Euronics darf Stecker nicht ziehen - Räumungsverkauf abgesagt

Der Elektromarkt Euronics, ein Zugpferd im Blautalcenter, darf nicht wie vorgesehen zum Wochenende schließen. Das Centermanagement hat eine Verlängerung erzwungen. Die Regale müssen wieder befüllt werden. Mit einem Kommentar von Frank König: Kampf um Ankermieter

|
Euronics muss den Laden im Blautalcenter trotz des schon gelaufenen Räumungsverkaufs weiter betreiben und die leeren Regale wieder auffüllen.  Foto: 

Das hat es in der Handelslandschaft noch nicht oft gegeben: Der Elektromarkt Euronics, der als Mieter im Blautalcenter überraschend aussteigen wollte, muss vorerst offenlassen – und dies der Kundschaft auf großen Plakaten mitteilen. Die Euronics Mega Company in Tettnang hatte die Filiale im Mai 2013 eröffnet, was mit dem neuen V-Markt als wichtiger Impuls für die Neubelebung des Einkaufszentrums an der Blaubeurer Straße gesehen wurde. Nun wollte Geschäftsführer Daniel Kirberg aber, wie berichtet, den Laden in Ulm zum 22. August schließen: weil die Umsätze nicht den Erwartungen entsprachen und auch keine Besserung in Sicht war.

Das jedoch wollte das Centermanagement des Hypo-Fondsverwalters Wealthcap in München nicht hinnehmen, so dass sich beide Parteien nach den Worten von Wealthcap-Geschäftsführer Stephan Klemmer vor dem Landgericht Ulm trafen. Das Gericht entschied trotz eines Sonderkündigungsrechts von Euronics im Sinne von Wealthcap. Der Elektromarkt, der schon Werbung für seinen Räumungsverkauf gemacht hatte, musste das Urteil auf Plakaten im Laden aushängen.

Hier der Wortlaut: „Die Parteien haben sich in einem gerichtlichen Verfahren darauf verständigt, dass Mega Company den Betrieb im Blautalcenter bis zur Beendigung des Mietverhältnisses zum 31.01. 2016 fortsetzt.“ Für Mega Company ist dies mit erheblichen Konsequenzen verbunden: So müssen bereits entlassene Mitarbeiter aus dem zuvor 20-köpfigen Team nach Möglichkeit wieder zurückgeholt werden. Außerdem sind die Mitarbeiter damit beschäftigt, die Verkaufsausstellung wieder herzurichten: Denn für Ausstellungsgeräte wie Fernseher oder Waschmaschinen war der Rabatt mit 30 Prozent besonders hoch. Hier klaffen somit auch die größten Lücken. Auf den normalen Warenbestand gab es immerhin 20 Prozent. Auch diese Sortimente müssen entsprechend aufgefüllt werden.

Bei den Mitarbeitern, die nach Bekanntgabe der Schließung nach Augenzeugenberichten komplett geschockt waren, macht sich vor dem Hintergrund neuer Aktivitäten wieder Hoffnung breit. Die Azubis werden ohnehin übernommen, und die Verkaufsmitarbeiter gewinnen aus ihrer Sicht zumindest etwas Zeit.

Firmenchef Kirberg hatte auch versprochen, Versetzungen in die anderen Filialen von Mega Company zu prüfen: Biberach, Lindau, Leutkirch, Ravensburg, Tettnang. Er befindet sich im Urlaub, so dass die Firma zur Situation im Blautalcenter kein Statement abgeben wollte.

Seitens Wealthcap wies Klemmer darauf hin, dass für Mega Company trotz des Sonderkündigungsrechts eine „vertragliche Betreiberpflicht“ bestand. Das Thema sei vor Gericht über Stunden verhandelt worden. Daraus resultiere der Plakat-Text.

Für Wealthcap ist der Aufschub bei der Schließung von Euronics ein Erfolg in schwerer Zeit, denn derzeit ist auch der Foodcourt wegen einer umfassenden Sanierung zu: bis Anfang November. Danach sollen sich die Restaurants in der Eingangszone von der Blaubeurer Straße her nach einem völlig neuen Konzept präsentieren. Wie Klemmer sagte, bleiben Henry’s Coffee World und der Asia Wok an Bord. Außerdem werde es ein italienisches Restaurant mit neuer Terrasse an der Blau geben. Wealthcap investiert in die gesamte Modernisierung fast 13 Millionen Euro, außerdem zwei Millionen für den Brandschutz.

Vor allem wurde im Zuge der Sanierung der defekte Fußboden in der Mall ausgetauscht. Wegen der Nachfolge für Euronics hat Klemmer mit Blick auf geltende Grenzen für Verkaufsflächen auch mit dem Regierungspräsidium Kontakt aufgenommen. Dabei ist klar, dass ein neuer Elektromarkt die geringsten Probleme aufwirft, während die Flächen für Textil ausgereizt sind.

Das 1997 eröffnete Blautalcenter verfügt über etwa 100 Mieter und nur wenig Leerstände. Es sind aber vereinzelt Klagen zu hören, dass unter Wealthcap zu wenig zugkräftige Marketing-Aktionen laufen.

Ein Kommentar von Frank König: Kampf um Ankermieter

Was lernen wir nun aus dem Fall Euronics im Blautalcenter? Dass die Einkaufszentren und dahinterstehenden Immobilienfonds um jeden namhaften Mieter kämpfen. Im Falle des Elektromarkts in Ulm hatte der Centerverwalter Wealthcap anscheinend die besseren Karten und konnte eine Verlängerung des Ladenbetriebs über das Weihnachtsgeschäft hinaus bis Anfang nächsten Jahres erzwingen.

Der Vorgang erinnert fast ein wenig an die verzweifelten Aktionen von Mutschler-Nachfolger Walther in Neu-Ulm, wo wegen hoher Verluste eine unvermittelte Schließung mit dem fehlenden Brandschutz begründet wurde. Doch der Vermieter – ebenfalls ein Fonds – konnte in ähnlicher Weise die Betreiberpflicht durchsetzen, bis zum bekannten Ende 2005 und Neuanfang mit Mahler.

Es bleibt aber auch interessant, dass die Mega Company über ein Sonderkündigungsrecht verfügte und – wenn auch aus ihrer Sicht mit Verspätung – nach rund zweieinhalb Jahren im Blautalcenter aussteigen kann. Normal laufen solche Mietverträge mindestens zehn Jahre. Das bedeutet: Die Center machen Zugeständnisse, um Ankermieter zu bekommen. Das wird auch im Falle Media-Markt in der Glacis-Galerie vermutet.

Für das Blautalcenter, das nach umfassender Renovierung eine ganz neue Atmosphäre erhalten hat, hängt viel von der Nachfolge für Euronics ab. Da muss ein Frequenzbringer her, am besten wieder ein Elektromarkt. Aber woher nehmen?

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ulmer Basketballern gelingt der siebte Streich

Das Ratiopharm-Team setzt sich zuhause mit 72:69 gegen Würzburg und setzt seine Erfolgsserie fort. Das Duell zweier ehemaligen Ulmer Teamkollegen gerät zur eindeutigen Sache. weiter lesen