Endlich trocken: Beim dritten Versuch doch Literatur unter Bäumen

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Ricco Bilger spricht leidenschaftlich gerne über Bücher.  Foto: 

Es heißt ja, aller guten Dinge sind drei. Die Weisheit mag abgedroschen klingen, trifft auf die Kulturreihe „Literatur unter Bäumen“ aber zu. Mit ihr will der Literatursalon Donau eigentlich die schönen Orte Neu-Ulms mit schöner Literatur beglücken: den Schwal, das Edwin-Scharff-Haus, das Wiley. Einzig das Wetter machte den Machern um Florian L. Arnold bisher zweimal einen Strich durch die Rechnung.

Im dritten Anlauf klappte es dann. Vor dem Kiosk auf dem ehemaligen Gartenschaugelände gab es am Donnerstag schöne Bücher unter Bäumen: genauer unter großen, alten Kastanien. Zu Gast waren gleich vier Schweizer: der Verleger Ricco Bilger, der Autor Kaspar Schnetzler und die beiden Musiker Christoph Gisin und Jérôme von Allmen.

Bilger, Chef des gleichnamigen Verlags aus Zürich, beweist von Anfang an, dass er eigentlich auch auf der Seite der Autoren stehen könnte. Er ist ein begnadeter Erzähler, gibt mit großer Leidenschaft eine Geschichte nach der anderen zum Besten. Wie er 1983 seinen eigenen Verlag gründete. Wie er einen der hoffnungsvollsten jungen Autoren Südamerikas für sich gewann. Oder wie er dank Roger Willemsen in kürzester Zeit 3000 Exemplare des „Tanger Telegramm“ von Boris Kerenski aus Geislingen verkaufte.

Ein Denkmal für die Heimatstadt

Irgendwann geht es dann doch um die Bücher von Kaspar Schnetzler. Der gebürtige Züricher hat das Schreiben bei der „Neuen Züricher Zeitung“ gelernt und schnell seinen Lieblingsstoff gefunden: seine Heimatstadt. Der hat er dann mit dem Roman „Das Gute“ ein schriftstellerisches Denkmal gesetzt. Darin erzählt der 75-Jährige die Geschichte einer Züricher Familie aus dem Kleinbürgertum über vier Generationen hinweg. Unter den Kastanien liest er nur die erste Seite des Wälzers und lässt die Zuhörer mitten im Satz zwar etwas ratlos, aber auch neugierig zurück.

Im Gepäck hat Schnetzler auch seinen neuesten Roman. Er heißt „Glocken und Kanonen“ und hat ebenfalls Zürich als Ausgangspunkt. Genauer ein Rezept: das des spanischen Suppentopfes. „Bei der Recherche über die Herkunft des Rezeptes und des Topfes taten sich immer wieder neue Türen auf. Ich hab das dann zu einem Ganzen zusammengefügt“, sagt Schnetzler. Herausgekommen ist eine Geschichte, die über Klöster und Zwingli den Bogen nach Sevilla spannt und dabei die europäische Geschichte des späten 16. Jahrhunderts umreißt.

Ganz am Ende gibt Schnetzler noch eine kleine Liebeserklärung an seinen Herausgeber ab: „Wenn ich jemals Verleger werden sollte, würde ich als Erstes Ricco Bilger herausgeben.“

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