Europa in Ulm spüren und verstehen

Seit Januar 2011 leitet Sabine Meigel das Donaubüro Ulm/Neu-Ulm. Einen Monat vor dem internationalen Donaufest, das sie erstmals federführend mitverantwortet, Fragen zu Positionen, Perspektiven, Personen.

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Sabine Meigel im Haus an der Donau vor Donaufest-Fahnen: "Ich bin total überzeugte Europäerin." Foto: Oliver Schulz

Frau Meigel, was macht eine Donaubüroleiterin eigentlich alles?

SABINE MEIGEL: Das Donaubüro deckt eine schöne Bandbreite ab, im Kern: Repräsentanz nach außen.

Was heißt das konkret?

MEIGEL: Das Donaubüro ist seit 2011 kein Projekt mehr, sondern eine Institution beider Städte. Es gilt jetzt, dass wir uns im Donaustrategie-Prozess etablieren.

Klingt auch noch sehr theoretisch.

MEIGEL: Ganz praktisch wollen wir verlässliche Partner sein innerhalb des Netzwerkes der Donaustädte und -regionen. Es gilt, die Vorhaben, die die Donaustrategie ermöglicht, mit Leben zu füllen.

Schwerpunkte?

MEIGEL: Die Förderung der Bereiche Kultur, Jugend in etablierten Camps und anderen Begegnungen, Neue Medien wie das erfolgreiche Donauportal, Hilfe beim Aufbau kommunaler Infrastrukturen. Es geht darum, Verwaltungskompetenzen zu stärken und Europa auf lokaler Ebene spürbar zu machen.

Aus Ihnen spricht - allen Krisen zum Trotz - eine überzeugte Europäerin.

MEIGEL: Eine total überzeugte. Was sind diese Krisen gegen die Chancen, die in der europäischen Einigung stecken?

Für Sie bedeutet das: Fulltime-Job?

MEIGEL: Eigentlich ja, aber ich arbeite in Teilzeit - 80 Prozent. Das geht nur, weil ich kompetente Mitarbeiterinnen habe - insgesamt haben wir eineinhalb Stellen - und engagierte Praktikanten. Und weil ein Team das Donaufest organisiert.

Ein typischer Arbeitstag . . .

MEIGEL . . . fängt um halb neun an. Vorausschicken muss ich, dass ich nicht dauernd unterwegs bin und nicht ständig in der Weltgeschichte herumreise. Wenn, dann in Blocks, um viele Gänge in einem zu erledigen. Am Normaltag werden zuerst E-Mails beantwortet, dann Fragen im Team geklärt. Es folgt, um heute als Beispiel zu nennen, ein Termin im Theater, um einen Kooperationsvertrag zu vereinbaren. Dann ist der Interview-Termin mit Ihnen, danach eine Besprechung mit der Marketinggruppe des Donaufestes. Nachmittags Klärung von Fragen mit dem Polizeidirektor, abends Anwohnerversammlung am Markplatz mit den Bürgerdiensten.

Was fasziniert Sie an der Donau?

MEIGEL: Ich bin in Ulm aufgewachsen, war Leistungsschwimmerin beim SSV 1846, bei jedem Nabada dabei. Daher die Beziehung zum Wasser und zur Donau. Innerhalb Europas nimmt die Donau eine herausragende Stellung ein.

Wie meinen Sie das?

MEIGEL: Sie fließt von Westen nach Osten, steht als Symbol für die Öffnung nach Osten und verbindet unterschiedliche Kulturen miteinander. Sie steht für die Fragen des Balkans mit Nationalismus, Armut, Arbeitslosigkeit, also die großen gesellschaftlichen Herausforderungen im vereinten Europa, das andererseits Garant für Frieden und Freiheit ist.

Sie sind Nachfolgerin Peter Langers, der eine schillernde öffentliche Figur ist. Was machen Sie anders?

MEIGEL: Ich möchte ihn nicht kopieren. Ich versuche, das Donaubüro auf meine Art im Bewusstsein zu verankern, indem die Donauaktivitäten - personenunabhängiger - für breite Bevölkerungsschichten erfahrbar werden. Sichtbar wird dies in Veranstaltungen, die wir immer in Kooperation mit einem oder zwei Partnern machen. Das Bewusstsein fürs Zusammenwirken gipfelt im Donaufest: 2012 haben wir 30 Kooperationen über die 700 Bürger aktiv eingebunden sind.

