Filmprojekt: „Kämpfer - Böfinger Jungs“

Zwischen Prügel und Mitgefühl – Junge Männer aus Böfingen berichten aus ihrem Leben. Ein Filmprojekt zeigt, welchen Rolle Gewalt im Alltag der Jungs spielt. Streetworker Philipp Köhler spricht über Dreharbeiten und Hintergründe

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Philipp Köhler (38) arbeitet im Auftrag der Arbeiterwohlfahrt (Awo) als mobiler Jugendarbeiter in Böfingen. Gemeinsam mit den anderen sechs Ulmer Streetworkern hat Köhler einen Abend zum Thema "Jugendgewalt" auf die Beine gestellt. "Und dann raste ich halt aus... Jugend zwischen Angriff und Verteidigung", so heißt die Veranstaltung, die am Dienstag, den 25. September, ab 18 Uhr im Roxy stattfindet. Unter anderem wird der Film „Kämpfer - Böfinger Jungs“ gezeigt, den Köhler selbst mit den Jugendlichen produziert hat.
 
Ziel des Projekts ist ein offener Erfahrungsaustausch und eine kontroverse Diskussion zum Thema Jugendgewalt unter jungen Männern. Köhler selbst trainiert Jugendliche im Thaiboxen. Schnell merkte der Streetworker, dass Gewalt zum Alltag der Jugendlichen gehört. „Was, wenn fünf Leute um mich rum stehen, wie mach ich die auf einmal platt?“, war eine der Fragen, die nach einem Training aufkamen. „Nicht alle Jugendlichen suchen den Konflikt. Einige wollen sich einfach verteidigen können“, so Köhler. Jugendgewalt sei schon lange ein großes Thema, doch selten kämen die Jugendlichen selbst zu Wort. „Das will ich mit diesem Film ändern“, erklärt Köhler.
 
Über Zuschüsse konnte Ausrüstung für das Training angeschafft werden. Mit geliehenem Equipment und seiner Handykamera machte Köhler die Aufnahmen. Von September 2011 bis Ende Februar 2012 brauchte er über 100 Stunden, um aus 14 Stunden Rohmaterial eine 30 Minuten lange Dokumentation zu machen.
 
Die Jugendliche seien bei den Aufnahmen im Zwiespalt gewesen. „Einerseits wollten sie cool sein, andererseits durften sie nicht zu cool sein, falls Arbeitgeber oder Bewährungshelfer sie sehen würden“, so Köhler. Extra für den Soundtrack zum Film startete er ein Hip-Hop-Projekt.
 
„Was rausgekommen ist, deckt sich gut mit meinem Vorhaben“, resultiert Köhler zufrieden. „Mir ist wichtig, dass Zuschauer einen persönlichen Eindruck der Jugendlichen bekommen. Das sind nicht nur harte Kerle, die sich prügeln. Das sind nette Jungs, die auch Gefühle haben. Ebenso sollten aber auch die Jugendlichen selbst reflektieren, was sie gemacht haben.“
 
Zur Premiere im Jugendhaus Böfingen seien mehr gekommen als er erwartet habe. Das schönste aber sei die Reaktion der Jugendlichen gewesen. „Keiner hat den anderen ausgelacht oder gedisst, obwohl einer im Film sogar zugegeben hatte, dass er im Ernstfall abhauen würde, anstatt sich zu prügeln“, erklärt der Streetworker voller Stolz. „Nach der Vorstellung haben mir einige auf die Schulter geklopft, andere haben beim Rausgehen den Soundtrack gepfiffen.“
 
Köhler ist allen Kooperationspartnern sehr dankbar für die Unterstützung bei seinem Filmprojekt. „Ich habe gelernt, dass es gut funktioniert, wenn man so was in Ulm macht – hier hat man Rückenwind“, sagt Köhler abschließend.
 
Hier der Trailer vom Filmprojekt aus Böfingen:
 
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