Persönlichkeiten aufeinander. "Die eigene Haltung zu hinterfragen ist letztlich wichtiger als das Wissen, das man aus dem Lernhaus mitnimmt", sagt Gabriele Welke, eine der Dozentinnen. Sie ist immer wieder aufs Neue beeindruckt von den Kompetenzen, die die Frauen mitbringen. "Wenn man ihre Lebensgeschichten hört, dann schämt man sich manchmal, weil sie hier nichts davon einbringen können." Ein Beispiel: Eine der Teilnehmerinnen war vor ihrer Flucht in ihrer Heimat Deutschlehrerin, in Ulm arbeitet sie als Putzfrau.

Ein Kurs am Lernhaus der Frauen erstreckt sich über zwei Semester. Die Lerngruppen treffen sich meist freitags: zehnmal vormittags, zusätzlich sechsmal auch nachmittags und viermal samstags. Am Ende gestalten und organisieren sie eine Abschlussveranstaltung. Wobei: Genannt wird sie nicht so. "Die Frauen finden, Abschluss klingt nach Abschied, und das wollen sie nicht", sagt Dozentin Dr. Andrea El-Danasouri.

Einen Abschied gibt es auch nicht, das zeigen die Erfahrungen aus dem ersten Lernhaus-Kurs. Teilnehmerinnen treffen sich immer noch regelmäßig, vernetzen sich, wollen neue Projekte anstoßen. "Durch die Vernetzung entstehen neue kleine Keimzellen", sagt Gabriele Welke. "Es zeigt: Man ist nach einem Jahr noch nicht fertig mit dem Lernen."

Info Vor dem Start des neuen Lernhaus-Kurses im Oktober findet eine Info-Veranstaltung statt: Dienstag, 19. Juni, 18 Uhr im Club Orange im EinsteinHaus am Kornhausplatz.

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