Entlassungen im Wonnemar

Das Freizeitbad Wonnemar hat seinem Reinigungspersonal betriebsbedingt gekündigt und die Arbeiten ausgelagert. Die Geschäftsführung begründet das mit den schlechten Leistungen. Das Personal wehrt sich.

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Ausgeputzt: Sechs Frauen sind im Bad entlassen worden. Foto: Archiv

Nach der Kündigung von Putzfrauen im Freizeitbad Wonnemar geht die Angst unter den Beschäftigten um. Will der Betreiber Interspa aus Stuttgart die zwangsweise übernommenen Atlantis-Kräfte loswerden, weil sie nach alten Tarifen besser als die neu eingestellten Mitarbeiter bezahlt werden müssen? Das vermutet die Belegschaft. Interspa-Geschäftsführer Volker Kurz dementiert das aber heftig: "Wer gute Arbeit macht, hat keine Kündigung zu befürchten", sagt er. Er betont "gute Arbeit".

Wie viele Kräfte betroffen sind, ist unklar. Kurz nennt vier Putzfrauen, aus der Belegschaft heraus ist von sechs die Rede. Der Grund für die Entlassungen seien Klagen über die mangelnde Sauberkeit im Bad gewesen. Kurz: "Darauf haben wir reagieren müssen." Die Arbeiten wurden an die Ulmer Firma Epex ausgelagert, den eigenen Reinigungskräften wurde gekündigt. Diese wehren sich jetzt gerichtlich.

Die Probleme mit der Sauberkeit im Freizeit- und Freibad seien hausgemacht, heißt aus der Mitte der Belegschaft heraus. Unter dem ehemaligen Atlantis-Betreiber Wolfgang Stichler habe es noch 12 bis 13 Putzkräfte gegeben. Stichler hatte diese Arbeit bei der Eröffnung des Bades im Jahr 1998 zuerst auch ausgelagert, dann aber schnell wieder integriert. Der Grund war die Unzufriedenheit mit den Putzleistungen der Fremdfirma. Das Wonnemar habe die Zahl der Reinigungsfrauen nach der Wiedereröffnung Anfang 2011 auf 8 bis 9 Frauen reduziert und weiter gesenkt. Derzeit sollen es nur noch 4,5 Kräfte sein, die fürs Putzen zuständig sind. Diese seien mit dem Reinigungsaufwand schlichtweg überfordert gewesen, heißt es.

Laut Interspa-Geschäftsführer Kurz ist das Neu-Ulmer Wonnemar das einzige Bad, bei dem man sich zur Fremdvergabe der Reinigung entschieden hat. In allen anderen Wonnemar-Bädern würden eigene Kräfte putzen. Kurz: "Auch das ist ein Beleg dafür, dass es in Neu-Ulm einfach nicht gestimmt hat."

Innerhalb der Belegschaft wird dagegen vermutet, dass die Entlassungen der Putzfrauen nur der Beginn eines größer angelegten personellen Umbaus sein könnten. Nach dem Niedergang des Atlantis hatten sich die Beschäftigten dort zuerst während der Renovierungszeit in Kurzarbeit befunden. Die Städte Ulm und Neu-Ulm, in deren Besitz sich das Bad befindet, hatten dann mit dem neuen Betreiber vertraglich vereinbart, dass die Atlantis-Mitarbeiter unbefristet zu alten Konditionen übernommen werden müssen. Dem hatte die Interspa zugestimmt. Neue Arbeitskräfte wurden dagegen später zu deutlich schlechteren Bezahlungsbedingungen eingestellt. 25 der 47 Voll- und Teilzeitkräfte im Wonnemar haben noch im Atlantis gearbeitet, bei den geringfügig Beschäftigten haben noch 13 von 61 alte Verträge.

Nachdem das Wonnemar im vergangenen ersten Jahr nach der Wiedereröffnung rote Zahlen geschrieben hat, wurden unlängst auch die Eintrittspreise wieder erhöht. Die Belegschaft befürchtet, dass über die Personalkosten weitere Ausgaben eingespart werden sollen.

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Kommentare

28.09.2012 12:50 Uhr

Oje!

Klar, dass 4,5 Putzfrauen nicht das Gleiche schaffen können wie 12 oder 13.

Bei der Begründung liegt nahe, dass die - zu teuren, weil noch alten Tarifverträgen zugehörigen - Frauen schlicht zu teuer waren.

Aber 12 oder 13 Putzfrauen zum alten Tarif, dazu günstigerer Eintritt und so manches andere: War vielleicht das Bad deshalb defizitär?

Der Artikel wirft ein gutes Licht auf die Beschäftigungspraxis in unserer Stadt.

Wieder ein sehr guter Artikel von EDWIN RUSCHITZKA.

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