Elektro-Mobilität wird intensiv entwickelt

Die Technologie von Elektroautos wird sich weltweit enorm entwickeln. Und: Ulm erhält eine Wasserstofftankstelle. Das Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung (ZSW) hatte Minister-Besuch.

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Prof. Werner Tillmetz: Wir müssen uns dranhalten bei der Batterie-Forschung.  Foto: 

Peter Friedrich ist topfit im energiepolitischen Bereich und hat schon an entsprechenden Koalitionsverträgen mitgewirkt. Seit gestern weiß der Minister für Bundesrat, Europa und Internationale Angelegenheiten in Baden-Württemberg auch, wie eine Lithium-Ionen-Zelle produziert wird: Eine Kollektorfolie wird mit einer speziell gemixten Elektrodenpaste beschichtet, getrocknet, gewickelt und in ein kassettenförmiges Alu-Gehäuse gepresst. Friedrich war zu Besuch in dem neuen dreistöckigen 32-Millionen-Gebäude des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) in der Liese-Meitner-Straße 24 auf dem Oberen Eselsberg. Dort, im Labor für Batterietechnologie, werden seit Anfang des Jahres Prototypen von Batterien für Elektroautos sogar produziert.

Das ZSW mit Zweitsitz in der Helmholtzstraße 8 forscht im Bereich regenerativer Energieträger wie Wasserstoff und Methan sowie in der Batterie- und Brennstoffzellentechnologie und beschäftigt insgesamt 240 Mitarbeiter, davon 130 in Ulm. Der Rest beleuchtet am Hauptsitz in Stuttgart das Thema Photovoltaik.

"Wir sind quasi ein Landesinstitut, 15 Prozent Grundfinanzierung kommen vom Land, 85 Prozent müssen wir bei unseren Forschungspartnern aus Automobilindustrie, Chemie und Maschinenbau akquirieren", erklärte Prof. Werner Tillmetz, ZSW-Vorstand und Leiter des Geschäftsbereichs Elektrochemische Energietechnologien.

Friedrich staunte nicht nur über die hochmoderne Technologie, sondern vor allem über die noch erweiterbaren Räumlichkeiten. "Dagegen ist die Firma Tesla rückständig, ernüchternd, ja nur eine Fahrzeugmanufaktur", sagte der Minister rückblickend auf seinen dortigen Firmenbesuch im Mai. Tesla Motors Deutschland entwickelt und produziert Premium-Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb. Tillmetz betonte, dass Asien momentan immer noch die Nase vorne habe bei der Entwicklung von Elektroautos. "Wir müssen uns in Deutschland dranhalten." Allerdings kämpfe die Autoindustrie noch mit der Akzeptanz von alternativen Antriebsquellen wie Brennstoffzellen und Lithium-Ionen-Batterien. Dennoch rechnet der Professor damit, dass bald die ersten Elektroautos mit einer größeren Reichweite von mindestens 300 Kilometern auf der Straße fahren.

Auf jeden Fall sind jetzt schon einige Brennstoffzellenautos unterwegs. Sie werden mit Wasserstoff emissionsfrei angetrieben und dieser "Sprit" kann mithilfe erneuerbarer Energien sogar CO2-neutral hergestellt werden. Etwa beim Cracken von Kohlenwasserstoff. Die erste Wasserstoff-Tankstelle in Ulm wird das ZSW bereits nächsten Monat vor seinem Gebäude in der Helmholtzstraße beginnen aufzustellen. Tillmetz: "Ab November können dann alle mit ihren Wasserstoffautos zum Tanken kommen."

Hier schließt sich wiederum das Leuchtturmprojekt Power-to-Gas an. Seit Jahren verbessern die ZSW-Forscher dieses Konzept, bei dem per Elektrolyse Wasserstoff erzeugt und anschließend an Wasserstoff-Tankstellen verteilt wird. Nun sollen die letzten wissenschaftlichen Weichen für den wirtschaftlichen Betrieb der Technologie gestellt werden, sagte Tillmetz am Rande des Ministerbesuchs. Geplant ist der Betrieb einer solchen Anlage mit einer elektrischen Anschlussleistung von mindestens einem Megawatt.

Perspektivisch könnten allein mit dieser Industrieanlage mehr als 1000 Brennstoffzellenfahrzeuge CO2-neutral und somit klimafreundlich mobil sein. Die baden-württembergische Landesregierung fördert das Vorhaben mit insgesamt 4,5 Millionen Euro. Aber: Bislang fehlen noch ein Betreiber und ein Standort im Umkreis von 250 Kilometern um Stuttgart. Die Bewerbungsfrist endet am 17. September.

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