Enkeltrick und Schockanrufe

Die Zahl der von der Staatsanwaltschaft geführten Strafverfahren werden weniger. Dennoch gibt es neben den bekannten Problemen zwei neue Sorgen, wie der neue Behördenleiter Christof Lehr sagte.

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Seit 1. Februar Leiter der Staatsanwaltschaft Ulm: Christof Lehr. Foto: M. Kessler

Der Enkeltrick ist seit Jahren bekannt, das betrügerische Vorgehen über so genannte Schockanrufe hingegen ein neues Phänomen. "Das beschäftigt uns sehr", sagte der neue Leitende Oberstaatsanwalt Christof Lehr gestern bei seiner ersten Pressekonferenz. 150 solcher Betrugsversuche hat es im vergangenen Jahr in Ulm und dem Alb-Donau-Kreis gegeben - beim 151. schlug die Polizei zu und nahm einen Mann aus Russland fest.

Der Trick dabei ist immer derselbe. Die Täter durchforsten von Litauen aus die Telefonbücher nach russischen Namen. Durch eine geschickte Fragetechnik bekommen sie Informationen über Angehörige, geben sich als diese Angehörigen aus und schocken ihr Gegenüber mit schlimmen Geschichten aus der Heimat. Beispielsweise: Enkelkind schwer verletzt, Not-Operationen aber nur gegen Bargeld möglich. In dem vorliegenden 151. Fall hat dies tatsächlich gezogen.

Eine ältere, nur Russisch sprechende Frau räumte in Sorge um ihren vermeintlich verletzten Enkel ihr Konto ab und übergab einem eigens aus Russland eingeflogenen Mittelsmann mehrere tausend Euro. Diese Methode sei im vergangenen Jahr wie aus dem Nichts aufgetaucht, sagte Lehr, und greife wild um sich. Sorgen macht der Staatsanwaltschaft aber auch der alte Enkeltrick, bei dem Banden die Telefonbücher nach alten Vornamen durchforsten und dann ganz ähnliche Geschichten erfinden wie bei den Schockanrufen. "Das ist eine perfide Art und Weise, auf die ältere Menschen abgezockt werden", sagte dazu Lehr.

Letztlich aber sind diese Betrügereien nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was die 20 Staatsanwälte und Mitarbeiter im vergangenen Jahr bearbeiten mussten. 20 600 Verfahren wurden 2012 für die Kreise Ulm, Alb-Donau und Göppingen neu aufgenommen, etwa 6 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Anhand dieser Zahlen widerspricht der Behördenleiter vehement der öffentlichen Wahrnehmung, dass die Kriminalität zunehmen würde. Das Gegenteil sei der Fall, sagte Lehr: "Die Straftaten gehen seit Jahren ständig zurück. Die Zahl der Mordfälle hat sich seit 1995 sogar halbiert."

Die größten Brocken am Kuchen aller Straftaten sind Verkehrsstrafsachen, die ebenso wie Betrug und Untreue etwa 20 Prozent ausmachen. Alle Vermögensdelikte zusammengenommen ergeben eine Anteil von 35 Prozent an der Gesamtzahl der Strafverfahren. Nur knapp 10 Prozent hingegen sind Körperverletzungen und Gewaltdelikte.

Ebenfalls nur 10 Prozent aller Strafverfahren führen schließlich zu einer Anklage und werden vor Gericht verhandelt. Die meisten Fälle - 27 Prozent - werden eingestellt, weil ein Schuldnachweis nicht zu führen ist. In Untersuchungshaft sind im vergangenen Jahr insgesamt 154 Personen gekommen - überwiegend Ausländer, bei denen Fluchtgefahr besteht.

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