Erdgas-Rallye quer durch Europa macht bei Iveco Station

Mit der Tour „Blue Corridor“ von Lissabon nach St. Petersburg soll das Bewusstsein für umweltfreundliches Gas als Treibstoff geweckt werden. Ein Halt war Ulm.

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Die Fahrzeuge der Rallye legten einen Zwischenstopp im Donautal ein – darunter ein direkt aus Russland hinzugekommener Truck der Marke Ural (dunkle Farbe): mit fest eingebautem Methantank hinterm Fahrerhaus, Handschaltung, hintendrauf ein Lastkran.  Foto: 

Nach dem Diesel-Skandal läuft die Suche nach alternativen Energieträgern auf Hochtouren. Dabei geht es längst nicht nur um Batterie-Autos, sondern bei den in der Diskussion oftmals vergessenen Nutzfahrzeugen auch um natürliches Gas: in komprimierter oder verflüssigter Form.

Ein Vorreiter bei erdgas-betriebenden Transportern und Lkw ist schon lange der inzwischen zum CNH-Konzern gehörende Nutzfahrzeughersteller Iveco. Daher machte am Montag die „Blue Corridor Rallye 2017“ im neuen Kundenzentrum des Werks Donautal Station: mit einer ganzen Reihe von Autos, Transportern und Lastwagen, die im Gegensatz zu Propan/Butan (LPG) nur natürliches Gas als Treibstoff nutzen.

Ein schweres Ural-Fahrzeug aus russischer Produktion war sogar erst in Ulm zur Rallye hinzugestoßen: mit standardmäßig hinter der Fahrerkabine eingebauten Methan-Tanks sowie den bei Lkw üblichen längsseitigen Tanks.

Mit diesen kombinierten Tanks für CNG (komprimiertes natürliches Gas) und LNG (verflüssigtes natürliches Gas) können es Sattelschlepper mit 40 Tonnen auf eine Reichweite von 1500 Kilometer bringen, berichtete Iveco-Experte Mario Männlein beim gut besuchten Workshop. Die Technologie ist nach seinen Worten so weit, dass es mit Gasantrieb bei Iveco-Standardmotoren keinerlei Leistungsverluste mehr gibt.

Deutlich sauberer als Diesel

Das Erdgas hat viele Vorteile – und zwar nicht nur bei der Vermeidung von Stickoxiden, Schwefeldioxiden und Partikelausstoß. „Fassen Sie mal in den Auspuff rein“, forderte Männlein sein Publikum zum Test der im Gegensatz zu Diesel viel saubereren Gasfahrzeuge auf. Gleichzeitig sind sie auch leiser, „wie ein Ottomotor“. Daher können Erdgas-Verteilerfahrzeuge in Holland auch zu kritischen Zeiten in den Städten ihre Waren ausliefern: Sie machen nachts oder in den frühen Morgenstunden keinen Lärm und entzerren mit solchen Fahr- und Lieferzeiten den Verkehr.

Dazu kommen Kostenvorteile, die beim Kraftstoff etwa 40 Prozent betragen. Das berichteten russische Experten vom Fahrzeug-Hersteller Gaz und Gaslieferanten Gazprom. Gaz produziert den Ural Next, der draußen zur Besichtigung stand. Gazprom verfügt über zwei Flüssiggas-Anlagen: in Kaliningrad und Peterhof. Für den Treibstoff soll ein Tankstellennetz entlang der Routen Berlin-St.Petersburg und Berlin-Moskau aufgebaut werden. In Deutschland gibt es bisher nur zwei Tankstellen für LNG: in Berlin und Ulm am Iveco-Werk bei der Einfahrt Nicolaus-Otto-Straße. Dagegen gibt es den Angaben zufolge 900 CNG-Stationen, deren Zahl innerhalb eines Jahres auf 2000 wachsen soll.

Gazprom geht das Thema Erdgas auf einem anderen Level an: auch mit geplanter Versorgung der Landwirtschaft, Bahnunternehmen und der für einen Großteil schädlicher Emissionen verantwortlichen Schifffahrt. Der Charme des Treibstoffs Gas liegt nach den Worten Männleins freilich nicht zuletzt darin, dass er regenerativ – wie aus Biogasanlagen – gewonnen werden kann. Er zeigte in seinem Vortrag auch ein Bild mit Kühen auf einer Weide und sagte: „Das sind unsere Allgäuer Methan-Fachkräfte.“

Der Organisator des Workshops, Manfred Kuchlmayr von Iveco, berichtete außerdem von einem neuen Fördergesetz für umweltfreundliche Nutzfahrzeuge, das in Berlin in Vorbereitung sei. Es soll Zuschüsse für CNG-, LNG-, Hybrid- und Elektro-Lastwagen ab 7,5 Tonnen vorsehen: mit maximalen Fördersummen von 20 000 bis 50 000 Euro je Fahrzeug und 100 000 Euro je Unternehmen. Außerdem gebe es weitere Anreize wie den Verzicht auf Tachographen, falls Verteilerfahrzeuge nur im Umkreis von 100 Kilometern unterwegs sind.

Tour Die Blue Corridor Rallye hat am 18. September in Lissabon (Portugal) begonnen und endet am 5. Oktober in St. Petersburg. Im Verlauf der Strecke finden immer wieder Workshops zum Thema Gas als natürlicher Treibstoff statt: in Madrid, Mailand, Ulm, Berlin, Talinn in Estland und schließlich zum Finale der Rallye in St. Petersburg. In Ulm ging der Workshop im neuen Kundencenter von Iveco und Magirus im Donautal über die Bühne.

Veranstalter Ausrichter der 11. Auflage der Rallye sind die Firmen Gazprom und Uniper (Düsseldorf). Diesmal liegt der Fokus auf LNG (liquefied natural gas). Es wird bis -130 Grad gekühlt und ermöglicht hohe Reichweiten.

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