Federleicht: Neue Ausstellung im Museum Villa Rot

Innerhalb weniger Wochen hat Marco Hompes, neuer Chef des Museums Villa Rot, seine erste Ausstellung gezaubert: „Das geheime Leben der Dinge“.

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Falls jemand Zauberstäbe sucht: Die gibt’s jetzt im Museum Villa Rot zu kaufen. Zur Presseführung lag der Bauchladen mit den Holzstäbchen zwar noch still auf seinem Podest, aber wenn die Ausstellung jetzt eröffnet ist, soll ein Mitarbeiter herumlaufen und Antoanetta Marinovs magische Produkte feilbieten. Ein bisschen was kosten tun sie natürlich schon, denn dass sie funktionieren, hat der Chef des Hauses gerade bewiesen. Marco Hompes, vormals Mitarbeiter am Ulmer Museum und erst in diesem Moment offiziell neuer Leiter des Museums Villa Rot, hat innerhalb weniger Wochen seine erste Ausstellung aus dem Hut gezaubert: „Das geheime Leben der Dinge“.

„Ich kenn’ halt ein paar Künstler und ich habe viele Ausstellungsideen, die kann ich jetzt auspacken“, sagt Marco Hompes. Er ist gerade mal Anfang 30, vermittelt aber den Eindruck, als verspürte er nicht den geringsten Druck. Und so wirkt auch sein kuratorischer Einstand von leichter Hand gestaltet und von feinem Humor getragen.

Kluge Einzelschau

Das beginnt schon im Anbau, wo der Schwede Magnus Thierfelder eine schwerelos wirkende, kluge Einzelschau gestaltet hat. Da balanciert ein Hocker einbeinig auf dem anderen („Awaiting Change“), hat sich eine Pflanze aus ihrem Topf befreit und klebt nun samt Wurzelwerk an der Decke. Aus dem Türspalt zum Notausgang spitzt ein Artikel mit der Aufschrift „Anxiety rises“, und wer weiß, dass der Nagel-Regen an der Wand „A rain from the right“ heißt, der hört die dringende politische Warnung. Vorerst heißt es: „Ruhig bleiben und Lage sondieren“, so empfiehlt es der Glückskeks-Zettel unter einem Pappkarton, der mit einem Stäbchen aufgebockt und damit in Schieflage gebracht ist. Solche prekären Zwischenzustände interessieren Thierfelder. Momente des Innehaltens, in denen sich der Blick auf die Dinge leicht verschiebt, der Klang der Regentropfen physische Gestalt annimmt.

Ansonsten zeigt „Feminist“ Marco Hompes mehrheitlich Frauen in seiner Gruppenausstellung, was auch so beabsichtigt ist, haben Künstlerinnen es doch bis heute schwerer auf dem Kunstmarkt. Umso federleichter präsentieren sie sich hier. Anja Luithle zum Beispiel lässt ein feuerrotes Ballkleid vibrieren – vor Lust oder Angst, man weiß es nicht –, während sich im Eingang eine Krawatte wie eine riesige Zunge aus- und wieder einrollt. Renate Koch hält in der Nische einen „Fellschreiber“ als Haustier, das Zeichnungen ververfertigt und ihre „electric cat“, ein Stück Teppich an Schnüren, bewegt sich auf Knopfdruck in katzenhafter Weise.

Myriam Thyes ist wohl die einzige, die sehen kann, was ein Boulevardblatt wie der Schweizer „Blick“ mit den Abnehmern anstellt. In ihrem Video bekommt jeder, der es anfasst, sofort allergische Flecken. Und die Koreanerin Hyunjeong Ko hat Gläser zu einem Windspiel arrangiert, das manchmal vom schrillen Lärm zerschnitten wird, wenn eins der Gläser zerbricht.

Manche Dinge erzählen ihre Geschichte mit Drama: So Guido Weggenmanns „Olga“, eine riesige Bürste aus der Autowaschanlage, die alle Stunde ihre Pirouetten drehen darf. Andere behalten ihr Geheimnis: In den täuschend realistisch gemalten Bildern der Zwillingsschwestern Maria und Natalia Petschatnikov lassen „Other People’s Things“, Fundstücke von Flohmärkten, tausend Geschichten ahnen und wahren zugleich die Diskretion.

Ausstellung „Das geheime Leben der Dinge“ mit Werken von zehn Künstlerinnen und Künstlern und der Einzelschau von Magnus Thierfelder in der Halle ist noch bis zum 2. Juli im Museum Villa Rot in Burgrieden/Rot (Schlossweg 2) zu sehen. Öffnungszeiten sind jeweils Mi-Sa 14-17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11-17 Uhr. www.villa-rot.de

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