Lebensmittel: Fairer und regionaler statt schneller und billiger

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Fairer, regionaler und saisonaler statt schneller, billiger und globaler: Das ist die Botschaft des Kreislandfrauenverbands und des Fachdienstes Hauswirtschaft des Landratsamtes im Alb-Donau-Kreis. In einer gemeinsamen Ausstellung in den Räumen der Sparkasse Ulm in der Neuen Mitte wollen sie unter dem Titel „Make Food Fair“ Lust auf heimische Lebensmittel machen und zur Vorratshaltung animieren. Die Ausstellung ist noch bis zum 1. März täglich geöffnet.

Genuss pur

„Traditionelle Konservierungsmethoden sind hervorragend geeignet, um Obst und Gemüse haltbar zu machen“, wirbt die Vorsitzende des Kreislandfrauenverbands Renate Wolf: „Selbst Eingemachtes ist etwas ganz Besonderes und Genuss pur.“ Hier wisse man, was drin sei. Wer sich die Zeit nehme und die Ernte aus dem eigenen Garten entsprechend verarbeite, erhalte süße und herzhafte Delikatessen von Marmeladen über Säfte und Nektare bis hin zu saurem Gemüse aller Art.

Auf welch vielfältige Art und Weise heimische Produkte verarbeitet werden können, zeigt die Ausstellung in der Sparkasse in Ulms Neuer Mitte am Beispiel des Apfels. In Scheiben geschnitten und gedörrt schmeckt er als Apfelchips, mit Zimt bestreut mundet er als Apfelkompott oder auch als Apfelmus. Als Apfelgelee ist er ein leckerer Brotaufstrich. Und wer mag, kann selbst einen gerührten Apfelkuchen im Einweckglas lange haltbar machen.

Entsprechend angelegte Vorräte machen dabei nicht nur in der Speisefolge unabhängig, wenn es einmal schnell gehen muss, sondern sparen laut Wolf auch noch bares Geld: „Gerade heimisches Obst gibt es in vielen Fällen zum Schleuderpreis“, weiß sie, und führt als Beleg an, dass Jahr für Jahr dutzende Streuobstbäume nicht abgeerntet werden. Zu klein, zu wenig perfekt in Form und Farbe, zu wenig wirtschaftlich seien die Früchte der immer weniger werdenden Streuobstwiesen.

„Der Einzelhandel hat strenge Normen.“ Was optisch nicht überzeugt, sei günstig zu haben – aber dabei nicht weniger gesund und gut im Geschmack. Hier wollen die Kreislandfrauen ansetzen: „Wir wollen zeigen, dass es sich lohnt, einen Apfelbaum oder einen Beerenstrauch abzuernten“, erklärt Wolf. Vor allem Beeren aus dem eigenen Garten benötigen meist nur wenig Pflegeaufwand. Entsprechende Sträucher zu pflanzen und später die Früchte der eigenen Arbeit zu ernten nennt die Vorsitzende „ein Erlebnis für die ganze Familie“.

Beim Einkauf im Supermarkt gelte es, regional und saisonal einzukaufen und Wert auf fair gehandelte Produkte zu legen – nicht nur bei Kaffee und Schokolade. „Wo kaufe ich ein? Erhält der Erzeuger einen Preis, von dem er vernünftig leben kann?“, formuliert Renate Wolf die Fragen, die sich Verbraucher beim Einkauf auch stellen sollten. Allerdings sei das nicht immer leicht zu erkennen, gibt sie zu. Wenn allerdings ein Pfund Hackfleisch nur 99 Cent koste, könne das nicht sein. „Das wird dann weder dem Tierschutz noch dem Erzeuger gerecht.“

Gezielt einkaufen

Damit ein gutes Essen aus fairen Produkten tatsächlich zum Genuss wird, rät der Fachdienst Hauswirtschaft des Landratsamtes im Alb-Donau-Kreis dazu, gezielt einmal pro Woche einzukaufen. „Kochen und backen Sie auf Vorrat, planen Sie einen Restetag ein“, heißt es in den Empfehlungen, die ebenfalls im Zuge der Ausstellung in der Sparkasse zu sehen sind. Und: „Kochen Sie saisonal“: Jetzt im Winter seien unter anderem Karotten, Kraut, Fenchel, Rote Beete, Kohl und Schwarzwurzeln als Beilagen optimal.

Weitere Genuss-Ideen wollen die Kreislandfrauen Ulm am heutigen Freitag der Öffentlichkeit vorstellen: Unter dem Titel „Unsere Nahrungsmittel – fair und nachhaltig konsumieren“ lädt der Verein anlässlich seines 50-jährigen Bestehens zu einem Stehempfang mit musikalischer Umrahmung sowie zu zwei Kurzvorträgen namhafter Referenten ein. Beginn ist um 19 Uhr in den Räumen der Sparkasse Ulm in der Neuen Mitte. Die Vorträge beginnen um 20 Uhr.

Jubiläum

1967 haben sich die elf Landfrauenvereine Albeck/Göttingen, Altheim (Alb), Asselfingen, Ballendorf, Börslingen, Langenau, Neenstetten, Ulm, Urspring, Weidenstetten und Westerstetten zum Kreislandfrauenverband Ulm (KLV) zusammengeschlossen. Heute zählt der Verband mehr als 2000 Mitglieder in 27 Ortsvereinen. Mit einer breiten Palette an Informations- und Bildungsveranstaltungen richtet sich der Kreislandfrauenverband an interessierte Frauen jeden Alters.

Angebot

Das aktuelle Bildungsprogramm umfasst unter der Überschrift „Weichen stellen für morgen“ unter anderem Abende mit Tipps zur Gestaltung eines ansprechenden Flyers für Verein oder Betrieb und zum Brotbacken aus Urteig, aber auch Englischkurse, eine Ausfahrt in das Elsass und eine Einführung in häusliche Pflege mit Schwerpunkt Schlaganfallpatienten. Für Bäuerinnen werden Hofübergabeseminare und ein Tag zu neuen Wegen in der Direktvermarktung mit Social Media angeboten. „Wir sind sehr breit aufgestellt“, sagt die Vorsitzende Renate Wolf.

Ziele Mit seiner Arbeit will der Kreislandfrauenverband Ulm die Situation der Frauen und ihrer Familien im ländlichen Raum verbessern, die Lebensqualität auf dem Land erhalten, die Wertschätzung der heimischen Landwirtschaft fördern und Brücken schlagen zwischen Generationen, zwischen Stadt und Land und auch zwischen den Kulturen.

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