Finale Dortmund gegen Bayern: Auf welches Team bekannte Ulmer setzten

Heute Abend, 20.45 Uhr: das Spiel der Spiele, das Champions-League-Finale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund im Londoner Wembley-Stadion. Fans der beiden Teams geben Einblicke in ihr Seelenleben.

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Wenn der Ulmer Baubürgermeister Alexander Wetzig redet, ist der Sprachfärbung seine Herkunft durchaus anzumerken. Der Mann kommt aus Bayern, ein Blick in die Geburtsurkunde macht ihn als Münchner aus. Und so ist für ihn naheliegend, wer den Pokal überreicht überkommt: "Natürlich die Bayern!", lässt Wetzig zwischen zwei Terminen wissen. Er tippt, dass das Spiel 3:2 für den FC Bayern in der Verlängerung endet, ,,weil beide Mannschaften ähnlich stark, aber die Bayern die international erfahrenere Mannschaft sind". Selbstverständlich verfolgt der Architekt, der auch sein Studium in München absolvierte, das Spiel "seiner" Mannschaft - und zwar "bei Freunden".

"Ich habe selbst lange Fußball gespielt, zuletzt in der AH des SSV 46." Heinz Koch, Leiter des Theaters Neu-Ulm, und vor Jahren von Mülheim an der Ruhr an die Donau gezogen, kennt den Kampf um Punkte und Tore. "Aufgrund verschiedener Umstände, zum Beispiel, dass Götze nicht mitspielt, liegen die Vorteile bei den Münchnern." Koch hofft auf ein "schönes Fußballspiel, das nicht einseitig ist". Wenn er in sich hineinhört, macht sich doch noch seine Ruhrpott-Herkunft bemerkbar: "Ein bisschen mehr Spaß hätte ich, wenn Dortmund gewinnen würde." Noch sei nicht sicher, wo er sich das Champions-League-Finale anschauen wird: wahrscheinlich aber mit der Clique im Café Venezia am Petrusplatz.

Der Intendant des Theaters Ulm, Andreas von Studnitz, ist mitten in den Proben am Theater Pforzheim. "Döner zweier Herren - oder Hunger integriert", heißt das Stück, dessen Premiere am 1. Juni sein wird. Und so schickt er seine Finale-Einschätzung kurz und knapp per Mobiltelefon: "1. Mein Herz schlägt für Bayern München, 2. Bayern gewinnt. Noch ein Chelsea-Desaster darf nicht sein, 3. Angucken werde ich das Spiel irgendwo in Ulm."

Für wen ihr Herz schlägt? Keine Frage, Dr. Nicola Wenge, Leiterin des Dokumentationszentrums Oberer Kuhberg, ist gebürtige Dortmunderin. Wobei im Pott alles ein bisschen komplizierter ist, denn sie entstammt einer "Schalke-Familie". Nun ist die Entfernung zwischen Lüdenscheid-Nord, wie die Schalke-Fans zum BVB sagen, und Herne-West, wie die Dortmund-Fans die Gelsenkirchener nennen, relativ klein, der Graben aber kann kaum tiefer sein. Nicola Wenge nimmt heute diesen Graben locker, "3:2 für Dortmund". Ob allerdings ihr Mann mit diesem Tipp einverstanden ist? Der nämlich ist eingefleischter Bayern-Fan, "aber das", sagt sie, " kann uns nicht auseinanderbringen".

"Fußball? Dazu soll ich was sagen?" Laurence Lachnit, Roxychefin, bekennt, dass sie kein Fan einer der beiden Mannschaften ist, die heute im Finale stehen. Mit dem Fußball verhält es sich bei ihr so: Sie schaue die Spiele gerne im Fernsehen an. "Es ist immer spannend." Doch erst im Laufe eines Spieles entscheide sie, welcher Mannschaft sie den Sieg gönnt. Und heute? Dortmund oder Bayern? "Keine Ahnung. Aufgrund der Nähe zu Bayern vielleicht doch eher Bayern." Den Endstand des Spieles sagt sie so voraus: 3: 1 für Bayern. Sie wird das Spiel angucken und zwar in Frankreich. Lachnit, die die deutsche und französische Staatsbürgerschaft besitzt, besucht derzeit die Familie ihrer Schwester. "Meine Verwandten müssen alle mitgucken. Das werden sie auch, aus Solidarität zu mir und meinem deutschen Partner." Der sei ein "totaler Fußballfan".

Für die Bayern schlägt auch das Herz von Gastronom Dieter "Capo" Zauner. Er ist bekennender Bayern-Fan und vor dem Finale einigermaßen sicher: "Die machens auch." Sein Tipp ist ebenfalls optimistisch: 3:1 für die Truppe von Jupp Heynckes. Es ist natürlich klar, wo er sich das Spiel gegen Dortmund anschaut: in seinem Lokal Capos Größenwahn in der Platzgasse, wo das Spiel auch mit Großleinwänden in den Schaufenstern nach außen übertragen wird. Die Fangemeinde ist enorm. Capo dürfte kaum daher übertreiben, wenn er sagt: "Das ist das Geilste, das ist wie im Stadion."

Der fanmäßig schwarz-gelbe Gegenentwurf zum rot-weißen "Capo" ist Peter Schmidt. Der Chef des Reisebüros SÜDWEST PRESSE Hapag Lloyd ist gebürtiger Dortmunder, seit 33 Jahren BVB-Mitglied und Fan durch und durch. Noch ein bisschen durcher ist er, wenn es gegen die Bayern geht. Haben die doch Jungstar Mario Götze weggekauft. Schmidt, dessen Büro schwarz-gelbe Devotionalien schmücken, ist dennoch überzeugt, dass die Borussia in den kommenden Jahren eine erste Geige im Konzert des europäischen Klubfußballs spielen wird. "Weil wir den Klopp haben, der ein Klassetrainer ist, weil authentisch." Reisemanager Schmidt wird es sich heute Abend daheim vorm Fernseher gemütlich machen. "Denn ich bin stiller Genießer". Obwohl er nie tippt, ist das eine glasklare Aussage: Welcher BVB-Fan könnte schon genießen, setzte es eine Niederlage für die Borussia?

Auch Heimgucker ab 20.45 Uhr: Ivo Gönner. In zeitliche Bredouille wegen des um 17.20 Uhr in der Ratiopharm-Arena beginnenden Basketball-Halbfinals zwischen Ulm und Oldenburg kommt er nicht. Wegen eines Auswärtstermins entgeht ihm der Live-Kick beim Spiel mit dem größeren Ball. Die Frage, wem der Ulmer Oberbürgermeister beim Basketball die Daumen drückt, verbietet sich. Und beim Fußball, zu dem er dann daheim sein wird? "Ein bisschen fester für die Bayern - aber nur ein bisschen." Den Münchnern traut der OB einen knappen Sieg zu.

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