Erste Hilfe für ein Spätzle - Familie Fried zieht Vogelkind groß

Clara Fried (8) hörte auf der Gasse ein Fiepen. Ihre Mutter dachte: Eine Maus. Die Tochter suchte und fand ein Spatzenjunges. Das päppeln sie jetzt auf.

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Noch ist es ein Spätzle, aber bei guter Pflege wird es groß und stark: Clara Fried und ihr Vogelkind „Blitz“.  Foto: 
Einmal in der Stunde füttern, verdauen, schlafen – das macht das Spatzenkind, das bei den Frieds in der Frauenstraße wohnt. Ein kleines Körbchen ist sein Nest, das auf dem Wohnzimmertisch steht.

Geht’s ums Vogeljunge, sind die Rollen bei den Frieds klar verteilt: „Ich bin die Pflegerin, Clara ist die Retterin. Es ist ihr Vogel,“ sagt die Mutter Mandy Fried. Schließlich war es Clara (8), die vor einer Woche das Spätzle gefunden hat. Mutter und Tochter sind an jenem Abend aus dem Schwimmbad gekommen, als sie in der Hahnengasse ein Fiepen hörten, erzählt die Mutter. „Ich dachte an eine Maus.“ Clara suchte und fand ein Spatzenjunges, eines, das noch keinen Flaum am Bauch hatte. Es ist wohl aus dem Nest gefallen, nahmen beide an. Die Mutter war überzeugt: „Das schafft der nicht.“ Clara war unerbittlich: „Das können wir nicht liegenlassen.“ Also nahmen die Frieds es mit.

Das ist eine Woche her. Clara hat das Spätzle auf den Namen „Blitz“ getauft. Es macht sich, hat Flaum am Bauch bekommen, die Federn an den Flügeln werden dichter. Mandy Fried füttert „Blitz“ jede Stunde. Das heißt: Überall, wo sie hingeht, kommt er mit. So verbrachte das Spätzle Nachmittage im SSV-Bad, war beim Nabada dabei. Immer im Körbchen, abgedeckt mit einem Tuch.

Womit wird ein Spatzenjunges gefüttert? Mandy Fried hat recherchiert und ist auf Wiltrud Spiecker, Ulmer Expertin für Fundvögel, gestoßen. Sie zieht derzeit 60 Fundvögel aller Art, die bei ihr abgegeben wurden, auf. Spatzenkinder brauchen eiweißhaltiges Futter, sagt Spiecker. Mandy Fried gibt „Blitz“ einen Hackfleischbrei mit einer Spritze. Und: Vogelkinder brauchen Wärme. Deshalb sitzt „Blitz“ ab und an auf einer Wärmflasche.

Mandy Fried ist in ihrer einwöchigen Zeit als Vogelpflegerin Vorurteilen begegnet, die in einem Bericht über sie richtig gestellt werden müssen. Die Vorurteile: Man dürfe Vögeljunge nicht anfassen, einmal aus dem Nest gefallen überleben sie nicht, man müsse ihnen das Fliegen beibringen. Alles falsch.

Die Jugendzeit der Spatzenkinder dauert kurz, laut Spiecker werden sie nach 18 Tagen flügge. Mandy Fried hat mit Tochter Clara bereits über die Zeit danach geredet. Für beide ist klar: „Blitz wird in die Freiheit entlassen.“

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Kommentare

24.07.2015 10:27 Uhr

Hackfleisch ist falsches Futter

Mit Hackfleisch bekommt er sehr hässliche Federn, die bald abbrechen und weder zum Fliegen noch zum Wärmen oder als Regenschutz funktionieren werden. So ruiniert man einen Spatzen.

Haus- und Feldsperlinge, Buchfinken, Kernbeißer, Gimpel/Dompfaffe, Ammern, Zeisige (für die Ernährung von Grünfink, Stieglitz, Girlitz und Hänfling s. Teil 2: Vegetarier)
Erwachsene Sperlinge und Buchfinken ernähren sich in erster Linie von Getreide, Gras- und Wildkräutersamen, Zeisige von kleinen Baumsamen (z.B. Erle, Birke) und Nüssen, Kernbeißer von größeren Baumsamen (z.B. Buche, Ahorn, Kirsche, Zwetschge), Früchten und Nüssen. Ab und an werden von den genannten Arten Insekten gefressen. Ammern fressen im Sommer v.a. Insekten und im Winter Samen.

An die Nestlinge werden fast ausschließlich Insekten verfüttert, im Ästlingsalter enthält die Nahrung einen steigenden vegetarischen Anteil.
Unbefiederte, blinde Nestlinge (1.-7. Lebenstag): frischtote Insekten: Heimchen und Grillen, Fliegen, Buffalos, Steppengrillen, Drohnen, Wachsmottenlarven. Ein Brei aus diesen Insekten zusammen mit Handaufzuchtfutter (Nutribird A21) durch eine 1ml-Spritze ohne Nadel oder mit einem Spatel geben. Pro Mahlzeit können je nach Alter etwa 0,1 bis 0,3 ml gefüttert werden. Zusätzliche Wassergaben sind nicht nötig.

Befiederte Nestlinge: Nahrung wie bisher. Insekten können jetzt im ganzen (Heimchen und Grillen ohne Beine!) mit einer stumpfen Pinzette gereicht werden, zusätzlich wird ein Insekt täglich mit etwas Korvimin ZVT eingestäubt.

