Extrembergsteiger begeistern mit Vortrag im Ulmer Kornhaus

Warum klettern zwei Menschen unter höchster Mühsal auf sämtliche Achttausender? Einblicke in ihre Erlebniswelt haben die Bergsteiger Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits im Kornhaus gewährt.

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    Die Extrembergsteiger Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits berichteten eindrucksvoll von ihren Touren und ihren Gipfelglücksmomenten. Foto: 
  • Die Extrembergsteiger Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits berichteten im vollbesetzten Kornhaus eindrucksvoll von ihren Touren und ihren Gipfelglücksmomenten. Foto: Sophie Krauss 2/2
    Die Extrembergsteiger Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits berichteten im vollbesetzten Kornhaus eindrucksvoll von ihren Touren und ihren Gipfelglücksmomenten. Foto: Sophie Krauss
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Es war ein inniger Kuss auf 8516 Metern Höhe. Am 20. Mai 2009 fielen sich Ralf Dujmovits und Gerlinde Kaltenbrunner auf dem Gipfel des Lhotse in die Arme. Für den inzwischen 51-Jährigen war der vierthöchste Berg der Welt der 14. und letzte Achttausender. Das ist noch keinem deutschen Bergsteiger gelungen. Seine Frau - seit 2007 sind beide verheiratet - hatte zehn Höhenmeter unter dem Gipfel bei minus 30 Grad im eisigen Sturm eine Dreiviertelstunde ausgeharrt, um gemeinsam das Gipfelglück auszukosten.

Gut zwei Jahre später: 23. August 2011. Um 18.18 Uhr steht die Oberösterreicherin auf dem K 2 (8611 m) und sagt mit tränenerstickter Stimme: "Ich bin so glücklich, es ist einfach überwältigend." Während Dujmovits die Tour abgebrochen hatte ("Mein Bauchgefühl hat mir gesagt: Lass es sein! Außerdem war ich schon oben"), hat die inzwischen 42-Jährige damit als erste Frau sämtliche 14 Achttausender ohne die Zuhilfenahme von künstlichem Sauerstoff bestiegen.

Das waren zwei der aufwühlendsten emotionalen Momente, mit denen das große Begeisterung ausstrahlende Bergsteiger-Paar die 600 Besucher - die letzten mussten gar mit Stehplätzen vorliebnehmen - bei seinem Multivisionsvortrag im vollbesetzten Kornhaus faszinierte. Es spricht für die Bescheidenheit des in Bühl im Schwarzwald lebenden Duos, dass sie die Einmaligkeit ihrer Leistungen an diesem Abend kein einziges Mal thematisierten. Das blieb hinterher Sigi Hupfauer vorbehalten.

"Die sind ganz große Klasse, das weltführende Paar. Sie sind Ausnahmeerscheinungen, die sich bestens ergänzen", sagte die 72-jährige Ulmer/Neu-Ulmer Bergsteiger-Legende, die selbst auf den Gipfeln von acht Achttausendern gestanden hat.

Das Spektrum des Vortrages reichte weit: von den jüngsten Unternehmungen am 6194 Meter hohen Mount McKinley in Alaska bei Mitternachtssonne und 40 Grad minus bis zu traumhaften Motiven im Königreich Mustang zwischen Nepal und Tibet, von acht- bis zehnstündigen Regenmärschen zur Carstenz-Pyramide (4884 Meter) in Indonesien bis zu Ritten auf dem Kamelrücken durch reißende kirgisische Gebirgsflüsse im Anmarsch zum K 2. "Die unendliche Weite spüren, ich kriege so viel Kraft und Energie von der Natur zurück", beschrieb Kaltenbrunner ihre Inspiration. Stets wirkt das Paar sympathisch, bodenständig, kein bisschen abgehoben - einfach authentisch.

Die zweite Hälfte des Vortrags - spannend wie ein Krimi - widmete sich dem K 2. Ein Schicksalsberg. 2010 war Kaltenbrunners schwedischer Begleiter Fredrik Ericsson auf 8300 Meter Höhe an ihr vorbei 1000 Meter in den Tod gestürzt. "Im ersten Moment ist alles stillgestanden. Das war der allertraurigste Abschied, den ich jemals von einem Basislager hatte", gestand die Profi-Bergsteigerin ein. Nach vielen Gesprächen unternahm sie 2011 dennoch ihren siebten Versuch. Unter unglaublich schwierigen Witterungsbedingungen wühlte sich ein Quartett schließlich durch bauchtiefen Neuschnee über den Nordpfeiler (Kletterei bis im fünften Grad) zum Gipfel durch - mehrfach dicht vor dem erneuten Scheitern. Im Basislager fiel sich das wiedervereinigte Paar in die Arme: "Erst da wusste ich, dass wir den K 2 geschafft haben."

Langanhaltender, herzlicher Applaus dankte den Top-Alpinisten nach ihrem ersten Vortrag im Ulmer Raum. Als Zugabe übergab Oliver Holbein vom Veranstalter, Sport-Sohn, einen Scheck über 2500 Euro an das Hilfsprojekt Nepalhilfe Beilngries, das von Kaltenbrunner/Dujmovits tatkräftig unterstützt wird: um den Menschen etwas zurückzugeben nach all dem Glück, das beide im Himalaya erfahren haben. Ralf Dujmovits: "Wir haben dort so viel mitnehmen dürfen." Die Ulmer Bergfans haben es gespürt.

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