Erneuter Kupferdiebstahl bringt ESC-Verein an den Rand des finanziellen Ruins

Der Eisenbahn-Sport-Club ESC kommt nicht zur Ruhe. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage ist er das Ziel von professionellen Dieben geworden.

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Der Eisenbahn-Sport-Club (ESC) Ulm kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Der 1929 als Sportfreunde Ulm gegründete Verein wurde 2013 vom Innenministerium ausgezeichnet für seine „Integration durch Sport“. Jetzt allerdings droht das Aus. Wie einem Brief an Oberbürgermeister Ivo Gönner zu entnehmen ist, steht der 600 Mitglieder zählende Verein vor dem finanziellen Ruin.

Hintergrund ist eine Serie von Diebstählen, die dem Verein bereits im Mai vergangenen Jahres großen Schaden zugefügt haben. Fünfmal wurden Kupferplatten und -dachrinnen gestohlen. Vergangene Woche waren erneut Kuperdiebe am Werk und haben insgesamt 70 laufende Meter fest verankerte Dachverwahrung abmontiert.

Von der Versicherung hat der Verein wohl keine Hilfe zu erwarten. Der hohe Schaden im vergangenen Jahr wurde jedenfalls nicht übernommen. Erst eine Zuweisung der Stadt half dem ESC aus dem Gröbsten. „Die Versicherung übernimmt nur bei Einbruchsdiebstahl, nicht aber bei einfachem Diebstahl, als den sie den Kupferklau bewertet“, sagt der Vorsitzende Halim Aydin.

Seine Beschwerde richtet sich in erster Linie aber nicht gegen die Versicherung, sondern gegen die Polizei. In einer vom Vorstand unterzeichneten Erklärung heißt es: „Wir fühlen uns von der örtlichen Polizei nicht geschützt vor diesen Angriffen“, die erneuten Diebstähle seien der Todesstoß.

Doch die angesprochene Polizei reagiert zurückhaltend. Zunächst sei es die Pflicht eines jeden Hausbesitzers, sein Haus zu schützen, wie Behördensprecher Wolfgang Jürgens auf Anfrage mitteilt. Es sei relativ leicht, einen Vorwurf zu erheben. „Wir können schließlich keinen Polizisten vor das Vereinsheim setzen“, sagt Jürgens weiter.

Nach seinen Worten hat die Polizei nach den Vorfällen im Mai vergangenen Jahres dem Verein ein kostenloses Beratungsgespräch angeboten. Dazu sei es aber nie gekommen, teilt der Behördensprecher mit. Als es im Januar dieses Jahres einen Einbruch in das Vereinsgebäude gegeben habe, sei die Polizei von sich aus aktiv geworden und habe abermals eine Beratung angeboten. Wieder habe der Verein nicht reagiert. Nach den Worten Jürgens’ habe es lediglich am Telefon ein paar Tipps gegeben.

Der Vereinsvorstand bestreitet das gar nicht, hat aber kein Geld, um sich eine aufwendige Sicherung des Gebäudes anzuschaffen. Wohl sei ein Bewegungs- und Lichtmelder installiert. Licht sei kein Problem. Das gebe es genug rund ums Vereinsheim, sagt Aydin. Was fehle, sei ein System mit Überwachungskameras, für das dem Vorstand ein Kostenvoranschlag einer Firma aus dem zurückliegenden Jahr vorliege: Kostenpunkt 6000 Euro.

„Wenn wir das Geld hätten, würden die Kameras längst hängen“, sagt Aydin. „Der Verein hat das Geld aber leider nicht. Diese Kameras sind viel zu teuer für uns.“ Wie es weitergehen soll, kann er allerdings auch nicht sagen.

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Kommentare

05.08.2015 09:09 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „Nicht das erste mal?””””

Sehr gehrter Herr Zimmerman:

> Was raten Sie einem Kleingärtner, dessen Blumenpracht über Nacht abgerupft wurde? Sagen Sie da auch: "[...] aber wenn man damit rechnen muß beklaut zu werden, sollte man halt auf Alternativen zurückgreifen die nicht die Begierde wecken".

