Schick und schön: Einmal schleifen und cremen, bitte!

Männer müssen sich überwinden, um ihre Füße professionell pflegen zu lassen. Dabei gehört gar nicht viel dazu außer Diamantfräser und Skalpell.

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    Susanne (links) und Manuela Mailänder führen gemeinsam ihre Fußpflege-Praxis. Foto: 
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    Auch Männerfüße wollen gepflegt werden: Mit einem elektrischen Schleifgerät – vorne die Kappe besteht aus einer Art Bimsstein – wird die Hornhaut vorsichtig abgeschliffen. Foto: 
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Die Füße tragen uns ein Leben lang. Und: Gut gepflegte Füße sind die Balance des Körpers. Das sind die zwei Leitsätze von Susanne Mailänder (48) und ihrer Schwester Manuela Mailänder (38). Seit neun Jahren betreiben die gelernten Arzthelferinnen ihre Fußpflegepraxis in der Ulmer Radgasse. „Wir pflegen die Füße nur, wir behandeln sie nicht“, betont Susanne Mailänder. Denn dazu müssten sie in der Podologie, der nichtärztlichen Heilkunde am Fuß, ausgebildet sein. Allerdings haben die Schwestern 13 Jahre lang in einer Langenauer Hautarztpraxis gearbeitet, in der die Pediküre angegliedert war.

 „Wir können 13 Jahre Dermatologie vorweisen“, sagt Susanne Mailänder stolz. Deshalb schaut sie sich die Füße immer erst im trockenen Zustand an und fragt den Kunden etwa nach Allergien oder, ob er Blutverdünner einnimmt. Dann erst dürfen sich die Füße im warmen Fußbad entspannen. Dem Wasser beigefügt sind Düfte wie Lavendel, Limette oder Meeresbrise – je nach Wunsch des Kunden. „Männer mögen meist keinen Duft“, bemerkt Manuela Mailänder.

„Männer“, das ist das Stichwort. Kommen die überhaupt zur Fußpflege? Die Schwestern nicken. Ja, aber erst in den letzten paar Jahren seien es mehr geworden: 20 Prozent der Kundschaft sind inzwischen männlich. Trotzdem erzählen Kundinnen immer wieder, dass sie es aufgegeben hätten, ihren Mann zur professionellen Fußpflege aufzufordern.

Niemand muss sich schämen

Susanne Mailänder kennt auch die Gründe: Männer hätten die (falschen) Vorstellungen, dass in der Fußpflegepraxis überschminkte arrogante Kosmetikerinnen an den Füßen rumtüddeln bis es kitzelt, klebrige Cremes verteilen und gleich mit dem Nagellack anrücken.  Das Gegenteil sei der Fall, sagt die Expertin. Außerdem brauche sich niemand zu schämen, auch nicht, wenn er krumme Zehen und Warzen hat. Sie sehe die Füße schlicht als Füße, denen sie helfen will.

Wie geht es weiter nach dem Fußbad? Die Nägel werden um die Länge gekürzt, die der Kunde wünscht, und danach mit einem Diamantfräser glatt gefeilt. Zudem wird der Nagelfalz, also die Rinne rechts und links des Nagels, gereinigt. „Die Nagelhaut wird nicht entfernt oder zurückgeschoben, denn sie ist der natürliche Schutz vor Bakterien“, sagt Susanne Mailänder und kommt automatisch auf ein aktuelles Thema zu sprechen: Jeder Fünfte habe heutzutage, zum Teil unwissend, einen Nagelpilz. Das hänge mit den vielen Turnschuhen und anderem Schuhwerk aus Kunststoffen zusammen. Hinzu kommt: „Manch einer, der einen Nagelpilz hat, tut nichts dagegen und geht trotzdem in die Sauna und ins Schwimmbad.“

Die Expertin rät: Bloß nicht an die Desinfektionsdüsen gehen, „denn an die Stelle im Schwimmbad geht jeder hin“. Besser ist es, selbst ein Desinfektionsspray und ein extra Handtuch mitzunehmen, auf das man seine eingesprühten Füße stellt, bevor man in die frischen Socken schlüpft. Sportler, die oft in den Umkleideräumen duschen, schützen ihre Nägel vorbeugend mit einem matt glänzenden Spezial-Nagellack.

Hornhaut vorbeugen

Vorbeugen vor rissiger Hornhaut, auch Schrunden genannt, kann man mit einer Spezialcreme. Da Männer aber klebrige, glyzerinhaltige Cremes meist ablehnen, gibt es leichte Schaum-Cremes, die keinen Fettfilm hinterlassen. Die trägt die Fußpflegerin auf, sobald sie die Hornhaut an den Fersen und am großen Zeh vorsichtig mit dem elektrischen Schleifgerät entfernt hat, das mit einer Kappe aus einer Art Bimsstein schleift. „Das kitzelt nicht, weil wir mit der anderen Hand den Fuß fest anpacken“, versichert Manuela Mailänder.

In China wird dabei gegessen

Ist die Hornhaut sehr dick, muss sie allerdings zum Skalpell greifen und Überflüssiges „vorsichtig runterschälen“. Aber ein kleiner Rest Hornhaut müsse immer bleiben, auch am Hallux, sonst produziert der Körper zu schnell wieder Hornhaut nach. Vor dem Hornhauthobel im Eigengebrauch warnt sie: Damit könne man die Dicke der Hornhaut nicht abschätzen und schnell zu viel abraspeln.

Was kostet eine Fußpflege-Behandlung? 15 Euro zahlt man zunächst fürs Füße-Herzeigen und sich beraten lassen. Die umfassende Pflege liegt stets bei 29 Euro und dauert je nach Bedarf zwischen 30 und 50 Minuten.

In Indien und China gehe jeder zur Fußpflege, der es sich leisten kann – Frauen wie Männer. „Die sitzen auf einer langen Bank im Freien und lassen sich die Füße verwöhnen“, weiß Manuela Mailänder von Freunden im Ausland. Manche Kunden würden so die Mittagspause verbringen und dabei lesen oder etwas essen.

Entstehung: Die Bildung von Hornhaut ist ein ganz normaler Prozess. Die gelbliche bis weiße Schicht entsteht, um die Füße zu schützen. Sie sieht allerdings unschön aus und kann sich im Laufe der Zeit zu schmerzhaften Schwielen entwickeln oder Risse bekommen. Mit der richtigen Fußpflege kann man verhindern, dass es soweit kommt.

Besonders häufig sind diejenigen Männer betroffen, die zum Beispiel in Sicherheitsschuhen oder Gummistiefeln arbeiten. Denn das feucht-warme Klima im Schuhwerk begünstigt die Verhornung der oberen Hautschichten. Auch andere Belastungen wie Joggen oder Wandern können die Entstehung von Hornhaut begünstigen.

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