Fipronil-Eier: Wie in Ulm kontrolliert wird

Wie stellen heimische Betriebe sicher, dass sie unbelastete Eier verwenden? Kaufen die Menschen jetzt anders ein? Wir haben in der Region nachgefragt.

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Auf Nummer sicher: Die meisten Kunden auf dem Wochenmarkt kaufen beim Händler ihres Vertrauens.  Foto: 

Auch in der Region Ulm werden aufgrund des Fipronil-Skandals Eier auf mögliche Belastungen mit dem Insektizid kontrolliert. Das Veterinäramt des Alb-Donau-Kreises hat in den vergangen Tagen im Rahmen des Sonderkontrollprogramms des Landes in drei Legehennen-Betrieben Proben genommen, berichtete Landratsamt-Sprecher Bernd Weltin auf Anfrage. Sie werden jetzt in der zuständigen Veterinärbehörde in Freiburg untersucht. Sobald die Ergebnisse vorliegen, werden sie  dem Ministerium Ländlicher Raum übermittelt. „Bislang sind keine belasteten Eier aufgetaucht“, versichert Weltin. „Es wird weiter kontrolliert.“

Betriebe untersuchen selbst

Wie gehen verarbeitende Betriebe in der Region mit einer potenziellen Belastung um? „Unsere Lieferanten sind nicht betroffen“, sagt Walter Bauer, Prokurist bei Settele. Der Produzent von Spätzle und Maultaschen habe drei Hauptlieferanten: In Deutschland, in Österreich und in den Niederlanden. Letzterer habe Settele aber schriftlich bestätigt, dass seine Legehennen-Betriebe nicht betroffen seien.

„Wir haben auch Eigenuntersuchungen auf Fipronil angestellt“, sagt Bauer. Wie die anderen Rohstoffe unterliege das pasteurisierte Vollei ständigen Kontrollen, die von einem externen Labor durchgeführt werden. Für seine Lieferanten legt Bauer die Hand ins Feuer: „Wir haben über Jahrzehnte gute Beziehungen aufgebaut und wollen kein Risiko eingehen.“

Ähnliches ist aus der Bäckerei Staib zu hören: „Unsere Lieferanten haben uns bestätigt, dass sie aus dem betroffenen Bereich keine Eier bezogen und selbst Analysen gemacht haben“, sagt Manfred Grieshober, Produktionsleiter der Konditorei. „Es gibt definitiv keine Belastungen.“ Hauptlieferant von Staib sei Wiesenhof. Die Firma habe versichert, in nächster Zeit keine Eier aus den Niederlanden zu beziehen. „Bei 25 000 Kunden täglich gehen wir keine Kompromisse ein, das Risiko wäre viel zu hoch.“

Kunden auf dem Ulmer Wochenmarkt gehen erst recht auf Nummer sicher und kaufen beim regionalen Händler ihres Vertrauens Eier und Hühnerfleisch, so auch Ansgar Keitel (35). Als Vater reagiere er sensibler auf solche Fälle, da besonders Kinder anfällig wären. „Um ehrlich zu sein, habe ich nur noch wenig Vertrauen in die Lebensmittelindustrie – alles ist zu unübersichtlich und ein Skandal folgt dem nächsten. Ich finde auch, dass die Bundesländer mehr gemeinsam koordinieren müssten.“ Dominik Albert (33) hat der neueste Skandal nicht überrascht. „Es ist doch so: Wer kann ernsthaft glauben, dass man bei billigen Produkten eine gute Qualität vorfindet?“

Verkäufer berichten, dass sich die Käuferzahl nur wenig verändert habe. Die Kunden aber würden vermehrt nach dem Erzeugungsort fragen, sagt Julia Geywitz (25) aus Scharenstetten. Sie klärt auf und beruhigt somit: „Die Kunden wissen dann, dass wir nur regionale Eier in bester Qualität verkaufen.“

