Essenz von Lasker-Schülers Liebeslyrik in Farbe umgesetzt

In den vergangenen zehn Jahren inspirierten Else Lasker-Schülers Liebesgedichte die Malerei von Marlis Glaser. Ewald Schrade zeigt die Bilder jetzt.

|
Marlis Glaser vor einem ihrer neuen, farbenprächtigen Ölbilder, die derzeit in der Galerie von Ewald Karl Schrade zu sehen sind. Foto: Christina Kirsch

"Nein, es ist nicht, weil Else Lasker-Schüler Jüdin ist und auch nicht, weil sie verfolgt wurde", erklärt die in Attenweiler (Kreis Biberach) lebende Malerin Marlis Glaser ihre Hingabe an die führende Vertreterin des deutschen Expressionismus. Es sei die wunderbar bildhafte Sprache dieser 1869 im heutigen Wuppertal geborenen und 1945 im Exil in Jerusalem verstorbenen Dichterin, "die ausdrückt, was mich bewegt". Glasers Bilder zu Lasker-Schülers Liebesgedichten sind jetzt unter dem Titel "O, deine süßen Augen" in der Galerie Ewald Schrades auf Schloss Mochental zu sehen.

Auch ihre von Lasker-Schüler inspirierten Ölbilder betitelte Marlis Glaser mit Gedichtzeilen der Lyrikerin. Für ihre kraftvoll leuchtende Umsetzung der Gedichte "Die Liebe", "Trieb" und "Boas" verwendet die 60-Jährige abstrakte Formen, die von Linien umfangen werden. Im facettenreichen Nebeneinander auf der Bildfläche erzählen sie vom Berühren und leidenschaftlichem Verlangen. Hervorstechende Tupfer stehen für Herzklopfen, erläutert die in Baltringen geborene und in Bremen und Hamburg ausgebildete Künstlerin.

Generell transformieren Marlis Glasers Bilder hier Worte in Farben. Selbst düstere Stimmungen malt sie in den Farben der Lebensfreude, des Überschwangs. Die von Trauer und Sehnsucht geprägten Gedichte holt sie damit aus dem Wachmüden ans Licht der Sonne. Bevor sie nach einem Gedichttext arbeite, müsse sie sich sicher sein, dass sie zu den in der Lyrik geformten Gefühlen und Erfahrungen einen Zugang habe. Bevor sie schließlich zu zeichnen beginne, stehe tagelange Lektüre. Dazu zeigt Schrade aktuelle Kohlezeichnungen aus ihrem Zyklus "Viva". Die ebenfalls auf Schloss Mochental gezeigten neuen Baumbilder symbolisieren Menschen, Paare und Beziehungen. Immer wieder setzt sich die Malerin intensiv mit der jüdischen Kultur auseinander. In der Schlossgalerie westlich von Ehingen und im dazu erschienenen Katalog "Neue Arbeiten 2008 - 2012" (192 Seiten, 28 Euro) etwa anhand jüdischer Festtage und damit verbundener Früchte und Pflanzen.

Parallel dazu zeigt bis 4. November der Kulturverein Zehntscheuer in Rottenburg mit "Abraham aber pflanzte einen Tamariskenbaum" Baumbilder und Porträts von Marlis Glaser. Die Augen seien ein Motiv, das sie seit Jahren künstlerisch beschäftige. Sehen und Angeschautwerden begreift sie als existenziell.

Info "O, deine süßen Augen" auf Schloss Mochental bis 4. November: Di-Fr 13-17, So 11-17 Uhr.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Mieter entsetzt über Kahlschlag in grüner Oase

Mieter einer Villa am Michelsberg sind entsetzt über den Kahlschlag ihrer Grünflächen, die eine Oase für Pflanzen und Tiere gewesen sein soll. Die Ulmer Wohnbaugenossenschaft UWS hat die Maßnahmen angeordnet. weiter lesen