Flussufer wird zu Marktmeile: Freitag beginnt das Donaufest

Vorbereitungen allenthalben: An beiden Donauufern wird alles vorbereitet fürs zehnte Donaufest. Verantwortliche schwitzen, aber: Alles im grünen Bereich. <i>Mit einem Kommentar von Hans-Uli Thierer: Zusammenwachsen lautet die Botschaft des Donaufestes.</i>

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Auch die Bühne auf der Neu-Ulmer Seite steht – und gibt Blicke aufs Ulmer Münster frei.  Foto: 

Es wird gemäht, gehämmert, gebaut, Strippen werden gezogen, Kabel verlegt, Zelte hochgezogen. Das im Vergleich zum früheren Spiegelzelt wenig charmante weiße Rundzelt auf Höhe Fischerplätzle steht ebenso schon wie der an eine Gebirgsholzhütte erinnernde  Imbissstand der Ungarn.

Wenn Frauke Kazda mal im Gespräch mit einem Aufbauhelfer ist und sich ein paar Minuten nicht umdreht, „steht schon wieder ein Stand“. Sie ist im Leitungsteam des zehnten internationalen Donaufestes zuständig für den Markt der Donaustädte. Bei aller Hektik: „Es läuft. Prima.“ Großkampftag wird noch einmal der Donnerstag. Dann treffen die meisten Kunsthandwerker aus den südosteuropäischen Donauländern ein. Einzig die Slowakei wird nicht vertreten  sein, sonst alle neun übrigen Donauländer.

Auch an andere Stellen laufen die Vorbereitungen: Für die Uraufführung von Alexander Balanescus „Treibgut“ im Theater am Samstag (siehe Info-Kasten) und für den Empfang im Ulmer Rathaus am Sonntag (11 Uhr). Bei Sigrid Herter, zuständig für Repräsentation bei der Stadt, laufen die Fäden zusammen für den Tag, der OB Gunter Czisch besonders am Herzen liegt. Es soll kein Empfang mit ellenlangen Reden werden,  wobei natürlich Redner wie der neue baden-württembergische Europa- und Justizminister Guido Wolf auftreten werden. Mehr  aber setzen der OB und sein Organisationsteam auf das Format der lockeren Gesprächsrunden.

Zwei dieser Gesprächspartner sind zum einen Czischs Vorgänger  Ivo Gönner – ein Garant des lockeren Wortes – und der langjährige frühere Donaufestleiter Peter Langer.  Während diese Runde die Entstehungsgeschichte des Donaufestes in Erinnerung rufen wird, soll es im  von Journalisten moderierten Gespräch mit Ivan Penava (Bürgermeister im kroatischen Vukovar), István Pásztor (Parlamentspräsident in der Vojvodina, Serbien) und Duro Topic (Bürgermeister Orasje, Bosnien) um Fragen der künftigen Entwicklungen im Donauraum gehen.

Antworten darauf hat Peter Langer im Auftrag Czischs formuliert. Er hat zur zehnten Auflage des gemeinsamen Festes beider Städte eine Art kleine Donaufest-Denkschrift verfasst. Darin wird die Entwicklung seit 1998 geschildert. Czisch dient das Papier zur  Vertiefung eigener Gedanken. Wenige Tage nach dem Brexit sagt er: „Es  ist zu lange nicht mehr gelungen, mit dem europäischen Gedanken die Herzen der Menschen zu erreichen. Nicht zuletzt das muss unser Ziel sein.“ Gelingen könne dies über die Vermittlung gemeinsamer Werte. Wie heißt es dazu in besagtem Papier:  Für Offenheit, Gemeinsinn und Toleranz sei ständiger Dialog zwischen Politik, Wirtschaft, Kultur, Zivilgesellschaft nötig. Es bedürfe der Bereitschaft zur Aufnahme von Menschen, die Schutz vor Krieg und Terror suchen. „Dies ist eine zentrale Lehre aus der gemeinsamen Donau-Geschichte.“
 

Zusammenwachsen lautet die Botschaft des Donaufestes 

Es ist ja zum Verzweifeln mit all dem Zaudern in und den Zweifeln an Europa. Durch den Brexit ist der alte Kontinent am vorläufigen Tiefpunkt in seiner jüngeren Einigungsgeschichte angelangt. Hat in so einem Moment da noch irgendeiner wirklich Lust, ein Donaufest zu feiern, dessen Grundpfeiler  und zentrale Boschaft ja genau diese Idee eines geeinten West-Ost-Europas ist?

Es wird so sein – jedenfalls, sofern das Wetter mitspielt: Am Freitagabend, wenn der Markt der Donaustädte eröffnet ist und später im Theater das eigens für zehnte Donaufest geschriebene Musiktheater „Treibgut“ seine Welturaufführung hinter sich hat, spätestens dann kann uns der Brexit mal gestohlen bleiben. Zumindest phasenweise während des Donaufests.

Und das ist gut so, denn zum Donaufest gehört das unbekümmerte Feiern genauso wie die unbeschwerte Reise durch die rasante Kultur und die schwere Kulinarik  Südosteuropas. Vor allem gehört dazu die Begegnung.

Auch tiefgründige Treffen. Wie 1998. Donaufest-Premiere. Die Wunden des Balkankrieges noch offen. Und dann diese  Begegnung zwischen Vertretern aus dem serbischen Novi Sad und dem kroatischen Vukovar. Es war wenige Jahre zuvor durch serbische Milizen in Schutt und Asche gelegt, die Opfer waren oberhalb der Stadt in einem Massengrab verscharrt worden. Jetzt die Bürgermeister aus Städten dieser Erbfeindstaaten im Ulmer Rathaus an einem Tisch. Was für eine Begegnung, für eine Botschaft.

Die ersten Tage beim Donaufest

Auftakt-Programm Das zehnte internationale Donaufest fängt an am  Freitag, 1. Juli, mit Eröffnung des  Marktes der Donau- städte an beiden Flussufern (17 Uhr). Auf  den Bühnen ist im Anschluss Programm. Um 20 Uhr: Premiere von „Treibgut“ im Ulmer Theater. Es ist ein Auftragswerk: Alexander Balanescu hat das Musiktheaterstück eigens fürs zehnte Donaufest geschrieben.

Samstag Auf den Bühnen am Flussufer in Ulm und Neu-Ulm ist am Samstag von 11 Uhr an Programm. Für Kinder werden um 11 und um 16 Uhr Kinderschachtelfahrten angeboten. Auch das gibt’s: Eine Weinprobe des Winzervereins Hagnau mit der Weinprinzessin vom Bodensee Stephanie Staneker (13.30 Uhr). Und Weltliteratur: August Zirner liest Danilo Kiš (20 Uhr, Stadthaus).  

Sonntag Auf der Neu-Ulmer Seite heißt es von 11 bis 16 Uhr: Familientag mit Pipapo, was vielfältige Aktivitäten verheißt. Von 12 Uhr an den Bühnen am Fluss Musik, Tanz, Unterhaltung. Im Stadthaus wird um 15 Uhr die Ausstellung „Ohne Glanz und Glamour“  über Menschenhandel und Zwangsprostitution eröffnet.  Ansonsten: Abends buntes Bühnenprogramm und im Theater „Treibgut“ (19 Uhr). 

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10. Internationales Donaufest

Vom 1. bis 10 Juli 2016 findet in Ulm und Neu-Ulm das zehnte Internationale Donaufest statt. Zehn Tage lang werden die Vielfalt und Besonderheiten sowie Gemeinsamkeiten des Donauraums mit einem facettenreichen Kunst- und Kulturprogramm gefeiert.

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