Felix Huby neuer Roman: Lehrjahre in Blaubeuren

Im Tübinger Verlag Klöpfer & Meyer erscheint im Sommer Felix Hubys neuer Roman "Lehrjahre": Der junge Held als Lokalredakteur in Blaubeuren.

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In seinem neuen Roman „Lehrjahre“ schildert  Felix Huby seine Zeit in Blaubeuren.  Foto: 

Er ist während der Abitursprüfung von der Schule geflogen, aber schreiben und erzählen, das kann er. So macht sich der 20-jährige Christian Ebinger aus dem Schönbuch auf nach Ulm, zur „Schwäbischen Donau-Zeitung“ (der heutigen SÜDWEST PRESSE), um sich auf eine Stelle als Volontär zu bewerben. Aber weil gerade ein Reporter ausgefallen ist, schickt der Chefredakteur ihn zum Bundesbahnhotel: Mit Louis Armstrong soll er ein Interview führen. Ja, mit dem „King of Jazz“.  Felix Huby, der in Berlin lebende Schriftsteller und TV-Autor (Bienzle-„Tatort“), erzählt diese Episode am Ende seines autobiografischen Romans „Heimatjahre“.

Der 1938 in Dettenhausen bei Tübingen geborene Huby spricht natürlich von sich selbst, romanhaft, aber wahr: Seine journalistische Laufbahn, die ihn auch zum „Spiegel“ führte, begann tatsächlich in Ulm, Verleger Eberhard Ebner stellte ihn damals ein, von 1960 bis 1964 arbeitete Huby  – bürgerlicher Name Eberhard Hungerbühler – bei unserer Zeitung. Nicht nur in Ulm, sondern dann als Lokalredakteur in Blaubeuren, er redigierte das „Blaumännle“. In Blaubeuren war das damals ein Rund-um-Job, Huby nahm auch die Anzeigen an und schrieb ohne Unterlass: „Da ist man in den Stiefel reingekommen.“

Was diese Vorgeschichte zu sagen hat: Klar, auf die „Heimatjahre“ folgen jetzt die „Lehrjahre“.  Der Tübinger Verlag Klöpfer & Meyer hat für Ende August diesen neuen Roman des Bestsellerautors Felix Huby annonciert. Noch befindet sich das Manuskript im Lektorat, zirka 360 Seiten sollen es am Ende zwischen den Buchdeckeln sein. Verleger Hubert Klöpfer hat unserer Zeitung, der „Heimatzeitung“ Felix Hubys, schon mal Einblick in den noch unkorrigierten Text gewährt.

Christian Ebinger also, der junge Held der „Heimatjahre“, wird „ins kalte Wasser“ geworfen: Nach nur einem Jahr Zeitungsvolontariat bietet ihm sein Verleger an, die verwaiste Stelle des Lokalredakteurs in Blaubeuren am Rande der Schwäbischen Alb zu übernehmen. „Er trifft auf eine behäbige Stadtgesellschaft, in der Wenige bestimmen, was für die Vielen zu gelten hat.“ Nur hat Ebinger von seinem früheren Chef gelernt, dass ein guter Journalist sich mit keiner Sache gemein machen darf. „So kann Ebinger nur anecken“, heißt es vielversprechend in der Verlagsankündigung.

Es ist der 28. April 1962, als Christian Ebinger von Ulm nach Blaubeuren fährt, es ist ein Samstag. „Am Bahnhof Blaubeuren waren nur wenige Fahrgäste aus dem Zug gestiegen. Die kleine Stadt lag im milden Frühlingslicht. Die schnurgerade Straße, die ins Zentrum führte, war von dicht belaubten Bäumen gesäumt . . .“  Bertram Sommer wartete auf den Neuen und wunderte sich: „Bisschen jung für den Job, oder?“ Und dann ohne eigenes Fahrzeug: „Wie wollen Sie denn hier  . . .?“ Aber Sommer war das egal, er wollte weg.

Er hatte drei Jahre lang als Lokalredakteur der „Kreiszeitung“ in Blaubeuren gearbeitet und hatte nun eine Anstellung als Texter in einer kleinen Ulmer Werbeagentur in Ulm angenommen. Ein „schlauer Posten“ aber sei das in Blaubeuren, sagten die Kollegen über Sommer in der Zentrale: „Ab und zu einen Artikel für die Landkreisseiten abliefern, gemütliche Dienstwohnung direkt über der Redaktion und der Geschäftsstelle. Und was er schreibt, diktiert ihm der Bürgermeister. Deshalb ist er auch so wohl gelitten im Rathaus.“  Na ja, Christian Ebinger hat dann andere Ziele – und findet auch Themen, die die Stadt und das Umland aufwühlen.

