Fastenzeit - Theologisches Schönrechnen

Die Fastenzeit - für die einen dauert sie 40 Tage. Andererseits gibt es die Aktion "Sieben Wochen ohne", was 49 Tage sind. Was stimmt nun?

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Am Aschermittwoch hat die Fastenzeit begonnen. Und an Ostern ist sie zu Ende, das steht zweifelsohne fest. Doch wie sich die Anzahl der Tage der Zeitspanne des Verzichts berechnet, verwirrt den, der zu zählen beginnt. Denn in kirchlichen Kreisen ist von der traditionell 40-tägigen Fastenzeit die Rede. Aber am Kalender abgezählt würde diese Rechnung bedeuten, dass die Zeitspanne am Palmsonntag zu Ende wäre - zu früh, das ist eine ganze Woche vor Ostern. Kann also nicht sein.

Die von der evangelischen Kirche ins Leben gerufene Aktion "Sieben Wochen ohne" verlängert die Zeitspanne - und schießt mit 49 Tagen ihrerseits übers Ziel hinaus. Denn von Aschermittwoch bis Karfreitag sind es am Kalender 46 Tage.

Wie lässt sich die Fastenzeit liturgisch korrekt und arithmetisch richtig berechnen? Bei der Frage räumt Dr. Wolfgang Steffel, Referent des katholischen Dekanats Ehingen/Ulm, ein, dass es sich um einen Fall von Schönrechnerei handelt: "Da wurden die Zahlen zurechtgebogen."

Des Rätsels Lösung lautet: 40 plus 6. Die 40 ist laut Steffel in der Bibel eine Symbolzahl, für eine "Zeit der Not, der Entbehrung und Prüfung": 40 Tage und Nächte dauerte die Sintflut, 40 Jahre dauerte die Wanderung des Volkes Israel durch die Wüste ins gelobte Land, 40 Tage im Voraus kündigte der Prophet Jona den Untergang der Stadt Ninive an. Und zugleich sind 40 Tage in der Bibel "die Zeitspanne für etwas Besonderes", berichtet der Dekanatsreferent: So lange weilte Moses auf dem Berg Sinai, als er die Gesetzestafeln mit den zehn Geboten erhielt; so lange fastete Jesus in der Wüste, als Vorbereitung auf sein öffentliches Wirken.

Doch in der Wüste des Verzichts gibt es Oasen: die sechs Sonntage. "Die sind vom Fasten ausgeschlossen", erklärt Steffel. Theologisch gedeutet als Tage des Herrn oder Tage der Auferstehung. Für den Dekanatsreferenten sind das "schöne Signale". "Sie richten sich gegen Leistungs-Fasten oder Leistungs-Frömmigkeit: Der Glaube hängt nicht an der Härte des Fastens oder der Länge der Gebete." Stattdessen zeigten die Unterbrechungen, dass niemand sich oder Gott etwas beweisen müsse. Also ist jeder Sonntag vom Verzicht ausgenommen.

Schon bei der Kirchenlehrerin Theresa von Avila heißt es: "Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn; wenn fasten, dann fasten." In diesem Sinn sind alle christlich Fastenden morgen frei, den Sonntagsbraten mit einem guten Glas Wein mit gutem Gewissen zu genießen. Theologisch völlig korrekt.

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