Elfjähriger sucht neues Zuhause

Die St. Gallus-Hilfe vermittelt behinderten Menschen ein neues Zuhause in Gastfamilien. Meist Erwachsenen, manchmal aber auch Kindern. Jetzt braucht ein Elfjähriger Gast- eltern für etwa ein Jahr.

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Er ist elf Jahre alt, spielt gern Fußball und liebt Tiere. Er ist geistig leicht behindert, und er braucht ein neues Zuhause. In der Schule und im Hort hat er keine Probleme, sagt Angelika Bayer von der St. Gallus-Hilfe, einer Einrichtung der Behindertenhilfe. In der Familie aber gibt es zunehmend Schwierigkeiten. Die Familie, Migranten mit mehreren Kindern, lebt sehr beengt in ihrer Wohnung und hat wenig Geld. Das wirkt sich auch auf den Elfjährigen aus. Seinen jüngeren Geschwistern gegenüber sei er aggressiv, die Eltern fühlten sich zunehmend überfordert. Sie haben deshalb zugestimmt, den Sohn zu einer Pflegefamilie zu geben - zumindest übergangsweise. Derzeit ist an ein Jahr gedacht.

Die St. Gallus-Hilfe sucht nun für den Jungen nach einer Gastfamilie. Die Einrichtung, eine gemeinnützige Tochtergesellschaft der katholischen Stiftung Liebenau, bietet seit Oktober 2010 in Ulm und den Landkreisen Alb-Donau und Neu-Ulm betreutes Wohnen für Behinderte an. Es ist gedacht für Menschen mit geistiger, seelischer oder Mehrfach-Behinderung, die nicht oder nicht mehr in ihrer eigenen Familie leben können, aber ein familiäres Umfeld möchten. "Es soll die bestehenden Wohnformen ergänzen", sagt Angelika Bayer. Derzeit leben fünf Menschen mit Behinderung bei Gastfamilien, vier Erwachsene und ein Kind.

Seit es dieses Angebot in der Region gibt, haben sich knapp 50 Familien bei der St. Gallus-Hilfe gemeldet. Am Ende blieben zwölf übrig. Manche Interessenten haben sich nach einem Gespräch zurückgezogen, weil sie andere Vorstellungen hatten, zum Beispiel nur an eine Tages- oder Urlaubsbetreuung gedacht hatten, berichtet Bayer. Darüber hinaus überprüft die St. Gallus-Hilfe, ob Bewerber als Gastfamilien geeignet sind. Dabei kommt es auf etliche Faktoren an, auf persönliche ebenso wie auf solche des Wohnumfelds. Die Familie muss etwa zumindest ein eigenes Zimmer für den Gast zur Verfügung stellen.

Andere Faktoren sind dagegen völlig offen. Es kommen auch Einzelpersonen, Kinderlose und andere Formen von Lebensgemeinschaften als Gastfamilien in Frage. Wichtig ist vor allem: Betreute und Betreuende müssen zusammenpassen - nicht nur von ihrer Persönlichkeit her. "Wer gern mit Tieren umgeht, fühlt sich oft auf einem Bauernhof wohl", sagt Bayer. "Wer aber eine Katzenhaarallergie hat, kann nicht in ein Haus mit einer Katze ziehen. Und wenn jemand eine Gehbehinderung hat, ist ein Haus mit Treppen nicht ideal."

Aus Gründen wie diesen ist es der St. Gallus-Hilfe bisher nicht gelungen, für den Elfjährigen eine Gastfamilie zu finden. Sie sollte keine Kinder haben, die jünger als er sind. Und sie sollte am besten auf der baden-württembergischen Seite wohnen, weil dann der Fahrdienst zur Schule gesichert wäre und der Junge Schule und Hort nicht wechseln müsste. Dort sei er nach Auskunft des Personals gut integriert, berichtet Angelika Bayer. "Er ist akzeptiert, er macht mit, es gibt keine Probleme." Auch seine Eltern seien sehr kooperativ.

Bei Schwierigkeiten steht ohnehin die St. Gallus-Hilfe bereit. Sie begleitet und unterstützt alle Gastfamilien in sämtlichen Fragen. Die Mitarbeiter kommen zu Hausbesuchen und helfen beim Kontakt mit Ämtern, Pflege- und Krankenkassen weiter.

Info Wer sich für das betreute Wohnen für Behinderte interessiert oder Gastfamilie werden möchte, kann sich an Angelika Bayer wenden: Tel. (0731) 159 39 96 30.

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