Farbenspiel mit der Jungen Philharmonie

Mit schier endlosem Beifall wurden Schubert, Dvorak und die Junge Philharmonie Schwaben im fast vollen Kornhaus gefeiert.

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Oben spielen Papa und Töchterlein, unten trampeln Mama und Sohnemann. Oder umgekehrt. Und Omaopa freuen sich mit, Ehrensache. Eigentlich sind die jährlichen Kornhaus-Konzerte der 1988 von Rudolf Spindler gegründeten Jungen Philharmonie Schwaben verkappte Familienfeste, fröhliche Treffpunkte von teilweise weither gereisten Freunden aus der Humboldt-Schulzeit.

Manches hat schon Tradition, wie etwa die beiden Konzerte in Ottobeuren und Ulm, und die - vom Orchester gesungene - Zugabe, diesmal, berührend schön, das im Dvorakschen Adagio-Satz zitierte innige Lied. Oder die lobenswerte Zusammenarbeit mit Grundschul-Kindern, diesmal mit Schülern der Meinloh-Schule Söflingen, die von ihrer Lehrerin Viola Maier, die im Orchester tatsächlich Viola spielt, in das Geheimnis des ersten Schubert-Satzes eingeweiht wurden. Ihre ausdrucksvollen Bilder konnte man im Foyer bestaunen: das "ängstliche" Thema in tiefem Schwarz, das "fröhliche" in leuchtendem Orange und das "Wut"- oder "Erschrecker"-Thema in kräftigem Rotschwarz. Lauter gemalte Gefühle, einfach toll.

In diesem Jahr hatte sich die Junge Philharmonie Schwaben ein äußerst anspruchsvolles Programm zugemutet: Schuberts vollkommene "Unvollendete" und Dvoraks hochromantisches Cello-Konzert - große Werke, an denen sich selbst Routiniers die Zähne ausbeißen. Aber was soll"s. Es geht bei diesen Konzerten der rund 60 (vorwiegend Laien-)Musiker nicht darum, eine detailliert ausgefeilte Interpretation einzufordern, sondern bewundernd zu registrieren, wozu Liebe zur Musik befähigt. Nämlich zu elanvollem und empfindungsstarkem Musizieren, inklusive kleiner Schwächen, die den geübten Spielern am wenigsten entgehen.

Beim Dirigenten Wolfgang Erber wirkt sich die Liebe geradezu verjüngend aus, so munter sprang er aufs Podest, so temperamentvoll trieb er seine Musiker an, so kraftstrotzend erstürmte er die Fortissimo-Gipfel. Schuberts h-Moll-Sinfonie geriet ihm eher zum heftig wütenden Drama denn zu wehmütiger Sehnsuchtsmusik, Dvoraks melodienseliges h-Moll-Konzert verwandelte er in eine Sinfonie mit obligatem Cello. Nichtsdestotrotz konnte Juris Teichmanis mit schönem, hellen Celloton, feiner Emotion und Brillanz überzeugen. Beifallsalven einer großen Familie und ihrer Gäste.

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