Forum in Ulm: Schüler singen zu wenig

Schwerpunkt der Tage der Chor- und Orchestermusik in Ulm und Neu-Ulm ist die Schulmusik. In einem Forum im Stadthaus beklagen Referenten die mangelnde Sing-Erfahrung heutiger Schüler.

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„Schon seit Jahren stellen wir fest, dass in den Familien zu wenig gesungen wird“, sagt Christoph Wagner. Das führe zu mangelnden Kenntnissen im Musikunterricht. „Und je älter die Schüler werden, desto weniger trauen sie sich, wenn sie nicht geübt sind.“ Die Zahl sogenannter Brummer nehme deshalb zu. Das sind Schüler, die nicht mehr in der Lage sind, Töne richtig aufzunehmen und nachzuahmen.

Gemeinsam mit Grit Steiner sprach Wagner im Forum Schulmusik über die neuen Chancen für den Musikunterricht durch Singklassen. Das Forum gehört zum Programm des nationalen Festivals „Tage der Chor- und Orchestermusik“, für welches knapp 900 Musiker aus ganz Deutschland in Ulm und Neu-Ulm zu Gast sind. Die beiden Referenten sind Lehrer an Gymnasien in Zuffenhausen und Ludwigsburg, wo Singklassen eingerichtet worden sind; außerdem arbeiten sie als Fachberater im Regierungspräsidium Stuttgart.

Vor knapp 50 Zuhörern im Stadthaus erläuterte Wagner die Ziele der Singklassen, in deren Musikunterricht, wie der Name es vermuten lässt, ganz besonders viel gesungen wird: Inhalte der Musiklehre sollen lustbetont vermittelt werden. Die Schüler sollen Epochen und Stile kennen lernen und sich ein Liedrepertoire erarbeiten; das Schul- und Klassenklima soll sich durch stärkeren Gemeinsinn verbessern, das Selbstbewusstsein der Schüler gestärkt werden.

Die Entstehung der Singklassen wird durch Vorgaben der Bildungspläne in Baden-Württemberg seit 2004 unterstützt, wie Steiner erklärte. Entscheidende Impulse habe der Musiklehrer Ralf Schnitzer gegeben. Er brachte die systematische Stimmbildung über einen Choraustausch mit einer Highschool in Virginia, USA, zu seinem Gymnasium in Eppelheim. 1997 ist dort die erste Singklasse eingerichtet worden, die zum Modellprojekt wurde. Seit 2004 wird an Schulen das Hauptfach Musik mit dem Schwerpunkt Gesang eingerichtet. Etwa an Musikakademien werden Fortbildungen für Erzieher und Lehrer angeboten. Bis heute gebe es viele Nachahmer, einen echten „Singklassen-Boom“, sagt Steiner. Darunter seien viele Nachahmer von Schnitzers Konzept, aber auch eigene Modelle.

Unterschieden wird in Singklassen, bei denen nur im Klassenverband geübt wird, und in solche, bei denen zusätzlich ein Stimmbildner in kleinen Gruppen mit den Kindern übt. Stimmbildner kosten Geld, deshalb sei hier ein Beitrag zu entrichten, sagt Steiner. Einerseits gewährten die Schulen Zuschüsse, andererseits würden auch Spenden eingeworben. Wagner betont, dafür ließen sich Kosten für Instrumente sparen: „Für die Singklasse hat man sein Instrument immer dabei.“

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