Ihr Verhältnis zu Ihrem Vorgänger, der jetzt als Donaubeauftragter beiden Oberbürgermeistern direkt unterstellt ist, war nicht immer spannungsfrei. Wie ist es jetzt?

MEIGEL: Wir arbeiten mit ihm zusammen wie mit anderen städtischen Abteilungen. Wir treffen uns regelmäßig, tauschen Informationen aus, treffen Absprachen. Die professionelle Ebene ist wichtig, es muss immer um die Sache gehen.

Wie läufts mit der durch private Initiative getragenen Europäischen Donau-Akademie EDA?

MEIGEL: Die EDA ist eine der vielen Initiativen, mit der wir zusammenarbeiten. Ob privat oder städtisch, ist egal. Derzeit kooperieren wir im Literaturbereich, was zu einem hervorragenden Literaturprogramm beim Donaufest geführt hat. Die EDA ist eine Säule der Donauarbeit.

Am 6. Juli beginnt das achte Donaufest. Es ist das erste ohne Peter Langer als Leiter. Was wird anders?

MEIGEL: Wir waren alle der Meinung, dass das Donaufest auf eine breitere personelle Basis gestellt werden sollte. Dies gilt sowohl für die Organisation im Team als auch für die bereits angesprochenen Kooperationen mit lokalen Organisationen. Einen neuen politischen Akzent setzt, dass der Freistaat Bayern das Fest erstmals finanziell fördert.

In welcher Größenordnung?

MEIGEL: In respektabler, aber über Geld im Detail rede ich öffentlich nicht. Jedenfalls werden dadurch Jugendbegegnungen ermöglicht.

Was ist sonst noch anders?

MEIGEL: Auf ganz kostspielige Highlights haben wir zugunsten breit angelegter Begegnungsprojekte wie jenem für Chöre verzichtet. Trotzdem ist jetzt dank breiter Unterstützung durch 30 Sponsoren - das sind so viele wie noch nie - ein ausgezeichnetes Kulturprogramm zustande gekommen. Viele Künstler sind bereit, in Seniorenheimen, im Tannenhof und in der Justizvollzugsanstalt aufzutreten. Motto: Das Donaufest kommt zu ihnen. Es gelingt, zehn Länder an zehn Tagen auf zehn Bühnen zu präsentieren.

Und was bleibt beim Alten?

MEIGEL: Viel Bewährtes. Wenn ich bloß an den Fahnenschmuck denke oder an den Markt der Donaustädte oder an die Folklore. Es wird wieder hochkarätige Klassik im Münster geben, diesmal mit Musikern der Salzburger Festspiele. Und ein attraktives Literaturprogramm.

Es waren Vorwürfe zu hören, das Donaufest werde entpolitisiert. Beispielsweise werde der Rechtsruck in Ungarn totgeschwiegen.

MEIGEL: Es wird nichts verschwiegen. Schon immer war geplant, einen Themenabend zu Ungarn zu veranstalten - in hochkarätiger Besetzung. So kommt es jetzt auch. Moderator wird Professor Eckart Stratenschulte sein, er leitet die europäische Akademie in Berlin.

Sie betonen sehr den Teamgedanken. Wer steckt hinterm Team? Und wie läufts mannschaftsintern?

MEIGEL: Es läuft runder als früher, jeder macht seinen Job. Das Team besteht aus dem früheren Theaterintendanten Volkmar Clauß, der zuständig für die Hochkultur ist, also Literatur und Klassik; aus Rainer Walter, der das Thema junge Musik und Roxy-Bühne macht; aus Bernd Leitner, verantwortlich für das breite Familienprogramm in Neu-Ulm; aus Christof Hußmann, der wie eh und je den Markt macht und sich ums Erscheinungsbild, also auch den Fahnenschmuck kümmert; aus Wolfgang Frauendorf mit seinem reichen Erfahrungsschatz. Ich verantworte die Finanzen - und koordiniere, mein Job ist, dafür zu sorgen, dass alle arbeiten können.

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