Die „Lehrjahre“ sind ein autobiografischer Entwicklungsroman. Und auch ein Buch über das Zeitungsmachen. Die Huby-Fangemeinde freut sich über das Buch, und die Blaubeurer und Ulmer werden darin nach Anspielungen und wahren Begebenheiten suchen. Und es tauchen viele Bekannte auf, nicht zuletzt auch Theo Dentler, der damals am Blautopf sein Theater betrieb. Oder auch Rudolf Dentler, der Goldschmied. Die Leser müssen aber noch warten bis in den Spätsommer. Ulmer Themen und Ulmer Autoren haben einen gewichtigen Platz im Verlagsprogramm von Klöpfer & Meyer. So erscheinen dort Gedichtbände der Ulmer Lyrikerinnen Tina Stroheker, Eva Christina Zeller und Christine Langer. Aber Ende Juli kommt auch ein neuer Roman der 1967 in Ulm geborenen und in Neu-Ulm lebenden Silke Knäpper heraus: „Hofkind“. Ihr Debütroman „Im November blüht kein Raps“, 2012 veröffentlicht, hatte überregional sehr gute Kritiken erhalten, jetzt folgt ein weiteres Stück Familiengeschichte, „rückblickend erzählt aus der Sicht einer jungen Frau: ein subtiles Geflecht aus Abhängigkeiten und Verwundungen, das die Familie in ihrer Brüchigkeit als Konstrukt und ihre Untiefen offen legt“.

Vielleicht erzählt Verleger Hubert Klöpfer dann auch davon, wenn er jetzt am Samstag nach Ulm zur Literaturwoche Donau kommt. Ins Venet-Haus bringt er allerdings seine Autorin Felicitas Andresen mit, die aus Hemmenhofen am Bodensee stammt. „Sex mit Hermann Hesse“ heißt deren witzige Prosa. Verleger Klöpfer hat zumindest eine Beziehung zu Ulm.

Literaturwoche Donau

Lesung und Musik „Schluss mit Hesse!“: Die  Literaturwoche Donau endet am Samstag, 18 Uhr, mit einem  Literaturfest und „Lesehäppchen“ aus zehn Büchern im Venet-Haus. Um 19 Uhr berichtet der Verleger Hubert Klöpfer aus über 30 Verlagsjahren, seine Autorin Felicitas Andresen liest aus ihrem Erfolgsroman „Sex mit Hermann Hesse“. Ab 21 Uhr spielt die junge Band Knulp. Sie ist benannt nach dem  sympathischen Landstreicher aus Hermann Hesses gleichnamigen Roman. Das Singer/Songwriter-Duo Marco Moritz und Marcus Molière bietet Folk und Seefahrtromantik zwischen Lemmy Kilmister und Bing Crosby.

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Kommentare

05.05.2016 15:20 Uhr

Tiefer Einblick

Wegen der jedweder menschlichen Gemeinschaft innewohnenden Eigenlogik (Wittke, V., 1996: 69, Univ., Diss., Göttingen), die stets von universalem Charakter ist, macht es keinen Unterschied, ob die Hauptfigur in Felix Hubys autobiographischem Entwicklungsroman für "Das Blaumännle" in Blaubeuren schreibt oder für die in London erscheinende "Times" arbeitet, geschweige denn als Berichterstatter der "New York Times" fungiert. Insofern also sämtliche Ereignisse an den jeweiligen Orten ausnahmslos demselben kategorischen Imperativ alles Sozialen zwingend folgen, bietet Hubys Beschreibung der Tätigkeit eines Lokalredakteurs am Rande der Schwäbischen Alb genügend tiefen Einblick in das, was die Welt in ihrem Innersten zusammenhält; allerdings nur für den, "der lesen möchte und die Mittel dazu hat" (Derrida).

P. S.: Für mich als Wissenschaftler, der erklärtermaßen weder Schriftsteller noch Journalist sein will und kann, ergibt es übrigens keinen Sinn, wenn hier im Leserforum der SÜDWEST PRESSE Dritte meinen Stil, Texte zu verfassen, inzwischen mehrfach wiederholt kritisieren, indem mir etwa vermeintliches "Geschwurbel" oder, wie erst jüngst vor wenigen Tagen, künstlerisch wertlose "Wortkreationen" vorgeworfen werden; so, als ob ich mich zuvörderst mit Literaturnobelpreisträgern zu messen hätte und nicht bloß der notwendigen Erkenntnisgewinnung verpflichtet wäre. Genauso unsinnig bleibt deshalb auch, mir das offensichtlich vergiftete Lob auszusprechen, weil ich einen Sachverhalt angeblich "in besonders schönen Worten" geschildert habe.

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