Fall Mollath: Uni Ulm prüft Plagiats-Vorwurf

Mollath-Gutachter Dr. Klaus Leipziger wird vorgeworfen, plagiiert zu haben. Die Uni Ulm prüft jetzt seine Dissertation, er hat 1999 in Ulm promoviert.

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Für Martin Heidingsfelder ist die Sachlage klar: "Plagiate in der Form habe ich noch nie gesehen. Das ist extrem", sagt der Nürnberger Plagiatssucher von vroniplag.de über die Dissertation des Mollath-Gutachters Dr. Klaus Leipziger. Der Chefarzt der Klinik für Forensische Psychiatrie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth habe in seiner Promotionsarbeit ganze Textteile anderer Wissenschaftler "fast unverändert" übernommen und nicht als Zitate gekennzeichnet, kritisiert Heidingsfelder, der diesen "massiven Plagiatsfall" in den vergangenen Tagen der Universität Ulm anzeigte. Leipziger hat als externer Doktorand an der Medizinischen Fakultät der Uni Ulm promoviert; der Psychiater war durch seine Rolle im Fall Mollath in den Fokus der Plagiatsjäger geraten. Der heute 60-Jährige hatte durch seine Gutachten dafür gesorgt, dass der Anfang der Woche freigelassene Gustl Mollath in die Psychiatrie eingewiesen und dort über Jahre festgehalten wurde.

Prof. Thomas Wirth bestätigte den Eingang der Anzeige gegen Leipziger. "Zunächst wird jetzt überprüft, inwieweit die Vorwürfe zutreffen", sagte der Dekan der Medizinischen Fakultät der Uni Ulm. Bestätige sich der Anfangsverdacht, werde sich daraufhin die Senatskommission "Verantwortung in der Wissenschaft" mit dem Fall befassen, die dann von sich aus Gutachter bestelle und den Verfasser der Doktorarbeit anhöre. "Die Kommission wiederum gibt dann eine Empfehlung ab", fasst Wirth das Verfahren zusammen. Er warnt vor einer Vorverurteilung, macht aber auch deutlich, "dass wir den Doktortitel abnehmen, wenn sich nach seriöser Prüfung die Vorwürfe bestätigen sollten". Leipziger selber sagte gestern auf Anfrage, dass er "selbstverständlich damit einverstanden ist, wenn die Universität Ulm meine Arbeit prüft". Er werde mit der Universität kooperieren.

Laut Uni-Präsident Karl Joachim Ebeling wird sich zunächst Prof. Lina Wiesmüller als Ombudsfrau mit den Vorwürfen gegen Leipziger beschäftigen. Die Uni müsse sich mit zwei bis drei Plagiatsfällen pro Jahr auseinandersetzen, "das sind relativ wenige, die Doktorarbeit Leipzigers ist wohl der spektakulärste wegen des Falls Mollath".

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Kommentare

09.08.2013 21:59 Uhr

Ui ...!!

Wenn man wegen des Verdachts, Reifen zerstochen zu haben, als gemeingefährlich eingestuft werden kann, ist man aufgrund erschlichener Kompetenz, Verdächtige tatsächlich für gemeingefährlich zu erklären und jahrelang wegzusperren, gemeingefährlich. Um das zu erkennen, muß nicht mal mehr ein Gutachten her.

Und wenn Richter das anders sehen, muß zumindest überprüft werden, was solche Richter sich in ihrer bisherigen Laufbahn schon alles geleistet haben. Informiert man "Hingerichtete" über ihre Rechte, so wie es DAS WICHTIGSTE BÜRGERRECHT ermöglicht, ist das auch relativ einfach. Denn die wenigsten haben auf ihrem Rechtsweg erfahren, um welche Rechte es geht und was möglich ist, um so viel Recht zu bekommen wie sie tatsächlich haben ...

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09.08.2013 06:57 Uhr

Fall Mollath

Jawohl so sollte man die Herren und Damen von ihrem hohen Ross auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Bitte auch mal bei Frau Merk nachschauen und dem Hausarzt von Mollath´s Ex usw.
damit sie mal spüren wie sie mit anderen Menschen umgehen und ihnen antun.

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Themenschwerpunkt

Der Fall Mollath

Jahrelang saß Gustl Mollath nach einem umstrittenen Gerichtsurteil in der Psychiatrie. Für die bayerische Justiz galt er als wahnsinnig und gefährlich für die Allgemeinheit. Seit August 2013 ist Mollath frei, der Prozess wird neu aufgerollt.

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