Wenns öfter vorkommt: Ja! Genau dass habe ich früher auch gemacht als ich noch in Ulm wohnte. Man muß schon sehr stur sein um sich nicht an äussere Einflüsse anpassen zu können.

Man kann auch - wenns nicht anders geht - repräsentieren ohne Kupfer.
Was ist denn jetzt die Alternative? Kupfer oder Pleite?

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04.08.2015 21:02 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „Nicht das erste mal?”””

Lieber Herr Tanner,

im Kommentar von Herrn Blum sehe ich zwar Ironie und Sarkasmus, die die Fraglichkeit Ihres Kommentars hervorheben, aber nichts, was auch nur Ansatzweise mit "Nazikeule" zu tun hätte. Und eines dürfen Sie mir glauben: "Nazikeulen" entdecke ich - ganz sicher!

Und lieber Herr Spötter,

"[...] wenn man damit rechnen muß beklaut zu werden, sollte man halt [...]" - ... sollte man was? Kein Auto kaufen? Seine Wohnung niemals verlassen? Kein Juweliergeschäft führen? Nie sein Fahrrad in der Innenstadt abstellen? Das ist doch Blödsinn. Wir alle müssen stets damit rechnen, überfallen oder beklaut zu werden. Überall und zu jeder Zeit. Aber niemand kann sein Hab und Gut ständig im Auge haben, egal ob Einzelperson oder Verein.
Gerade für Vereine, insbesondere für kleinere Vereine wie dem ESC, ist das Vereinsheim nicht bloß eine Hütte, um bei Regen Unterschlupf zu finden, sondern es repräsentiert den Verein, es ist sein Aushängeschild, es ist geradezu ein Schatzkästchen, liebevoll gestaltet und gepflegt. So, wie die Blütenpracht in den Kleingärten stolzer Freizeitgärtner. Was raten Sie einem Kleingärtner, dessen Blumenpracht über Nacht abgerupft wurde? Sagen Sie da auch: "[...] aber wenn man damit rechnen muß beklaut zu werden, sollte man halt auf Alternativen zurückgreifen die nicht die Begierde wecken". Also soll der Kleingärtner lieber Unkraut anpflanzen?

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04.08.2015 08:51 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Nicht das erste mal?””

Interessant daß sie das Problem gleich mit der Nazikeule angehen. Leider sind sie bei mir da falsch. Das Gleiche hätte ich auch beim SSV 46 oder bei der TSG Söflingen geschrieben. Also wischen sie sich den Schaum vorm Mund weg, oder haben sie einfach nur ihr gutes Benehmen vergessen?

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04.08.2015 08:32 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Nicht das erste mal?””

Na Herr Blum, schön dass 90% aller neuen Häuslebauer lediglich im "Favela"-Stil bauen! Lieber nobel untergehen, als Abstriche machen was?

Kupfer ist ein sehr gutes aber leider teures Material, aber wenn man damit rechnen muß beklaut zu werden, sollte man halt auf Alternativen zurückgreifen die nicht die Begierde wecken.

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04.08.2015 08:21 Uhr

Antwort auf „Nicht das erste mal?”

Wenn das Vereinsheim ausgesehen hätte wie eine Hütte in den brasilianischen Favelas dann wären auch keine Diebe gekommen das wollten Sie damit sagen? Stimmt! Das ist der richtige Ansatz! Die Häuser von "Minus-Deutschen" brauchen ein Downgrade damit sie nicht in den Erfassungsbereich von "Plus-Deutschen" geraten.

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04.08.2015 06:23 Uhr

Nicht das erste mal?

Dann hätte ich mir als Hausbesitzer nicht nochmal Kupferrinnen und -verwahrungen ans Haus gehängt sondern billigere Zinkrinnrn oder verzinkte Rinnen. Die schonen außerdem die Vereinskasse, weil billiger. Aber wenn die Stadt schon zahlt, da ist das Beste grade gut genug...

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