Flüchtlinge in Ausbildung: Mit Eigeninitiative und Begabung

Fachinformatiker bei der IHK Ulm: Omid Ahmdzai kommt aus Afghanistan und beginnt im September eine Ausbildung bei der Kammer.

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Flüchtlingen eine Ausbildung ermöglichen. Das fordert die Industrie- und Handelskammer schon seit geraumer Zeit. Jetzt folgt sie Vorreiterbetrieben in der Region und kommt ihrem Appell selbst nach. Am 1. September beginnt mit Omid Ahmdzai  ein Flüchtling eine Ausbildung als Fachinformatiker im Bereich Systemintegration bei der Kammer. Derzeit machen 15 Azubis eine Ausbildung bei der IHK. Ahmdzai ist 23 Jahre alt und ist vor 22 Monaten nach Deutschland geflohen. „Als ich aus Afghanistan hierher gekommen bin, dachte ich, ich kann hier gleich arbeiten“, sagte Ahmdzai am Donnerstag als er seinen Vertrag unterschrieb.

„An diesem Punkt müssen wir Überzeugungsarbeit leisten“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle. „Die jungen Leute wollen arbeiten und schnell richtig Geld verdienen. Wir brauchen aber kaum Helfer, sondern geschulte Leute.“ Deshalb gelte es, den Flüchtlingen die Möglichkeiten aufzuzeigen, die ein Praktikum und später eine Ausbildung bieten. „Sie verdienen damit später nicht nur mehr, ihre Bleibeperspektive ist auch eine andere“, erklärte Sälzle. Fange ein Flüchtling jetzt eine Ausbildung in Deutschland an, dürfe er für die dreijährige Lehrzeit und zwei Jahre im Anschluss zum Arbeiten hier gesichert leben. „Das Integrationsgesetz wird auch den Unternehmen Sicherheit geben“, ist IHK-Flüchtlingskoordinator Armin Speidel überzeugt.

Dass Flüchtlinge wie Omid Ahmdzai ohne Praktika direkt mit einer Ausbildung beginnen können, sei eine absolute Ausnahme, sagte Speidel. Er lernte Ahmdzai vor einem halben Jahr über seinen Kollegen Werner Burkhart kennen, der Ahmdzai über den Freundeskreis Asyl in Elchingen kennt. Seither hat Ahmdzai seine Deutschkenntnisse auf B2-Niveau verbessert, zudem hatte er bereits in Afghanistan eine Lehre im IT-Bereich gemacht und zwei Jahre gearbeitet. Im Bewerbungsverfahren konnte er sich gegen mehrere Konkurrenten durchgesetzen.

Meistens seien fehlende sprachliche Kenntnisse ausschlaggebend dafür, dass es nicht mit Praktika oder Ausbildungsstellen klappt, weiß Speidel. „Wenn die notwendigen Kenntnisse fehlen, ist es im Betrieb und auch in der Berufsschule nicht ganz einfach.“ Vielen Schulen bestünden, wie Speidel erklärte, inzwischen auf ein zweites Jahr in den eingerichteten Vorbereitungsklassen.

Zum Start des Ausbildungsjahres im September könne etwa die Hälfte der 60 Flüchtlinge, die die IHK Ulm betreut, ein Praktikum oder eine Einstiegsqualifizierung beginnen, einzelne auch eine Ausbildung. Die, die eine Ausbildung anfangen, „haben sehr viel selbst getan“, berichtete Sälzle. „Sie zeigen eine hohe Eigenmotivation und haben auch die nötige Sprachbegabung.“

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