Elektrischen Toröffner wird es nicht geben

Zu früh gefreut haben sich die Ulmer Grünen, die dieser Tage mitteilten: "Einsatz der Grünen erfolgreich: Barrierefreier Zugang zum Münster kommt". Und zwar in Form eines elektrischen Türöffners am Brauttor, wie OB Gönner schriftlich in Aussicht gestellt habe.

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Das Brauttor ist heute schon schwellenloser Zugang zum Münster. Einen elektrischen Toröffner aber wird es dort nicht geben.  Foto: 

Im Mai hatte die Fraktion einen Antrag auf einen barrierefreien Zugang zum Münster gestellt, um es Rollstuhlfahrern ermöglichen, selbstständig in die Kirche zu kommen.

Im Brief Gönners steht, dass ein barrierefreier Zugang über das Hauptportal "kaum zufriedenstellend zu realisieren ist", weil eine "normgerechte Rampenanlage oder andere feste installierte Hilfsmittel" mit dem Denkmalschutz kollidierten. Ein schwellenloser Zugang sei über das Brauttor schon heute möglich. Aber weil die schwere Portaltür von Rollstuhlfahrern kaum zu öffnen sei, gebe es Gespräche mit dem Ziel, hier "zum Beispiel mithilfe eines elektrischen Türöffners Abhilfe zu schaffen". Weiter heißt es: "Die genannten Maßnahmen am Brauttor sind mit vertretbarem Aufwand zu bewerkstelligen. Ich bin zuversichtlich, dass mit Münstergemeinde und Fachbehörden Einvernehmen hergestellt werden kann."

Als Münsterbaumeister Michael Hilbert von der Antwort des OB erfuhr, fiel er aus allen Wolken. Nicht nur wegen des Denkmalschutzes. "Das ist technisch unmöglich!" Denn um die rund 300 Jahre alten massiven Renaissance-Türen des Brautportals zu öffnen, "bräuchte man Wuchtbrummen von Motoren mit einer irren Kraft. Ich kenne keinen Torantriebhersteller in Deutschland, der so etwas anbietet." Zumal nur Teile der Tore als "Durchschlupf"-Türen genutzt werden, und der restliche Teil nicht ganz fest sei. Zudem kommt nach der Außentür der Windfang mit weiteren Türen - die nächste Hürde.

Das Einzige, was laut Hilbert möglich ist und realisiert werden soll, ist eine Stele mit einer Klingel und Sprechverbindung. Das werde im Zuge der laufenden Elektrosanierung bis Jahresende erledigt. Wird die Klingel betätigt, läuft das Signal bei Pforte, Mesner und diversen Diensthandys auf, damit jemand kommt und die Türen öffnet - von Hand. Diese Pläne sind laut Hilbert seit Jahren so beschlossen.

Der Münsterbaumeister verwehrt sich gegen die Ansicht, dass "das Brautportal der Hintereingang des Münsters ist". Er findet es zumutbar, dass bei der Klingel-Variante Menschen mit Rollstühlen, Rollatoren oder anderen Gehhilfen auf die Hilfe anderer angewiesen sind. "Hier geht es ja nicht um die Planung eines Neubaus, da hat man andere Möglichkeiten. Für uns ist es ein Glück, dass wir die alten Türen noch haben."

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Kommentare

03.08.2015 23:31 Uhr

Antwort auf „Zum Glück!!!”

Menschen wie sie gilt es, in der Gesellschaft entgegen zu wirken. Massiv, Konsequent, mit allen Mitteln!

"Verschandelung" durch Türöffner? Was stimmt nicht...............

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03.08.2015 21:13 Uhr

Antwort auf „Zum Glück!!!”

Herr Schmitz,

wenn Sie im Supermarkt ein gehbehinderter Rollstuhlfahrer um Hilfe bittet, weil er an das Produkt seiner Wahl in der oberen Regalreihe selbst nicht herankommt, verneinen Sie dann und sagen auch "Was nicht geht, geht eben nicht"?

Wenn Sie einen Autounfall haben und im brennenden Wrack eingeklemmt sind und nicht aus eigener Kraft das Fahrzeug verlassen können, würde ich als Ersthelfer gerne zu Ihnen sagen "Was nicht geht, geht eben nicht".

Und wenn Sie dann selbst querschnittsgelähmt mit ihrem Rollstuhl ins Münster wollen, um dort Gott zu verfluchen, wird IHNEN garantiert niemand an der Tür beim Hereinkommen helfen. Und Gott wird nur mit den Schultern zucken und sagen: "Was nicht geht, geht eben nicht".

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03.08.2015 16:03 Uhr

Antwort auf „Zum Glück!!!”

Ja sowas...

Herr Schmitz...

sind nicht Sie es, der sich durch Tempo 30 Zonen belästigt fühlt? Fühlen Sie sich durch den täglichen Zeitverlust von ein paar Sekunden betrogen?

Aber von gehbehinderten, im Rollstuhl sitzenden Menschen verlangen Sie, dass sie ein bisschen warten können?

Mir liegt da ein Wörtchen auf der Zunge, das ich Ihnen sehr gerne mal schreiben würde, allerdings verbieten dies die Etikette!

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03.08.2015 13:24 Uhr

Zum Glück!!!

Man braucht für die paar Behinderten nicht jedes Mal eine Extrawurst machen. Es ist ihnen zuzumuten, dass sie eben auf jemanden warten, der ihnen hilft.

Ich warte nur darauf, dass man ihnen in Kürze auch bald einen Aufzug auf die Münsterspitze bauen soll.

Was nicht geht, geht eben nicht. Leider.

Mir tut jeder leid, der in einem Rollstuhl sitzt. Aber man kann auch alles übertreiben.

Wenigstens der Münsterbaumeister hat hier Realitätssinn bewiesen, wenn schon der Ivo es nicht macht. Scheinbar will er immer politisch korrekt allen Leuten entgegenkommen. Damit hat er schon den Schwörhof verschandelt mit dem hässlichen Neubau. Nebenan an historischer Städte wäre er gut untergebracht gewesen, so verschandet er einen der wenigen Ulmer Plätze.

Immerhin wurde hier die Verschandelung von einem kompetenten Fachmann gestoppt.

Danke an den Münsterbaumeister!!

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