Erster unter Gleichen

Von der Bundeswehr an die Waldorfschule: Nach 26 Jahren in der Römerstraße ist Günter Fröscher als Geschäftsführer verabschiedet worden.

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Der Abschied fällt ihm schwer: Der scheidende Waldorfschul-Geschäftsführer Günter Fröscher an seinem Arbeitsplatz.  Foto: 

„Man kann dazulernen“, sagt Günter Fröscher, als er von seinem Werdegang erzählt. Geradlinig verlief der nicht. Er echauffiert sich über das immer stärker werdende Leistungsdenken in der Gesellschaft. In der Stadt aktiv sein, das ist dem Ulmer Kreisvorsitzenden des Paritätischen Wohlfahrtsverbands wichtig, der vom Verein Freie Waldorfschule nun in seiner Funktion als  Geschäftsführer verabschiedete wurde.

26 Jahre lang war Fröscher an der Schule in der Römerstraße tätig, seit 1996 als Geschäftsführer. Immer wieder sei er gefragt worden, was der Unterschied zu einem Schulleiter sei. „Ich bin Erster unter Gleichen“, antwortete er stets, denn zwar sei er für alle rechtlichen und sonstigen Belange zuständig, aber was die Pädagogik angehe, sei die Waldorfschule selbstverwaltet. Er habe, anders als Schulleiter an staatlichen Schulen, keine Weisungsbefugnis, sagt er.

1953 in Heidenheim geboren, schloss Fröscher dort die Realschule ab. Nach einer kaufmännischen Lehre ging er für vier Jahre zur Bundeswehr, war zuletzt in Dornstadt stationiert. Schließlich aber verweigerte er den Kriegsdienst und engagierte sich in der Friedensbewegung. 1983 war er Mitinitiator der Menschenkette zwischen Stuttgart und Neu-Ulm. Ziel der etwa 300 000  Menschen auf der 108 Kilometer langen Strecke war es, die Stationierung neuer atomarer Mittelstreckenraketen zu verhindern.

In dieser Zeit hatte Fröscher bereits im Guten Hirten und im Tannenhof gearbeitet. Arbeitserzieher im sozialen Bereich wollte er werden, aber wenn, dann richtig. Deshalb machte er in Ulm eine Ausbildung zum Schreinermeister. 1988 hospitierte er auf Wunsch eines Freundes, der in der Schule im Vorstand war, an der Freien Waldorfschule Römerstraße. Sein Engagement in einem Bioladen hatte ihm da bereits einen Zugang zur Anthroposophie, der Lehre Rudolf Steiners, eröffnet. Und an der Waldorfschule hatte er dann sein persönliches Aha-Erlebnis. „Die Pädagogik gefiel mir und das Unterrichten machte auch Spaß.“ Ein Jahr später studierte er in Stuttgart Waldorf-Pädagogik.

Der Abschied von der Schule, auf die auch seine beiden Kinder gingen, fällt ihm sichtlich schwer. Viel Herzblut habe er all die Jahre in seine Arbeit investiert, in die Neugestaltung der Turnhalle, den Neubau des Bistros und des Kindergartens und natürlich in den guten Umgang mit den Schülern. 1996 hatte der Kindergarten vier Gruppen, mittlerweile sind es acht. „Wir waren eine der ersten Kindergärten in Ulm mit Ganztagesangebot und einer Krippe“, sagt Fröscher. Mittlerweile,  mit nun 63 Jahren, habe er gemerkt, dass das Arbeitsleben Spuren hinterlassen hat. „Von 140 Prozent auf Null ist nicht das, was ich will“, sagt er und denkt darüber nach, sich als Berater für Non-Profit-Organisationen selbstständig zu machen. Vom Verein ist er bereits offiziell verabschiedet worden, das Lehrerkollegium, der Vorstand und vielleicht die Schüler, werden noch nachziehen.

Besonders freut Fröscher sich, dass seine Stelle bereits vergeben ist: Mit Hartmut Semar hat sich nach Fröschers Ausscheiden zum Ende dieses Schuljahres bereits ein neuer Geschäftsführer gefunden, der als bisheriger Lehrer an der Schule die Belange der Waldorfpädagogik im Blick hat.

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