Im Naturkostladen Kornmühle in der Herrenkellergasse ist die Nachfrage nach Eiern infolge des Skandals leicht gestiegen, sagt Inhaberin Julia Unseld. „Wir bekommen seit Jahren Eier in Bioland-Qualität vom Biolandhof Baiker aus Bermaringen sowie jene mit EU-Bio-Siegel vom Großhandel aus dem süddeutschen Raum.“

Stammkunden gehen leer aus

Enorm gestiegen ist indes der Eierverkauf in der „Eierhütte“ in Unterweiler, Altheimer Straße 28. Innerhalb von einer halben Stunde waren am Samstagvormittag alle 200 Eier weg. Betreiberin Jeannette Stolz hält seit April rund 220 Hühner in einem auf der Weide versetzbaren Hühnermobil. Macht pro Tag gut 200 frisch gelegte Eier, die jeder zum Stückpreis von 36 Cent aus dem Kühlschrank nehmen kann, wenn er das Geld in eine Kasse legt.

Jeannette Stolz tun derzeit die Stammkunden leid, die nach Dienstschluss leer ausgehen, weil Neukunden tagsüber bis aus Ulm kommen. Sie hofft allerdings, dass manche von diesen auch bleiben, wenn der Skandal in wenigen Wochen wieder vergessen ist.

Kommentar zu Fipronil-Eiern: Transparenz ist lobenswert

Jetzt wird wieder regional gekauft! Mindestens drei Wochen lang, bis keine belasteten Eier mehr im Umlauf sind und Fipronil aus den Schlagzeilen verschwunden ist. Jetzt ist auch die Stunde der Besserwisser, die immer schon jedes Ei persönlich von ihrem Lieblingsbauern abgeholt haben und die für all die Aldi-Käufer nur Verachtung übrig haben.

Zurecht? Jein. Jeder, der sein Geld im Discounter ausgibt, trägt zur Profitmaximierung von Großhändlern und Konzernen bei, denen Umwelt- und Sozialstandards oft schnuppe sind. Andererseits: Nicht jeder hat das Geld und die Zeit, auf den Wochenmarkt zu gehen oder in den Hofladen zu fahren und alles frisch selbst zu kochen. Wie bei jedem Skandal wird wieder das Lied von der regionalen Bioware angestimmt. Aber die muss man sich leisten wollen.

Und es geht ja gar nicht nur um das rohe Ei – verarbeitet steckt es in unzähligen anderen Lebensmitteln, stammt oft ungekennzeichnet aus billiger Käfigware aus dem Ausland. Die Verantwortung nur auf die Verbraucher abzuwälzen, ist ungerecht. Immerhin: Bauern und verarbeitende Betriebe in der Region kommunizieren transparent, woher ihre Ware kommt. Das ist lobenswert. Doch auch Eier für Spätzle und Kuchen kommen teils von weit her. Es ist an der Zeit, dass wir als Gesellschaft umdenken. Sonst müssen wir uns nicht wundern, wenn der nächste Skandal kommt.

Ein Kommentar von Christine Liebhardt.

Packstellen Betriebe mit eigenen Packstellen müssen vom Regierungspräsidium Tübingen zugelassen und regelmäßig kontrolliert werden, erklärt Dr. Hans-Joachim Butscher, Leiter des Fachdienstes Verbraucherschutz und Veterinärangelegenheiten beim Landratsamt Alb-Donau. „Wir gehen dann in der Regel mit und überprüfen die hygienischen Zustände.“ Der Fachdienst muss mehrmals im Jahr aus verschiedenen Betrieben Eier holen, die dann an eines von vier spezialisierten Laboren im Land geschickt werden. „Wir kontrollieren natürlich auch, wenn uns selbst etwas auffällt.“

Betriebe Die Hennen werden außerdem untersucht, bevor sie geschlachtet werden – was dann der Fall ist, wenn sie nicht mehr genug Eier legen. Betriebe, die ihre Eier an Handel und Gastronomie verkaufen, müssen diese mit ihrem Erzeugercode kennzeichnen - dem bekannten Eierstempel.

Legehennenhalter gibt es insgesamt im Alb-Donau-Kreis. Nur in 44 Betrieben leben mehr als 350 Hennen.

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