Einstein und Co.: Führungen am Tag des offenen Denkmals

Aus dem Haus "Engländer" in Ulm heraus tauchen Forscher immer tiefer in die Einsteinsche Familiengeschichte ein. Neues gibts am Sonntag zum Tag des offenen Denkmals.

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In der heute verschwundenen Stubengasse wohnte Albert Einsteins Oma, wie man jetzt weiß. Foto: Stadtarchiv Ulm

Seit Dorothea Hemminger mit dem Europabüro der Stadt im "Engländer" am Weinhof 19 sitzt, öffnet sie das Haus zum Tag des offenen Denkmals - am Sonntag zum vierten Mal. Zunächst ging es dabei um das historische Gebäude. Dann um die Wirte, die im "König von England" und den Vorläufern bedient hatten. Dann um das jüdische Leben und die Bettfedernfabrik im Haus, was schnurstracks auf Albert Einstein, den großen Sohn der Stadt, hinausläuft. Seine Großmutter Helene wohnte im "Engländer", sein Vater Hermann war Mitinhaber der Fabrik. Jetzt ist diese Geschichte vom Historiker Christof Rieber im Zusammenspiel mit Ingo Bergmann, in der Sache ebenso bewandert, weitergedreht und um neue Forschungsergebnisse bereichert worden, die die Mauern des "Engländers" sprengen. Das ist Thema der Führungen zum Tag des Denkmals am Sonntag.

Der Weg führte Rieber über eine Sackgasse zur Entdeckung - über die Stubengasse. Er fand heraus, dass Helene Einstein zuletzt dort bei ihrem Schwiegersohn Cosman Dreyfus wohnte und 1887 auch starb. Dreyfus wiederum war ein Mann von großer Ulmer Reputation, wie Rieber recherchierte. Die Stubengasse gibt es nicht mehr. Sie führte von der Oberen Stube zum Münster und ist heute überbaut.

Mit ihrer Spurensuche zeigen Rieber und Bergmann, wie eng die Einsteins mit anderen jüdischen Familien in Ulm verwoben und damit in der Stadtgesellschaft verankert waren. Es geht also um mehr als darum, dass Albert Einstein in Ulm geboren ist und basta. "Es ist wichtig für die Ulmer, dass sie sehen, wie die Einsteins zur Stadt gehört haben", sagt Bergmann. Es bleibe freilich dabei, dass der "Engländer" das einzige Haus ist, das als Zeuge dieser Beziehungen heute noch steht.

Für Dorothea Hemminger ist damit erfüllt, was sie sich vom Tag des Denkmals erwartet - dass er auch von den Bewohnern und Menschen in und hinter den Häusern erzählt.

Info Der Tag des offenen Denkmals ist am Sonntag vielerorts. Im "Engländer" am Weinhof 19 gibt es Führungen um 11, 14 und 16 Uhr plus Ausstellung zu Albert Einstein und seiner Ulmer Verwandtschaft.

Tag des offenen Denkmals: Jenseits des Guten und Schönen

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