Ästlinge: Absetzen des Handaufzuchtfutters. Zusätzlich zu Insekten (die noch den Hauptteil der Nahrung bilden) und Korvimin ZVT werden die Jungvögel mit vegetarischem Futter versorgt, das nach und nach auf einen Anteil von 1/3 gesteigert wird. Geeignet sind anfangs vor allem frische Keimlinge, später auch zerkleinerte halbreife Samen von ungespritztem Getreide, Gräsern und Wildkräutern *, Mehrkornflocken und geschälte zerkleinerte Hirsekörner. Diese Zutaten werden angefeuchtet und per Spatel oder Pinzette gefüttert. Ein Mal täglich wird eine kleine Prise Grit zugegeben. Als gesunde Nahrungsergänzung sind Bienenpollen sowie Gersten- und Weizengraspulver und Spirulina geeignet.

Mit etwa 2,5 Wochen fangen die Tiere an, selbst zu picken. Das bisherige Futter wird jetzt auch aus Schüsseln gereicht, zusätzlich werden lebende Insekten wie Buffalos angeboten und Sträußchen mit Wildkräutern und -gräsern sowie Kolbenhirse an den bevorzugten Sitzplätzen aufgehängt. Wassernäpfe zum Trinken und zum Baden sowie eine Schüssel mit Grit müssen immer zur Verfügung stehen. Haus- und Feldsperlinge benötigen auch ein Sandbad.

Solange gebettelt wird, muss weiter zugefüttert werden... mehr auf fb Gruppe wildvogelhilfe

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24.07.2015 10:24 Uhr

Hackfleisch ist das falsche Futter für Spatzen.

Ernährung von Körnerfressern, Teil 1:
Haus- und Feldsperlinge, Buchfinken, Kernbeißer, Gimpel/Dompfaffe, Ammern, Zeisige (für die Ernährung von Grünfink, Stieglitz, Girlitz und Hänfling s. Teil 2: Vegetarier)
Erwachsene Sperlinge und Buchfinken ernähren sich in erster Linie von Getreide, Gras- und Wildkräutersamen, Zeisige von kleinen Baumsamen (z.B. Erle, Birke) und Nüssen, Kernbeißer von größeren Baumsamen (z.B. Buche, Ahorn, Kirsche, Zwetschge), Früchten und Nüssen. Ab und an werden von den genannten Arten Insekten gefressen. Ammern fressen im Sommer v.a. Insekten und im Winter Samen.

An die Nestlinge werden fast ausschließlich Insekten verfüttert, im Ästlingsalter enthält die Nahrung einen steigenden vegetarischen Anteil.
Unbefiederte, blinde Nestlinge (1.-7. Lebenstag): frischtote Insekten: Heimchen und Grillen, Fliegen, Buffalos, Steppengrillen, Drohnen, Wachsmottenlarven. Ein Brei aus diesen Insekten zusammen mit Handaufzuchtfutter (Nutribird A21) durch eine 1ml-Spritze ohne Nadel oder mit einem Spatel geben. Pro Mahlzeit können je nach Alter etwa 0,1 bis 0,3 ml gefüttert werden. Zusätzliche Wassergaben sind nicht nötig.

Befiederte Nestlinge: Nahrung wie bisher. Insekten können jetzt im ganzen (Heimchen und Grillen ohne Beine!) mit einer stumpfen Pinzette gereicht werden, zusätzlich wird ein Insekt täglich mit etwas Korvimin ZVT eingestäubt.

Ästlinge: Absetzen des Handaufzuchtfutters. Zusätzlich zu Insekten (die noch den Hauptteil der Nahrung bilden) und Korvimin ZVT werden die Jungvögel mit vegetarischem Futter versorgt, das nach und nach auf einen Anteil von 1/3 gesteigert wird. Geeignet sind anfangs vor allem frische Keimlinge, später auch zerkleinerte halbreife Samen von ungespritztem Getreide, Gräsern und Wildkräutern *, Mehrkornflocken und geschälte zerkleinerte Hirsekörner. Diese Zutaten werden angefeuchtet und per Spatel oder Pinzette gefüttert. Ein Mal täglich wird eine kleine Prise Grit zugegeben. Als gesunde Nahrungsergänzung sind Bienenpollen sowie Gersten- und Weizengraspulver und Spirulina geeignet.

Mit etwa 2,5 Wochen fangen die Tiere an, selbst zu picken. Das bisherige Futter wird jetzt auch aus Schüsseln gereicht, zusätzlich werden lebende Insekten wie Buffalos und kleine Mehlwürmer angeboten und Sträußchen mit Wildkräutern und -gräsern sowie Kolbenhirse an den bevorzugten Sitzplätzen aufgehängt. Wassernäpfe zum Trinken und zum Baden sowie eine Schüssel mit Grit müssen immer zur Verfügung stehen. Haus- und Feldsperlinge benötigen auch ein Sandbad.

Solange gebettelt wird, muss weiter zugefüttert werden, die Fütterung per Hand wird aber nach und nach eingestellt. Gewicht kontrollieren!
Futtermischung für die Fütterung per Pinzette und zum Selberpicken
selbständig fressende Jungvögel: Vor der Auswilderung müssen Körnerfresser lernen, Samen selbst zu schälen. Dazu wird ein steigender Anteil zunächst angeknackter, später komplett ungeschälter Sämereien (z.B. Waldvogelfutter) gefüttert. Mehr auf fb/wildvogelhilfe

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