Fahrrad-Umfrage: Ulm liegt bundesweit auf Platz acht

Ulm und Neu-Ulm beginnen, fahrradfreundlich zu werden. Das hat eine Umfrage unter insgesamt 305 Radlern ergeben. Damit liegt Ulm bundesweit unter 42 Städten auf Platz acht - trotz einer langen Mängelliste.

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Ulm - Fahrradfahrer  Foto: 

In Ulm und in Neu-Ulm sind die Radwege gut beschildert, das Stadtzentrum ist gut zu erreichen, und Radler dürfen Einbahnstraßen in der Gegenrichtung befahren. Diesen drei Kriterien haben insgesamt 305 Radfahrer Noten zwischen 2,3 und 2,7 gegeben. Das ist der Auswertung des so genannten bundesweiten Fahrradklima-Tests des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) zu entnehmen.

Der ADFC ist ein Umweltverein, der sich für eine "ökologisch vernünftige und menschengerechte" Verkehrspolitik einsetzt, die konsequent das Radfahren fördert. In der Ulmer Region ist der Club bereits seit 32 Jahren aktiv und sei es mit einem jährlichen Fahrrad-Gebrauchtmarkt auf dem Judenhof und mit etlichen Radtouren in die nahe und ferne Umgebung (siehe nebenstehenden Bericht).

Im Oktober und November vergangenen Jahres hatte der ADFC bundesweit mehr als 80 000 Radler befragt: Wie fahrradfreundlich ist Ihre Stadt? Die insgesamt 27 Fragen bewegten sich in den Bereichen Fahrrad- und Verkehrsklima, Stellenwert des Radverkehrs, Sicherheit und Komfort beim Radfahren sowie Infrastruktur Radverkehrsnetz. Aus Ulm nahmen 175 Radler per Fragebogen oder online an der Umfrage teil. In Neu-Ulm waren es 130. Dazu aufgerufen worden waren sie über Plakate und Flyer, in Mitgliederzeitschriften und über die Medien.

In der Gruppe der Stadtgröße 100 000 bis 200 000 Einwohner erreichte Ulm bundesweit mit der Durchschnittsnote von 3,6 einen achten Platz unter 42 vergleichbar großen Städten. Neu-Ulm kam in seiner Größenordnung unter 100 000 Einwohner mit der Note 3,7 immerhin auf Platz 101 von 253 bewerteten Städten. Gefördert wurde der Test unter anderem vom Bundesverkehrsministerium. Die Erhebung und Auswertung der Daten hat das Bonner Infas-Institut für Sozialforschung übernommen.

"Ulm hat einen beachtlichen achten Platz errungen, zumal die Stadt nach vier Anläufen erstmals bei dem Test dabei sein durfte, weil die Mindestzahl von 75 Teilnehmern endlich erreicht wurde." Das ist die Einschätzung von Katrin Voss-Lubert, Pressesprecherin des Ulmer ADFC. Sie führt die erhöhte Bereitschaft, Fragebögen auszufüllen, auf das Aktionsbündnis "Fahr-Rad in Ulm" zurück, das vor gut zwei Jahren gegründet wurde. Zu den Partnern gehören neben der Stadt und dem ADFC beispielsweise das Ulmer City-Marketing, die Stadtwerke, die IHK und die Polizei.

Seit es auch noch zwei städtische und zudem sehr engagierte Fahrradbeauftragte gibt, nehme das Bewusstsein für das Zukunftsmodell Fahrradstadt Ulm zu, sagt Katrin Voss-Lubert. Wie berichtet, hat sich das Bündnis zum Ziel gesetzt, 2020 in Ulm einen Radfahreranteil von 20 Prozent am Gesamtverkehrsaufkommen zu haben. Derzeit sind es nach wie vor nur elf Prozent.

Kritisiert haben die 305 Ulmer und Neu-Ulmer Radler unter anderem: auf Radwegen parkende Autos und einen unzureichenden Winterdienst, etliche hinderliche Ampelschaltungen, die mangelhafte Wegweisung an Baustellen, die Unterordnung im Mischverkehr, die ungenügende Breite mancher Radwege sowie das Fehlen eines Fahrradverleihsystems. Bei all diesen Punkten lagen die Noten zwischen ausreichend und mangelhaft.

Wieso wird die Gesamtnote von 3,6 dann als so positiv eingestuft? "Weil alle Städte so um die Note ,befriedigend herumdümpeln", sagt Katrin Voss-Lubert. Erlangen liege selbst mit 3,1 auf Platz eins. Denn: Seit dem letzten Klimatest von 2005 hätten sich die Noten insgesamt verschlechtert, weil die Fahrradfahrer in allen Städten immer anspruchsvoller würden. "Sie möchten als Verkehrsteilnehmer endlich voll akzeptiert werden."

In Ulm wollen sie das beispielsweise in der Frauen-, in der Olga- und in der Friedrich-Ebert-Straße, entnimmt Christof Hofmann einer aktuellen Mängelliste. Der Vorsitzende der ADFC-Gruppe Ulm/Alb-Donau hat dort 50 Kritikpunkte allein fürs Innenstadtgebiet aufgelistet, die nach und nach abgearbeitet werden müssten. Aber dazu reiche der Jahresetat für den Ulmer Radverkehr in Höhe von 200 000 Euro noch lange nicht aus. Hofmann: Das Ziel Fahrradstadt Ulm müsse viel intensiver verfolgt werden, "solange die Stimmung unter unseren Fahrradfahrern so gut ist."

Von solch einer Aufbruchsstimmung kann Walter Radtke, der Vorsitzende der ADFC-Gruppe Neu-Ulm, nur träumen. Die Stadt Neu-Ulm sei zwar am Verkehrsentwicklungsplan der beiden Städte beteiligt, habe sich aber bisher nur - wenn auch sehr zufriedenstellend - um Radwege und deren Beschilderung gekümmert. "Ansonsten fehlt es aber noch gravierend an einer Infrastruktur." Die Fahrradabstellanlagen beispielsweise beim Landratsamt und beim Rathaus seien völlig veraltet und insgesamt "beschämend", kritisiert Radtke.

Ulm habe immerhin das Ziel, in sieben Jahren bei 20 Prozent Radleranteil im Stadtverkehr zu sein, Neu-Ulm habe gar keine Perspektive oder Philosophie. Dort seien lediglich von den 159 Punkten des Radverkehrskonzeptes aus dem Jahr 2006 einige Mängel bezüglich Radwegebau abgearbeitet worden. "Das reicht aber nicht." Der Vorsitzende, der selbst von März bis Oktober etliche Radtouren führt, kann es nicht verstehen, "dass Neu-Ulm sich Ulm nicht anschließt". Dabei habe es die bayerische Nachbarstadt doch viel leichter mit ihrer weithin ebenen Topographie.

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